Ab Herbst diesen Jahres möchten auch Microsoft und Sony ihre Konsolen mit Bewegungssteuerung versehen. Der Erfolg Nintendos mit der Wii hat es ja vorgemacht. Während mit Kinect jedoch ein gänzlich neuer Ansatz verfolgt wird, wandelt Sony mit seinem Playstation Move auf den Pfaden von Wii-Remote und Nun-Chuck. Aber ist das vielleicht sogar gut so? Wie genau funktioniert die Technik? Und wie gut sind die passenden Spiele? Wir haben uns den Controller und die ersten Titel in Köln angeschaut und verraten euch, ob man sich als PS3-Besitzer den 15. September vormerken sollte oder nicht.
Der Controller
Auf der Pressevorführung der Bewegungssteuerung wurde uns lediglich der
Move-Controller präsentiert. Den zusätzlichen Navigations-Controller, den man für so ziemlich jedes Core-Game benötigen wird, durften wir uns leider nicht in Aktion anschauen. Da uns aber sowieso nur Casual-Games gezeigt wurden, war dieser auch gar nicht nötig.
Über Aussehen und Technik von
Playstation Move brauchen wir wohl an dieser Stelle nicht mehr allzu viele Worte zu verlieren (alle Details lest ihr in unserem
»Technik-Artikel). Kurz zusammengefasst: Das Lämpchen des
Move-Controllers wird von der Playstation Eye-Kamera erfasst, so dass die Bewegungen in das jeweilige Spiel übertragen werden können. Während bei der Wii alles mit Infrarot-Licht funktioniert, wird bei der Playstation 3 also ein "Objekt" direkt erfasst, was eine viel präzisere Steuerung verspricht. Und tatsächlich: Die Bewegungen mit dem
Move-Controller werden, soweit wir das nach einer zweistündigen Probe-Session beurteilen können, sehr genau übernommen. Eine spürbare Verzögerung gab es nicht. Zudem liegt der Controller sehr gut in der Hand und scheint auch, Sony-typisch, sehr gut verarbeitet zu sein. Sowohl die Aktionsknöpfe und der
Move-Button auf der Oberseite, als auch der Trigger an der Unterseite sind sehr gut mit den Fingern zu erreichen. In Verbindung mit dem Navigations-Controller dürften Ego-Shooter wie
Killzone 3 also sehr gut mit
Move zu steuern sein, zumindest im Singleplayer. Ob man auch in schnellen Multiplayer-Gefechten mit der Bewegungssteuerung von Sony bestehen kann, wird sich erst nach einem Langzeit-Test zeigen.
Die Spiele
Natürlich waren wir nicht nur zum zuschauen verdammt, sondern durften bei den Spielen auch selber Hand anlegen. Dabei konnten wir folgende Titel anzocken:
Start the Party! bietet genau das, was der Name verspricht: Mit bis zu vier Spielern absolviert ihr einzelne Party-Spiele, bei denen ihr Punkte sammelt. Diese braucht ihr für das Final-Spiel, bei dem eure Punkte als Zeitbonus für euch angerechnet werden. Wer das Finale gewinnt, gewinnt auch die gesamte Partie. In der Demo-Version waren zwar nur wenige Spiele enthalten, aber wir konnten uns dennoch einen guten Ersteindruck machen. Im Grunde ist
Start the Party! ein Nachfolger der
Eye Toy: Play-Reihe. Auf dem Bildschirm wird nämlich stets in den Spielen das Bild der Playstation Eye-Kamera angezeigt und die Spielinhalte darauf projiziert. Nur erledigt ihr die Aufgaben nun eben nicht mehr mit eurer Hand, sondern mit dem
Move-Controller. Dazu gehören das Zerschneiden von Obst oder das Fangen von Geistern. Die Präsentation ist dabei durchaus nett, aber natürlich kein grafischer Oberkracher. Spaß macht
Start the Party! auf jeden Fall, aber mehr als ein typisches Party-Spiel dürft ihr hier nicht erwarten.
Sports Champion ist eine klassische Sportspiel-Sammlung, ähnlich Nintendos
Wii Sports. Allerdings wird das ganze auf der PS3 deutlich erwachsener präsentiert, Comic-Männchen sucht man hier vergeblich. Aber das passt auch besser zum Image der Playstation 3. Grafisch müssen die Entwickler jedoch noch einiges tun: Die Charaktermodelle sahen aufgrund von extrem verwaschenen Texturen nicht gerade hübsch aus und auch die Umgebungsdetails ließen noch ein wenig zu wünschen übrig. Die Steuerung hat dabei jedoch sehr gut funktioniert. Besonders beim Bogenschießen hat man gemerkt, wie präzise die Bewegungen übernommen werden. Wer einen zweiten
Move-Controller sein eigen nennt, darf diesen auch beim Bogenschießen nutzen. Mit dem einen Controller haltet ihr dann den Bogen und zielt, mit dem anderen greift ihr hinter euren Rücken nach einem Pfeil und spannt diesen ein. Gerade das hat uns begeistert, weil es einem fast schon das Gefühl gegeben hat, selber einen Bogen in der Hand zu haben. Wer nur einen Move-Controller hat, muss zwar auf diese Sportart nicht verzichten, wird aber nicht so begeistert von ihr sein, wie wir es jetzt nach dem Anspielen waren. Als zweite Disziplin haben wir uns übrigens noch Beach-Volleyball zu Gemüte geführt. Auch hier hat die Steuerung an sich gut funktioniert, durch ständige Kamera-Wechsel war das ganze jedoch etwas unübersichtlich. Hier sollte noch nachgebessert werden, damit die vermeintliche Zielgruppe der Casual-Gamer nicht durch Frustmomente abgeschreckt wird.
Kung Fu Rider war das nächste Spiel, welches bei uns allerdings keine Begeisteruns-Stürme auslösen konnte. Dabei handelt es sich sogar um einen Titel mit "Story": Der Privatdetektiv Tobio ist auf der Flucht vor der Mafia und rollt dabei mit einem Bürostuhl durch ganz Tokio. Klingt komisch, ist aber so. Ihr schlüpft in Tobios Rolle oder in die seiner Assistentin Karin und rollt durch eine Vielzahl an Levels auf einem Bürostuhl (weitere Arten von Sitzmöglichkeiten können mit der Zeit freigeschaltet werden). Dabei könnt ihr auf den Wegen verteiltes Geld aufnehmen und müsst euch vor den schwarz gekleideten Gangstern in Acht nehmen, die euch an die Rübe wollen. Zudem warten viele Hindernisse auf euch, denen ihr ausweichen müsst. Dabei habt ihr verschiedene Aktionsmöglichkeiten. Ihr könnt springen, euch nach hinten beugen, einen Roundhouse-Kick machen und den Power-Boost aktivieren. Die dafür benötigte Energie ladet ihr auf, indem ihr duch Vierecke fahrt, die auf der Strecke verteilt sind. Die Levels, die wir anspielen konnten, verliefen alle nach diesem Prinzip: Ziel war es immer, das Ende der Strecke in der vorgegebenen Zeit zu erreichen. Mehr als eine lustige Highscore-Jagd für zwischendurch ist hier also nicht zu erwarten. Die Präsentation ist aber durchaus nett und witzig gemacht, grafisch kann die PS3 aber deutlich mehr.
Mit
Tumble dürften Fans von Knobel- und Geschicklichkeitsspielen auf ihre Kosten kommen. Der Titel erinnert ein wenig an
»Boom Blox für die Wii. In der Demoversion war es unsere Aufgabe, aus verschiedenen Bausteinen einen Turm mit einer vorgegeben Höhe zu bauen, ohne dass dieser einstürzt. Was sich einfach anhört, ist jedoch durchaus fordernd. Das ganze wird zwar ziemlich steril präsentiert, dürfte aber sowohl Gelegenheits- als auch Hardcore-Zocker gut unterhalten. Im fertigen Spiel soll es auch noch mehr Modi geben.
Zuletzt konnten wir noch
The Shoot spielen. Dabei handelt es sich im Prinzip um einen klassischen Rail-Shooter. Ihr bewegt euch auf vorgefertigten Bahnen durch unterschiedliche Levels und ballert, was das Zeug hält. Damit das ganze aber auch für die ganze Familie geeignet ist, spielt ihr nicht etwa einen Supersoldaten oder Alien-Jäger, sondern einen Filmstar, mit dem ihr durch Filmsets für B-Movies der einfachsten Sorte lauft. Als "Gegner" stellen sich euch dabei lediglich Holzaufsteller entgegen. So konnten wir zum Beispiel einen Wild-West-Level spielen, in dem wir auf Holz-Cowboys und -Adler schießen mussten. Zumindest erstere "schießen" dabei aber auch zurück. Lasst ihr euch zu oft treffen, gefällt das dem Regisseur überhaupt nicht und ihr müsst von vorne bzw. vom letzten Speicherpunkt an beginnen. Auch
The Shoot ist wirklich nett präsentiert und nimmt sich nicht allzu ernst. Hier dürfte euch also ein familienfreundlicher Rail-Shooter, der für zwischendurch bestimmt zu unterhalten weiß, erwarten. Aber auch bei diesem Spiel sehen wir eher wenig Langzeitmotivation.
TV Superstar und eine
Move-Edition von
»Eye Pet hätten wir auch spielen können, dafür fehlte allerdings die Zeit. Ersteres dürfte netten Party-Spaß bieten, bei letzterem sind wir uns aber sicher, dass es durch die
Move-Unterstützung deutlich besser funktionieren wird. Musste man bisher in seinem Wohnzimmer immer die perfekten Lichtverhältnisse schaffen und viele Funktionen mit der Zauberkarte nutzen (die auch erstmal vom Playstation Eye erkannt werden musste, was nur bedingt funktioniert hat), wird man nun das
Eye Pet mit Hilfe des Move-Controllers versorgen, desses Bewegungen dank des Lämpchens ja auch in dunkleren Räumen erkannt werden sollten.
Leider überhaupt nicht anspielbar war
The Fight, ein Beat'em Up, in dem ihr sämtliche Faustangriffe mit dem
Move-Controller ausführt. Am besten funktioniert dre Titel, wenn ihr zwei Exemplare des Controlelrs besitzt. Wenn auch hier die Bewegungserkennung so gut funktioniert, wie erwartet, und auch das Drumherum stimmt, könnte dies ein Spiel werden, dass für Core-Gamer durchaus interessant wird. Überhaupt merkt man Sony an, dass
Playstation Move nicht nur den Casual-Gamern schmackhaft gemacht werden soll. Mit einer
Move-Edition von
»Heavy Rain und dem im nächsten Jahr erscheinenden
Killzone 3 dürften auch die Core-Gamer zufrieden sein. Und auch
Little Big Planet 2, sowie das neue
SOCOM werden sich nicht nur mit dem normalen PS3-Gamepad steuern lassen. Das lässt darauf hoffen, dass man mit
Playstation Move das bekommt, was der ein oder andere bei der Wii so schmerzlich vermisst hat: Eine funktionierende Bewegungssteuerung mit HD-Grafik und genügend Core-Gamer-Titeln.