Im Oktober soll die Reanimation der in den letzten Jahren etwas in Ungnade gefallenen Medal of Honor-Serie erfolgen. Entwickelt wird das Spiel dabei von zwei unterschiedlichen Studios. Ein Team von Electronic Arts werkelt in den USA an der Singleplayer-Kampagne und EA DICE entwickelt in Schweden den Multiplayer-Modus. Dieser läuft gerade in der Beta-Phase und wir haben uns für euch auf das virtuelle Schlachtfeld gewagt. Hat Medal of Honor das Zeug, Modern Warfare 2 und Battlefield: Bad Company 2 das Wasser zu reichen? Wir verraten es euch in unserer Preview sowie im »kommentierten HandsOn-Video.
Fertig machen, Soldat!
Die Beta-Version des Multiplayer-Modus von
Medal of Honor bietet zwei unterschiedliche Karten mit jeweils einem Spielmodus. Map Nummer eins ist eine Stadtkarte mit Häuserkämpfen, die in Kabul spielt und dem klassischen Team-Deathmatch zuzuordnen ist. Map Nummer zwei ist in einer staubigen Berg-Landschaft angesiedelt und erinnert bei der Spielmechanik sehr stark an den "Rush"-Modus aus
»Bad Company 2. Das Angreifer-Team muss nacheinander drei Punkte einnehmen, die Gegner müssen diese verteidigen - also ein klassisches Assault-Prinzip. Beide Maps sind dabei zwar ganz gut gemacht, aber keine Meisterwerke der Multiplayer-Shooter-Historie.
Zu Beginn einer Partie dürft ihr euch natürlich erst einmal eine Klasse aussuchen. Dabei habt ihr die Wahl aus drei unterschiedlichen Soldatentypen: Dem Rifleman, der ganz klassisch mit einem Sturmgewehr bewaffnet ist, dem Special Ops, dessen Ausrüstung aus Maschinenpistole und Raketenwerfer besteht, und dem Sniper, dessen Lieblingswaffe wohl jedem bekannt sein dürfte. Zusätzlich hat jede Klasse in
Medal of Honor auch noch eine Pistole, ein Messer, sowie Granaten im Gepäck. Doch neben diesen Gemeinsamkeiten halten sich die Unterschiede in der Spielweise leider arg in Grenzen. Klar, ein Sniper spielt sich schon anders, als ein Rifleman, da jener nicht wie Rambo über die Karten laufen kann. Aber letztendlich hat jeder Spieler lediglich die Aufgabe, Schaden anzurichten. Es gibt keinen Sanitäter, der seine Kameraden heilt, es gibt keinen Supporter, der Munitionskisten verteilt oder Fahrzeuge repariert - eben so, wie man es aus anderen auf Klassen basierenden Mehrspieler-Shootern wie der
Battlefield-Serie kennt. Dadurch kommt so gut wie kein Teamplay auf, womit
Medal of Honor sehr viel von seinem Reiz verliert.
Was für ein Shooter bin ich?
Das ist auch ein Grund dafür, dass das Spiel irgendwie unausgegoren wirkt. Denn es kann sich nicht wirklich entscheiden, was für eine Art von Shooter es im Mehrspieler-Modus sein möchte. Auf der einen Seite spielt sich
Medal of Honor verhältnismäßig langsam, ähnelt vom Temp her
Bad Company 2, auf der anderen Seite ist Taktik und Teamplay so gut wie gar nicht von Bedeutung und es kommt nur auf gute Zielfähigkeiten an. Man hat also das Gefühl,
Medal of Honor möchte eine Art "Deathmatch"-Spiel für den Spaß zwischendurch sein, ähnlich wie
»Modern Warfare 2, aber dafür spielt es sich viel zu träge. Es mixt also
Bad Company 2 mit dem letzten Teil der
Call of Duty-Reihe. Und das kann nicht wirklich funktionieren.
Doch das ist nicht das einzige Problem: So mangelt es dem Spiel zudem an etwas Eigenständigem, einem besonderen Herausstellungs-Merkmal, wie es die Konkurrenten haben:
Modern Warfare 2 hat ein unglaublich umfangreiches Rang-System, mit zahlreichen Waffen, Upgrades und den so genannten
»Perks, den Spezialfähigkeiten für euren Charakter.
Bad Company 2 setzt sehr gekonnt auf Teamplay und hat eine grandiose Engine für die Zerstörung der Umgebung, die nicht nur optisches Beiwerk ist, sondern auch spielerisch wichtig. Und
»M.A.G. trumpft auf mit seinen gigantischen Spielerzahlen und versteht es auch sehr gut, euch Teamwork schmackhaft zu machen.
Medal of Honor fehlt genau so etwas.
Ja, es hat ein Rangsystem, aber das ist eher rudimentär. Ihr könnt mit jeder Klasse maximal Level 14 erreichen, indem ihr ordentlich Punkte sammelt. Mit jedem neuen Rang schaltet ihr dann auch neue Waffen frei, für besondere Aktionen gibt es zudem Medaillien. Neue Wege bestreitet das Spiel hier aber nicht und einem
Modern Warfare 2 oder
Bad Company 2 kann es in diesem Punkt ebenfalls nicht das Wasser reichen. Ja,
Medal of Honor hat auch zerstörbare Umgebungen, aber diese beziehen sich nur auf Bäume oder Holzzäune. Gebäude kann man nicht zerstören und ihr könnt auch nicht von den umfallenden Bäumen erschlagen werden. Somit dient dieses Feature hier nur der Optik, im Gegensatz zum aktuellesten
Battlefield-Ableger.
Immerhin macht
Medal of Honor eine Sache sogar besser, als
Modern Warfare 2: So gibt es nämlich auch hier Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Ordern eines Luftschlags, die ihr euch bei
Call of Duty durch eine bestimmte Anzahl an Abschüssen verdienen müsst, ohne zu sterben. Bei EAs Shooter benötigt ihr dafür eine bestimmte Punkteserie. Das gefällt uns wesentlich besser und funktioniert auch durchaus gut.
Sie aus wie Battlefield
Dass der Multiplayer-Teil von
Medal of Honor von einem separaten Team, also EA DICE, gemacht wird, ist ja heutzutage nichts Besonderes. Dass dieser dann aber auch eine andere Grafik-Engine hat, als die Solo-Kampagne, ist wiederrum etwas vollkommen Ungewöhnliches. So basiert der Online-Modus nämlich auf der Frostbyte-Engine, die DICE schon bei den
Bad Company-Spielen genutzt hat. Dementsprechend sieht die Grafik auch aus. Die Soldaten bewegen sich schön geschmeidig über das Schlachtfeld, Texturen und sämtliche Effekte können überzeugen, sind aber nicht das Maß aller Dinge. Auch der Sound macht eine gute Figur, auch wenn das Spiel hier nicht ganz das hohe Niveau von
Bad Company 2 erreicht. Insgesamt muss man jedoch sagen, dass die Entwickler technisch nicht viel falsch gemacht haben. Das betrifft auch die Steuerung. Jeder, der einmal
Bad Company 2 gespielt hat, wird sich sofort heimisch fühlen, da die Tastenbelegung und das Movement genau identisch sind.
Leider ist uns die Beta zwischendurch ab und zu mal abgestürzt, wobei sich auch gleich die ganze Konsole mit aufgehangen hat. Aber sowas ist ja kein Drama, so lange es im fertigen Produkt nicht mehr passiert. Was wir uns auch noch für die Vollversion wünschen würden, wäre eine Killcam, wie man sie aus
Modern Warfare 2, so dass man immer sieht, wer einen gerade erschossen hat. Das fehlt nämlich noch, wodurch Camper einen klaren Vorteil haben. Das Spiel blendet lediglich per kleinem Info-Fenster ein, wer euch getötet hat und mit welcher Waffe ihr niedergestreckt wurdet.