Die Macher des bei Adventure-Fans umstrittenen Fahrenheit (»Testbericht) haben schon seit längerer Zeit ein neues Projekt in der Mache, was augenscheinlich seinesgleichen sucht. Anfänglich von der Presse nur als Tech-Demo der PlayStation 3 verschrien, entwickelte sich das filmisch inszenierte Adventure zu einem der technisch besten Spiele überhaupt. Was es mit Heavy Rain auf sich hat, erfahrt ihr in unserer Preview zum Spiel.
Ihr seid der Regisseur
In
Heavy Rain übernehmt ihr das Kontrolle über vier verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Hintergründen und Interaktionsmöglichkeiten. Je nachdem, wie ihr euch in der jeweiligen Szene verhaltet, beeinflusst ihr damit den kompletten Verlauf des Spiels. Ihr seid also maßgeblich für den Ausgang von
Heavy Rain verantwortlich. Um das etwas näher zu erläutern, wollen wir uns einen Story-Abschnitt aus den zusätzlichen Download-Episoden für das Spiel, den
Heavy Rain Chronicles, näher anschauen:
Die junge Journalistin Madison hält in
The Taxidermist bei strömenden Regen mit ihrem Motorrad vor einem kleinen Haus in einer idyllischen Wohngegend. In diesem Haus lebt nach ihren Informationen der unberechenbare Mörder Lyland White. Die junge Frau verschafft sich Zugang zum Haus, schaut sich um und erfährt, dass der Verdächtige als Tierpräparator arbeitet. Im Kamin stößt sie auf ein verbranntes Kleid, welches als weiteres Indiz gegen den Mörder dient. Im Badezimmer des Obergeschosses trifft Madison dann der nächste Schock: In der Badewanne liegt eine verstümmelte Frauenleiche. Der Schrecken setzt sich im benachbarten Schlafzimmer fort, hier liegen ausgestopfte Frauen auf dem Bett, sitzen auf dem Sofa oder wurden im Raum drapiert. Plötzlich schlägt im Untergeschoss eine Tür zu. Der Mörder ist nach Hause gekommen. In diesem Moment wird der Bildschirm wie in
Fahrenheit oder der TV-Serie „24“ zweigeteilt, auf der einen Seite könnt ihr den Mörder beobachten, auf der anderen die Protagonistin. Ängstlich schleicht Madison die Treppe hinunter, während White mit einem Bier auf dem Sofa Platz genommen hat. Unerkannt flüchtet die Journalistin durch die Eingangstür.
Ein weniger glimpflicher Ausgang
Die Geschichte könnte aber auch ein komplett anderes Ende finden. Seid ihr zum Beispiel bei eurem Fluchtversuch zu laut, bewaffnet sich der Mörder mit einem Messer und begibt sich auf die Suche nach dem merkwürdigen Geräuschen ins Obergeschoss. Nun heißt es, sich ein sicheres Versteck zu suchen, wählt ihr beispielsweise eine Tür, wirkt der Charakter ziemlich verkrampft. Um das auf den Spieler zu übertragen, müsst ihr währenddessen vier unterschiedliche Tasten drücken und halten. Nachdem Lyland White an dem Raum vorbeigegangen ist, könnt ihr eine Flucht nach vorn riskieren. Doch der Mörder geht plötzlich in eure Richtung, so dass ihr euch in einem anderen Raum ein weiteres Mal verstecken müsst. Leider war das gewählte Versteck nicht gut genug. Ertappt werdet ihr von White aufs Bett geworfen und spürt das Messer an eurer Kehle. Um aus der prekären Situation zu entwischen, folgen einige Quicktime-Events, in denen ihr verschiedene Tastenkombinationen ausführen müsst. Verlaufen diese erfolgreich, dürft ihr ebenfalls zum Ausgang hechten.
Vier Schicksale in einem Spiel
Doch das waren noch lange nicht alle möglichen Ausgänge des Levels. Ihr hättet den Mörder mit einer Waffe zum Beispiel auch zur Strecke bringen oder von selbigem getötet werden können. In diesem Fall, würden die Zeitungen am nächsten Tag von der vermissten Journalistin berichten. Der Verlauf der Geschichte ist so miteinander verwoben, dass jede Entscheidung einen weitreichenden Einfluss auf die noch folgende Geschichte hat. Voraussichtlich werden insgesamt 60 Abschnitte im endgültigen Spiel enthalten sein. Neben Madison, die Lyland White für eine gute Story jagt, schlüpft ihr in
Heavy Rain auch in die Rollen des Ex-Privatdetektivs Scott Shelby, dem FBI-Profiler Norman Jayden und dem Architekten Ethan Mars. Jede der Figuren hat ihre eigenen Beweggründe, welche im Verlauf des Spiels näher beleuchtet werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Videospiel-Storylines wurde sehr viel Wert darauf gelegt, den Charakteren Tiefe zu verleihen – was
Heavy Rain eher wie einen interaktiven Film wirken lässt.
Im Gegensatz zu manch anderem Adventure könnt ihr in
Heavy Rain zudem auch sterben. Dabei heißt es jedoch nicht „Game Over“. Lediglich der Handlungsstrang des toten Charakters kann nicht mehr fortgesetzt werden. Sterben alle vier Protagonisten, bekommt ihr eine passende Endsequenz zu sehen.
Die freie Steuerung
Die längste Zeit im Entwicklungsprozess von
Heavy Rain hat Quantic Dream in die Steuerung und die Position sowie Navigation der Kamera investier. Das Team hat sich schlussendlich für eine bedingt feste Kamerasteuerung entschieden. Bedingt deswegen, weil diese je nach Situation kurzerhand eine andere Position einnehmen kann, um die spannungsgeladene Atmosphäre zu steigern.
Mit Hilfe der R2-Taste bewegt ihr den Charakter in die Richtung, in die ihr gerade schaut. Je nachdem, wie lang und tief ihr den Button drückt, bewegt dieser sich im Rennen oder Gehen fort. Weitere Aktionen führt ihr über kontext-sensitive Situationen und Quicktime-Events aus. Letztere kommen vor allem bei Verfolgungsjagden und im Nahkampf zum Einsatz. In Gesprächen könnt ihr über die L1-Taste unterschiedliche Themen ansprechen. Auch die SixAxis-Funktion des PlayStation 3-Controllers kommt in
Heavy Rain zum Einsatz, so müsst ihr beispielsweise das Pad schütteln, um Tonnen aus dem Weg zu räumen.
Unglaubliche Detailverliebtheit
Was
Heavy Rain außerdem ausmacht, sind die unglaublich detaillierten Charaktermodelle. Man erkennt die derzeitige Gefühlslage schon nach einem kurzen Blick in deren Gesicht. Um diese Merkmale so realistisch und echt wie möglich aussehen zu lassen, hat der Entwickler regen Gebrauch von der Motion Capturing-Technik gemacht. Einzig die Umgebung sieht mitunter noch etwas unbelebt aus, aber aufgrund des düsteren Settings des Spiels passt auch dieser Umstand.