Die Macher von »The Whispered World und »Harveys Neue Augen sind zurück. Im Januar laden Daedalic Entertainment nach dem träumerischen beziehungsweise horrorhaften Look der Vorgänger zu einem postapokalyptischen Stil ein. Wir haben die ersten Spielstunden der Preview-Version von Deponia angespielt, und sagen euch, was das neueste Point & Click-Adventure made in Hamburg so alles auf dem Kasten hat.
Müll, nichts als Müll!
Der allseits beliebte Störenfried Rufus hat sein Leben auf dem Müllhaufen, der sich Kuvaq schimpft, satt. Auf der Suche nach Reichtum und einem unbeschwerten Leben verlässt er das Dorf, um sich als blinder Passagier in die Himmelsstadt Elysium einzuschleusen. Natürlich läuft der Plan schief, doch Rufus ist nicht der einzige, der auf schnellstem Wege wieder gen Müllhalde geschickt wird. Auch das hübsche und mysteriöse Mädchen Goal fällt dank dem Tollpatsch vom Himmel und sorgt in Kuvaq für einiges an Aufsehen. Rufus, der Goals Ehemann zum Verwechseln ähnlich sieht, will den wortwörtlich hohen Besuch wieder nach Elysium zurückbringen und gerät dabei in allerlei Verwechslungen.
Was sich zunächst nach einem großen Spaß für alle Altersgruppen anhört, entpuppt sich nach dem Spielstart auch recht schnell als genau das. Witzige Dialoge und schräge Charaktere, mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten, halten euch über Stunden problemlos bei guter Laune. Dasselbe gilt für den fantastischen Grafikstil.
Deponia ist bis jetzt das mit Abstand schönste Spiel von Daedalic. Der handgezeichnete Comic-Look lädt zum Träumen ein, und das Setting stellt einen herrlich farbenfrohen Kontrast zur eigentlich tristen Vorstellung eines Schrottplaneten dar.
Rätselkost der hohen Schule
Auf der Oberfläche dieses Schrottplaneten – namentlich und titelgebend Deponia – beginnt euer Abenteuer. Schon in der ersten Minute offenbart sich euch das klassische Spielprinzip des Adventures. Wie für das Genre üblich sind die einzelnen Areale wie einzige große Puzzle aufgebaut, in denen eure Beobachtungs- und Kombinationsgabe auf die Probe gestellt wird. Meist gilt es zunächst, den Bildschrim mit der Maus nach allen möglichen Gegenständen abzusuchen, um diese später zum Beispiel richtig zusammenzusetzen. Oft müsst ihr aber auch kleinere Minispiele bewältigen. Die unterschiedlichen Aufgaben sind dabei abwechslungsreich gestaltet, doch des Rätsels Lösung bleibt stets relativ bodenständig. Abgedrehte Logik-Twists à la
Myst sucht ihr zum Glück vergebens. Das heißt jedoch nicht, dass
Deponia zu simpel gestrickt ist.
In einer ganz bestimmten Situation müsst ihr beispielsweise ein Stacheldrahtgitter durchschneiden, um euch in einen Lüftungsschacht zu schleichen. Alles, was ihr dabei habt, sind ein Schraubenschlüssel, ein Paar Socken und eine Handvoll Wasabi-Nüsse. Wie geht ihr also vor? Ihr werft eine der Nüsse in eine Gruppe von Zahnrädern, die ein Fließband antreiben. Dadurch wird ein automatischer Säuberungsmechanismus ausgelöst. Ein scherenartiger Greifarm versucht nämlich, die Frucht aus der Vorrichtung zu fischen. Der scheint natürlich das perfekte Werkzeug zu sein, um das Drahtgitter zu durchtrennen. Weil das Teil aber wild um sich fuchtelt, könnt ihr es euch nicht einfach ohne Weiteres schnappen. Deshalb greift ihr zu einer eurer Socken und stülpt diese über die Abdeckung des Schachts, aus dem der Greifarm kam. Dadurch schließt das Deckelchen nach getaner Säuberungsarbeit nicht richtig, und ihr könnt das Werkzeug schließlich abmontieren, um damit in den Lüftungsschacht nebenan zu gelangen. Ihr merkt schon: Nicht jedes Rätsel folgt einer simplen Lösung. Zu bewältigen sind sie aber alle in angemessener Zeit. So entwickelt sich ein herrlicher Spielfluss, der euch stets zum Nachdenken bewegt, aber nie wirklich frustriert. Solltet ihr aber doch mal einen Tipp benötigen, können euch NPCs ab und an mit hilfreichen Bemerkungen unterstützen.
Ein lustiger Haufen
In den Dialogen wird euch aber auch die Welt von
Deponia nähergebracht – insbesondere ihre Bewohner. Die strotzen nur so vor Charme und sind herrlich einzigartig und aberwitzig. Da wären zum Beispiel der gemächliche Minenarbeiter Hannek, der ständig Rufus' Namen vergisst, oder etwa die aggressive Lotti mit verdächtig breiten Schultern und einem stark behaarten Kinn. Lassen wir das an dieser Stelle einfach mal so stehen.
Lediglich auf akustischer Ebene können nicht alle Figuren überzeugen, denn die deutsche Sprachausgabe in
Deponia ist mitunter sehr durchwachsen. Die weiblichen Hauptfiguren sind hier eindeutig das Highlight. Viele der männlichen Parts machen allerdings den Eindruck, als würden sie ihre Texte geradezu vorlesen. Da hilft es auch nicht, dass ihr innerhalb der ersten zwei Spielstunden auf ganze drei Charaktere mit ein und derselben Stimme trefft. Die Sprachausgabe werden einige von euch also vielleicht ausstellen wollen, die Musik solltet ihr aber definitiv auf voller Lautstärke lassen. Der Soundtrack ist nach Daedalics eigener Angabe zwar noch nicht final, kann aber bereits jetzt durch seine Abenteuerlustigkeit überzeugen und harmoniert perfekt mit den humorvollen Zwischensequenzen.
Mit Ausnahme der deutschen Vertonung befände sich
Deponias Präsentation bereits jetzt auf höchstem Niveau, gäbe es nicht noch ein paar Unschönheiten, die mal mehr und mal weniger gravierend ausfallen. Über einige falsch skalierte Animationen könnt ihr mühelos hinwegschauen, andernorts fehlen Objekt- oder Charakterbewegungen allerdings noch komplett. Auch der Spieleinstieg fühlt sich so ganz ohne Intro und Tutorial etwas rau an. Letzteres verlangt die recht intuitive Steuerung zwar nicht unbedingt, eine kurze Erklärung würde die anfänglichen Rätsel aber dennoch etwas einfacher gestalten. Das sind jedoch alles Kritikpunkte, denen sich die Entwickler bewusst sind, und an denen bis zur finalen Version im Januar sicherlich noch geschraubt wird. Schließlich haben die Jungs und Mädels von Daedalic bereits bewiesen, dass ihr Studio zu den Flagschiffen des Point & Click-Genres gehört.