Online Rollenspiele verfügen über ein großes wirtschaftliches Potential. Spätestens seit Blizzard 2004 seine virtuelle Gelddruckmaschine World of Warcraft online gestellt hat, ist diese Tatsache auch den größten Skeptikern klar geworden. Seitdem versucht daher jeder namhafte Spielehersteller ein Stück vom Kuchen an sich zu reißen - bisher mit mäßigem Erfolg. Die Genrekrone gebührt nach wie vor den Kaliforniern. Das wird nicht mehr lange so bleiben, zumindest nicht, wenn es nach dem im Jahre 2006 gegründeten Entwickler Trion geht. RIFT heißt ihr neustes Werk und wird ab dem 4. März im Handel erscheinen. Wir haben uns in der Beta Phase bereits vorab einen Eindruck vom Online Rollenspiel verschafft.
Zerrissene Welt
In ihrer großen Weisheit schufen die Götter Telara am Nexus der Ebenen. Durch die Pracht dieser Welt wurden Regulos und sein Blutsturm angelockt. Den glaubensstarken Telaranern gelang es, Regulos zu verbannen. Auch die Drachen wurden mit List und Tücke eingesperrt. Gefährliche Unruhestifter brachen den Bann, der Telara vor Regulos schützte. Die Blindgläubigen blieben untätig als die Risse außer Kontrolle gerieten. Nun müssen die Mächtigen mit dem Beistand der Götter Telaras Feinde bezwingen. Und kluge Geister werden für den Fall, dass die Götter versagen, riesige Maschinen bauen.
Das Intro von
RIFT gibt bereits fundierte Hintergrundinformationen zum Spiel bekannt. Die auf den Namen Telara getaufte Spielewelt wird von zwei konkurrierenden Fraktionen bewohnt: Den Skeptikern und den Wächtern. Freilich sind sich beide spinnefeind und stets bemüht, ihre Meinungsverschiedenheiten in handfesten Auseinandersetzungen auszutragen.
RIFT ist ein PvP (Player Vs. Player) basiertes Online Rollenspiel. Entwickler Trion wählte den Titel seines neuen Werkes selbstverständlich nicht unbedacht - Portalrisse, sogenannte Rifts, stellen ein zentrales Element des Spiels dar. Durch diese werden aggressive Monstrositäten gleich scharenweise in die Welt Telera entlassen und stellen somit eine massive Bedrohung für die Völker der Welt dar.
Kombinationsvielfalt
RIFT bietet eine detaillierte, optisch ansprechende und weitläufige Spielwelt. Was jedoch hebt das MMORPG von seinen Konkurrenten ab? Eines der herausstechendsten Merkmale ist das vielseitige Charaktersystem, wobei die vier Basisklassen noch sehr klassisch gehalten sind. Krieger spezialisieren sich wie gewohnt auf schlagkräftige Nahkampfwaffen und schwere Rüstungen, binden den Gegner im Nahkampf oder teilen an vorderster Front kräftig aus. Schurken hingegen suchen nur selten den direkten Kampf. Mit Bogen oder Dolch bewaffnet schlagen sie aus dem Hinterhalt zu. Auch die stofftragenden Magier versuchen einer direkten Konfrontation zu entgehen. Hinter ihren kriegerischen Gefährten fällt ihnen wahlweise eine unterstützende oder offensive Rolle zu. Mit ihrer starken Magie greifen sie aus der Ferne in das Kampfgeschehen ein. Die Klasse des Klerikers ist spielerisch vielseitig. Je nach sekundärer Spezialisierung können sie sowohl im Nahkampf, als auch im Fernkampf gehörig austeilen, Verbündete heilen und mit Zaubern verstärken.
Für jede der hier genannten Klassen in
RIFT existieren acht weitere Unterklassen, die die Stärken und Schwächen des Helden bestimmen. Grundsätzlich gilt es, drei davon auszuwählen. Dem Spieler ist also die Möglichkeit gegeben, seinen Helden vielseitig zu gestalten. Als Kleriker beispielsweise steht es uns frei, sowohl eine offensive, eine heilende als auch eine unterstützende Unterklasse zu wählen. Damit schaffen wir einen Allrounder, der zwar in jeder Situation von Nutzen sein wird, im Gegensatz zu einen auf ein Spezialgebiet forcierten Helden jedoch hoffnungslos unterlegen ist. Daher gilt es, bereits früh die Überlegung anzustellen: Welche Rolle möchte ich mit meinem Helden einnehmen? Und welche Kombinationen erweisen sich als sinnvoll um dieser gerecht zu werden?
Seelenbaum
Durch die Wahl der Spezialisierungen sind die Gestaltungsmöglichkeiten des Charakters in
RIFT bei weitem noch nicht abgeschlossen. Nach jedem Levelaufstieg - das Sammeln der dazu nötigen Erfahrungspunkte verläuft dabei klassisch durch das Absolvieren von Quests und das Töten von Gegnern - erhaltet ihr einen Seelenpunkt. Mit diesem könnt ihr festlegen, welche Unterklasse verbessert werden soll. Auch hier ist eine vorausschauende Planung von zentraler Bedeutung, werden doch die einzelnen Fähigkeiten erst dann freigeschaltet, wenn ihr eine entsprechende Punktzahl an Punkten investiert habt. Was hier kompliziert klingt, ist im Spiel sehr anschaulich gelöst worden: Mit dem Seelenbaum. Im Wurzelwerk sind alle Fähigkeiten der Unterklasse aufgelistet, samt der benötigten Punktanzahl, die zu deren Freischaltung investiert werden muss. Das wiederrum geschieht in den sogenannten Zweigen. Hier können besonders starke Fähigkeiten und passive Boni erlangt werden. Freilich habt ihr selbst auf der Maximalstufe nicht die Möglichkeit, alle Talente der drei Unterklassen freizuschalten.
Fleißarbeit und Gruppenkampf
Während
RIFT in Sachen Charakterentwicklung einen gänzlich neuen Weg beschreitet, sind die Quests des Spiels eher traditionell gehalten. "Bringe 10 von diesen, 5 von jenem, töte 8 hier oder bringe Person A zu Stadt B" - Aufgaben dieser Art werdet ihr zuhauf in der Welt von Telara finden. Auch wenn sie in teils sehr gut geschriebene Geschichten verpackt werden, verkommen sie jedoch schnell zur Fleißarbeit. Wegfindungsprobleme gibt es dabei indes nicht. Auf einer Minikarte, eingeblendet am oberen rechten Bildschirmrand, könnt ihr euch stets den rechten Weg zeigen lassen. Auf zeitraubende Laufwege haben die Entwickler, zumindest nach dem ersten Eindruck, glücklicherweise verzichtet, die Erfüllung der Aufgaben geht flott voran.
Besonders interessant sind die öffentlichen Quests in
RIFT. Dort habt ihr die Möglichkeit, einfach per Knopfdruck einer Schlachtgruppe beizutreten, um die Aufgabe gemeinsam zu meistern. Natürlich gibt es auch hier Belohnungen für das Absolvieren. Wie bei den normalen Quests auch warten für schwerere Aufgaben bessere Belohnungen als für die einfachen. Beute bekommt dabei nur der, der kräftig mit anpackt. Mitläufer, die lediglich als Beobachter am Kampfgeschehen teilhaben, gehen am Ende leer aus. Ganz fair scheint das System jedoch nicht zu sein. In Foren und Chats beschweren sich vor allem die heilenden Klassen über eine mangelnde Anerkennung ihrer Leistungen bei öffentlichen Quests.
Auf den Schlachtfeldern
Ein bedeutender Teil von
RIFT ist das PvP System, in dem sich Spieler untereinander messen können. In der Beta Phase findet das vornehmlich in den dafür vorgesehenen Schlachtfeldern statt. Zum Release im März sind vier verschiedene Areale geplant, jedes spielt sich grundlegend anders. Ideen hat sich Entwicklerteam von anderen Online Rollenspielen geliehen. Wirkliche Neuheiten wird es vermutlich nicht geben. Das muss jedoch nicht schlechtsein, im Gegenteil. Im ersten Schlachtfeld, dem schwarzen Garten, gilt es Regulos Hauer, ein düsteres Artefakt von großer Macht, zu sichern. Gut versteckt im Innern eines Labyrinths müssen sich beide Fraktionen auf den Weg machen, um das Kleinod zu bergen. Einmal gefunden, müssen sie es möglichst lange in ihrem Besitz behalten. Jeder Sekunde bringt wertvolle Siegespunkte ein. Wer innerhalb von 20 Minuten am meisten Punkte, oder zuvor die für den Sieg benötigten 500 Punkte
sammelt, gewinnt das Match. Problematisch dabei: das Artefakt fügt seinem Träger permanent Schaden zu, der im Laufe der Zeit stark zunimmt.
Etwas anders geht es in der Schlacht "Der Kodex" zu. Hier müsst ihr bestimmte Schlüsselpositionen möglichst lange unter eurer Kontrolle bringen. Kontrollierte Gebiete erhöhen laufend eurer Punktekonto. Das Team, das zuerst 1000 zusammen bringt, hat das Spiel gewonnen.