Kaum ein anderes Spiel wurde von den Besuchern der diesjährigen Gamescom so sehr vermisst wie The Witcher 2: Assassins of Kings. Obwohl zahlreiche Trailer auf gigantischen Videowänden in den Messehallen bei vielen die Lust nach mehr weckten, versteckte sich CD Project im stillen Kämmerlein und präsentierte fernab vom allgemeinen Trubel das neustes Projekt. Einen guten Grund dafür haben wir nicht entdecken können. Denn obwohl sich das Programm in einem noch sehr frühen Alpha-Stadium befindet, sind wir von dem Gezeigten schlichtweg begeistert. Auch das Entwicklerteam selbst scheint von der Qualität des Spiels restlos überzeugt: „2011 will be a good year for RPG's. But there is ONE to rule them all!“ Wir verraten euch, weshalb wir durchaus geneigt sind, den vollmundigen Versprechungen von CD Project Glauben zu schenken.Parallel zum Vorschau-Artikel erfahrt ihr in unserem »kommentierten Preview Video, was euch in The Witcher 2 erwartet.
Prison Break - Prolog
Es ist kein besonders einladendes Bild, das sich vor Geralt nach dem Erwachen aus seiner Ohnmacht ausbreitet. An den Händen gefesselt, baumelt er in der Mitte einer kleinen Gefängniszelle von der Decke. Dicke, sehr robust aussehende Stahlgitter versperren dem Hexer den Weg zum Ausgang. Und als sei das noch nicht genug, streiten sich zwei übel aussehende Wächter nebenan darüber, wer als erster Hand an ihn legen darf. Irgendetwas muss sehr schief gelaufen sein. Doch Geralt hätte seine bisherigen Abenteuer nicht so meisterhaft überlebt, wenn er sich von so einer Lage den Mut rauben ließe. Bisherige Abenteuer…hm. Partout kann sich der Gefangene nicht an seine Vergangenheit erinnern. Was mag vorgefallen sein, das man ihn zum Hängen in den Kerker brachte? Der Held von
The Witcher 2 leidet (bereits seit dem ersten Teil) unter Gedächtnisverlust. Er kann sich weder an seine bisherigen Taten, noch an die von ihm gelernten Künste erinnern – naja zumindest weitestgehend. Freilich kann der betagte Monsterjäger nach wie vor vorzüglich die Klingen kreuzen, verfügt über katzenhafte Reflexe und die Stärke eines Bären. Alles Überbleibsel des Hexerrituals, an das sich Fans der Serie mit Freuden zurückerinnern werden. Nichtsdestoweniger befindet er sich in einer recht ungemütlichen Situation, die es zu ändern gilt.
Was also machen wir, um aus dem dunklen Kellerloch zu entkommen? Die Mitleidsschiene funktioniert nicht, die Wächter haben für das Bitten und Flehen nichts als spöttisches Gelächter übrig. Nun gut, betteln ist ohnehin keine schickliche Option für einen Helden, der mehr Monster auf dem Gewissen hat, als ein Kammerjäger kurz vor der Pension. Also appellieren wir an den Mut der beiden Soldaten. Mit spöttischen Bemerkungen bringen wir einen der beiden dazu, zu uns in die Zelle zu kommen. Dank seiner flinken Finger, hat sich der Hexer bereits im Vorfeld von seinen Ketten lösen können. Kaum betritt das ahnungslose Opfer die Zelle, wird es auch schon mit wenigen gezielten Tritten zu Boden geschickt. Die zweite Wache folgt schon kurz darauf. Nachdem wir uns ihrer Schlüssel bemächtigt haben, sind wir frei. Naja zumindest fast. Zwischen uns und der Freiheit stehen immer noch unzählige Wachen, verwinkelte Gänge und verschlossene Türen – willkommen im Prolog von
The Witcher 2.
Wie auf dem Busfahrplan
Eine der größten Stärken von
»The Witcher ist die spannend erzählte Story. An gewissen Schlüsselpositionen hat man dem Spieler dabei eine gewisse Entscheidungsfreiheit eingeräumt. So soll das in der Fortsetzung auch sein, nur mit dem Unterschied, dass die getroffenen Entscheidungen nun größere Kreise ziehen. Um den Umfang dieser Entscheidungen und die damit einhergehenden Konsequenzen zu beschreiben, hat uns CD Project einen kurzen Blick auf das Story-Bord werfen lassen – natürlich unbeschriftet, um nicht zu viel vom Verlauf der Geschichte preiszugeben. Das Bild macht einen sehr verworrenen Eindruck und erinnert ein wenig an die U-Bahn-Karte von Berlin. Linien in verschiedenen Farben kreuzen sich, bilden Gabelungen, kommen wieder zusammen und gehen wieder auseinander. Am Ende sehen wir sage und schreibe 16 verschiedene Enden. Im Vorgänger gab es derer lediglich drei. Ein Beispiel für die verschiedenen Entscheidungen und deren Konsequenzen bietet bereits das Tutorial von
The Witcher 2 im bereits beschriebenen Gefängnis. Geralt hat nun die Wahl, sich heimlich zu verdrücken, oder er lässt seine kürzlich erbeutete Klinge sprechen. Beide Vorhaben erfordern verschiedene Vorgehensweisen.
Prison Break – Part 1
Wir sind grade aus dem Knast entkommen, erst kürzlich aus einer Ohnmacht erwacht und haben obendrein das Gedächtnis verloren. Wäre doch schön blöd, jetzt blindlings drauflos zu stürmen und unnötig Aufmerksamkeit zu erregen. Auf leisen Sohlen also macht sich Geralt durch die düsteren Gänge auf die Suche nach Freiheit. Wenn nur diese grellen Fackeln an den Wänden nicht wären. Beinahe hätte unser Ausbruchversuch schon ein jähes Ende genommen, als ein Wächter geistesgegenwärtig unseren Schatten am Boden entdeckt. Es war dem Glück zu verdanken, dass sich der Hexer in letzter Sekunde hinter einer Ansammlung von Kisten verstecken konnte. Es gibt keine andere Möglichkeit, das Licht muss verschwinden.
Wie es das Schicksal so will, hat man dem betagten Monsterjäger sein ältestes Artefakt, von dessen Macht seine Peiniger scheint’s keinen blassen Dunst hatten, um den Hals hängen lassen. Glück im Unglück, denn mittels dieses Talismans können wir auch weiter entferne Fackeln geräuschlos und unauffällig löschen. Derart ausgestattet, gelingt es uns, zahlreichen Wachposten auszuweichen, darunter auch einem Trupp gewalttätig aussehender Schläger, die gerade dabei sind, einen jungen Mann zum Galgen zu führen. Bisher haben wir uns gut geschlagen, das Risiko, dem Jüngling zu helfen ist zu groß – schließlich will die eigene Haut ebenfalls gerettet werden. Also schleichen wir weiter.
Nur kurz darauf werden wir, unweit des rettenden Tageslichts, Zeuge wie eine Frau gefesselt an der Wand von einem Kerkermeister übel zugerichtet wird. Die stolze Dame erträgt die Marter mehr schlecht als recht, antwortet aber dennoch nicht auf die Fragen ihres Folterknechts. Nur zwei Personen sind im Raum, dieses Mal können wir relativ gefahrlos eingreifen. Gesagt, getan. Der erwartete Dank jedoch bleibt weitestgehend aus. Die Baroness La Valette, als die sie sich uns vorstellt, vermisst ihren Sohn, der genau wie sie in diesem Gefängnis festgehalten wird. Mit tonloser Stimme berichten wir ihr, dass er vor einigen Minuten gehängt wurde, wir konnten nichts für ihn tun. Mit dem guten Gewissen, zumindest etwas geholfen zu haben, gelangen wir in die Freiheit, wo uns bereits eine alte Freundin erwartet.
Prison Break – Part 2
Wir sind gerade aus dem Knast entkommen, erst kürzlich aus einer Ohnmacht erwacht und haben obendrein das Gedächtnis verloren. Wer könnte es uns verdenken? Wir wollen Rache! Mit unserem kürzlich erbeuteten Schwert bewaffnet, schlachten wir auf unserem Weg eine Wache nach der anderen ab. Sie sollen es bereuen, sich mit Geralt von Riva angelegt zu haben. Auf unserem blutigen Feldzug begegnen wir in
The Witcher 2 einem Trupp brutaler Schläger, die just dabei sind, einen jungen Mann zum Galgen zu führen. Eine willkommene Situation, nach wenigen Schwerthieben bereits liegen sie am Boden, der Junge ist frei. Dankbar stellt er sich als Nachkomme der Baroness La Valette vor und weist uns den Weg zu einer nahe gelegenen Zelle, in der wir einen versteckten Ausgang finden. Kaum haben wir das Tageslicht erblickt, werden wir auch schon von einer alten Freundin begrüßt.
Königsschlächter
Wie oben beschrieben, habt ihr die Möglichkeit den Verlauf der Geschichte maßgeblich zu beeinflussen. Doch worum drehen sich die Geschehnisse in
The Witcher 2? Ein muskelbepackter Assassine, der sich schlicht Königsschlächter nennt, hat es auf die blaublütigen der Region Temerien abgesehen. Einige Köpfe mussten bereits rollen. Das alles würde den Hexer mit Sicherheit nicht berühren, stünde nicht auch König Foltest, Geralts Schützling, auf der Abschussliste. Darüber hinaus erheben sich die Scioa´tael, abtrünnige Vertreter des Elfenvolkes, ebenfalls gegen die Oberhäupter. Und als wäre das alles noch nicht genug, sollen Gerüchten zufolge Gestalten aufgetaucht sein, die in ihrem Aussehen und in ihren Künsten Geralt sehr ähnlich sind. Eigenartig, gelten Hexer doch als weitestgehend ausgestorben. Zu guter letzt jagt der Hexer in
The Witcher 2 nach wie vor seinen verlorenen Erinnerungen hinterher. Wie ihr sehen könnt, bietet auch der zweite Teil genug Stoff für mehrere Stunden Spielspass, wenngleich euch der Nachfolger etwas kürzer geraten ist.
Tsood Engine
Geralt von Riva darf sich dank einer eigens entwickelten Grafik Engine einer lebendigen, detailreichen und vor allem hochauflösenden Umgebung erfreuen. Die in
The Witcher benutzte Aurora Engine hat ausgedient. Neben allen aktuellen Grafikeffekten haben die Entwickler auch an zahlreiche sehr hilfreiche Tools gedacht. So können nun beispielsweise NPCs ohne großen Aufwand generiert werden. Dementsprechend werdet ihr in
The Witcher 2 nur höchst selten Klonen auf den Straßen begegnen. Wichtige Personen bekommen jedoch noch wie vor ein handmodelliertes Äußeres spendiert. Und das kann sich sehen lassen. Narben, Abschürfungen, Dreck und Kanten sind auch im Spiel ein richtiger Blickfang. Besonderes Lob gebührt den atmosphärisch sehr gelungenen Licht- und Schattenspielen. Vor allem in Hinsicht auf den Tag- und Nachtwechsel sind diese Art von Effekten wahre Augenöffner. Weniger kosmetisch, aber dennoch eine tiefgehende Verbessung ist die Tatsache, dass lange Ladebildschirme nun gänzlich der Vergangenheit angehören. Lediglich zwischen den Kapiteln wird euch eine derartige Verschnaufpause gegönnt.