Weil Blizzard mit World of Warcraft das Genre der Online-Rollenspiele gewinnbringend salonfähig gemacht hat, versuchen andere Publisher nun schon seit Jahren mit verschiedenen Franchises nachzuziehen. Doch kein alteingesessener Haudegen wie Everquest, kein namhafter Titel wie Final Fantasy und auch keine Free-to-Play-Alternative kann dem Platzhirsch den Rang streitig machen. Trotzdem ist der Markt vorhanden und wen wunderte es, dass auch THQ zur E3 2010 in Los Angeles einen Online-RPG-Ableger ankündigte. Was mich allerdings an der Flut der angekündigten Highlights anderer Publisher besonders hat aufhorchen lassen, ist die Tatsache, dass man hier im Warhammer 40K-Universum spielen wird. Daher habe ich für euch alle bekannten Fakten gesichtet und hier zusammengefasst, so dass wir vielleicht Aanfang des nächsten Jahres gemeinsam online zum Wohle des Imperators kämpfern werden.
Modelbau, der süchtig macht
Wer
Warhammer nicht kennt, der weiß spätestens beim Lesen dieses Satzes, dass es ein Tabletop-Spiel der Firma Games Workshop ist. Überall in deutschen Großstädten gibt es diese GW-Läden, wo euch eifrige Mitarbeiter in der Kunst des Kriegsführens auf einer Art Tischtennisplatte einweisen werden. Zu allererst entscheidet ihr euch für ein Szenario, sprich das Mittelalter mit
Warhammer-Fantasy oder die düstere Zukunft in Form von
Warhammer 40K. Und danach geht es los, zur Kunst des Würfelwerfens. Doch Vorsicht, wer einmal Gefallen an den abend-, meist tagefüllenden Schlachten im Fantasy- oder SciFi-Umfeld gefunden hat, der erwischt sich schnell beim Kauf der völlig überteuerten Miniaturen, die dann auch aufwendig angemalt werden wollen. Kurzum, es ist eine Art komplexes Schach für Erwachsene mit einer nicht gewaltfreien Rahmenhandlung und einem mittlerweile komplex verzweigten Universum.
Abseits des Mainstream
Warhammer-Spiele gibt es schon länger für den PC oder die Konsole. Ihren kommerziellen Durchbruch hatte die Reihe aber erst mit der
WH 40K Dawn of War-Serie. Dieser Erfolg führte dann auch dazu, dass einige Titel und sogar ein Online-RPG des
Warhammer-Fantasy-Universum den Weg zu uns fanden. Allerdings schauten SciFi-Begeisterte so wie ich dabei in die Röhre. Umso überraschender kam die Ankündigung der neuen Titel
Space Marine und
Dark Millenium Online, deren Trailer schon mal Lust auf mehr machen.
Beim Lesen der erschienen zahlreichen Romane (siehe
»Warhammer-Literatur-Special) zum Universum entwickelt jeder Leser wohl unweigerlich seine Art der Geschehnisse. So hat jeder seine Vorstellung davon, wenn ein Orbital-Bombardement das gesamte Leben auf einem vom Chaos befallenen Planeten auslöscht. Jedoch die im Trailer gezeigten Spielszenen passen nicht ganz zu den GW-Illustrationen und meiner persönlichen Vorstellung. Stattdessen erlebe ich eine Art Comic-Optik, die ich zuletzt durch die
Warcraft-Reihe kennenlernen musste. Vielleicht ist das auch ein Kunstgriff, um die gezeigte Gewalt etwas putziger zu machen? Bei
Dawn of War war es jedenfalls so.
Meiner Meinung nach könnte das Ganze deutlich düsterer und mit mehr Hang zur Realitätsnähe ausfallen. Wen das nicht stört, der bekommt einen Grafik-Stil, bei dem ein Space Marine auch tatsächlich wie einer aussieht. Ganz vergleichbar zu den verschiedenen Comics aus dem
WH40K-Universum. Die gezeigten Dämonen büßen aber damit ihren Status als Geisel der Menschheit ein und wirken vielmehr wie ein Endgegner in einem Videospiel, was sie allerdings tatsächlich auch sind.
Warhammer erlebbar gemacht
Der Messestand auf der E3, wo THQ
Warhammer 40K Dark Millenium Online der Weltöffentlichkeit präsentierte, war geprägt vom imperialen Stil der Prachtbauten der Menschheit in ferner Zukunft. Dies lässt doch stark hoffen, dass vor allem auch die Ingame-Areale gigantisch ausfallen werden. Besonders der imperiale Palast auf Terra, sofern er im Spiel überhaupt begehbar sein wird, umfasst ja bekanntlich ganz Europa und ist von den GW-Experten schon in Miniaturform ansehnlich nachgebaut worden. Es wäre mehr als ein Stilbruch, wenn THQ hier einfach einen Raum mit ein paar Questgebern daraus macht.
Eldar lost in space?
Auch wird es nicht einfach werden, die verschiedenen Fraktionen umzusetzen, denn im Laufe der Jahre sind einige im
WH40K-Universum zusammengekommen. Neben den deplatzierten Orks im Weltraum, tummeln sich nicht nur abtrünnige Menschen in Form des Chaos, sondern auch die Eldar, Necron oder die Maschinenkrieger der Tau. Im präsentierten Videomaterial sehen wir schon mal die verniedlichten Chaos-Anhänger, verlorene und imperiumsgetreue Space Marines, Orks und die imperiale Armee. Ich tippe mal darauf, dass besonders auf Seiten der Menschen der Rotstift angelegt wird und man nur die Space Marines auswählen kann. Die Armee und die Inquisition werden dann vermutlich eher als Quest-Geber auftreten.
Test Drive Unlimited?
Positiv fällt aber bereits auf, dass man verschiedene Gefährte nutzen können wird. Ob es wohl so weit geht, dass wir in einem meterhohen Titanen-Mech Platz nehmen dürfen? Aber selbst wenn, dann ist noch ein Erlebnis mit dem eigenen Leman-Russ-Kampfpanzer über das Terrain zu rumpeln. Da auch sekundenlang ein Überflug mit einem Ork-Hubschrauber gezeigt wurde, tippe ich darauf, dass alle anderen spielbaren Rassen ebenso über einen ausgefeilten Tech-Baum verfügen werden.
WoW im WH40K-Universum
Nach Ende des bislang bekannten Gameplay-Materials, denn mehr will uns THQ momentan nicht zeigen, bekommt man auch anhand der Menüleisten den Eindruck, dass es sich um eine Art
Warcraft im
Warhammer-Gewand handelt. Vieles spricht dafür, denn die Orks könnten Freunde von den Kollegen in Orgrimmar sein. Auch die finsteren Space Marines wirken mit ihrer Comic-Optik ganz im Stil eines gefallenen Prinzen Arthas. Besonders die Dämonen könnte man aber auch in einem
Diablo zum Zuge kommen lassen, wo sie ganz im Gegensatz zu der
WH40K-Romanen nicht für Angst und Schrecken sorgen würden.
Dies scheint aber auch laut THQ-Vize Danny Bilson so gewollt zu sein. Denn er gesteht vor der versammelten Weltpresse eine Sache ein, die andere Experten nie tun würden. Er räumt ein, dass es auch ein anderes erfolgreiches Spiel aus dem Hause Blizzard gibt und dass er selbst leidenschaftlicher
WoW-Spieler ist. Ob das Statement so schlau gewesen sind, dass er wohl zukünftig zwischen
Warhammer 40K Dark Millenium Online und
WoW hin- und herwechseln wird, bezweifle ich. Für reine Tiefstapelei sorgt dann die Aussage, dass wenn der Titel der Konkurrenz von Blizzard bereits eine der 14 Millionen an Spielern abknöpft, das schon ein Erfolg wäre.
Ein klares Spiel mit dem Feuer. Denn nicht ohne Grund nehmen Presse-Experten im Hause Konami das Wort
FIFA auch höchst ungern in den Mund. Dann auch noch die Übermacht des Konkurrenten anzuerkennen und damit auf Sympathien bei wechselwilligen Spielern zu hoffen, hat schon im
Warhammer-Kontext beim Online-RPG von EA Mythic nicht funktioniert. Zwar konnte man anfangs Marktanteile verbuchen, aber verschwanden die wechselwilligen Spieler genauso schnell wieder, so dass der Titel heute so im seichten Meer der zahlreichen Online-RPGs vor sich hinsegelt. Daher hoffe ich nicht auf einen Klon von
WoW, wo ich statt eines Paladin einen Space Marine befehlige. Vielmehr wünsche ich mir ein eigenständiges
WH40K-Spiel, das mit selbstbewusstem Charme den Charakter des Universums einfängt und was für atmosphärische Zocker-Abende am PC sorgen wird. Ob dieser Wunsch Wirklichkeit wird, sehen wir ja in ungefähr einem halben Jahr.