Nachdem der aktuelle Call of Duty-Teil von der Presse mit Lob überschüttet wird und die Kassen von Activision Blizzard wieder zum klingeln bringt, ist klar, dass auch der Software-Riese Electronic Arts ein Stück vom Kuchen abhaben will. Dazu werden keine Kosten und Mühen gescheut, um die angestaubte Medal of Honor-Reihe nicht nur wieder ans Tageslicht zu zerren, sondern auch konkurrenzfähig zu machen. Denn die virtuelle Schlacht ist zwar verloren, aber der Krieg um kinofilmreife Schussgefechte zieht erst noch auf. Sehr zur Freude von Zockern mit nervösem Abzugsfinger.
Gezielt geschmacklose Schockmomente
Mit dem Flughafen-Level hat
»Call of Duty: Modern Warfare 2 den Grad zwischen packender Inszenierung zur rabiaten Darstellung überschritten und dabei die moralischen Grenzen vieler Spieler verletzt. Die Kernfrage der entfachten Diskussion: Wie realistisch darf ein Videospiel Krieg wiedergeben und darf es das überhaupt? Völlig unbeeindruckt von der Kontroverse schickt Electronic Arts uns nun ins zeitgenössische Afghanistan, dessen politische Situation dort in den Augen unseres Verteidigungsministers, nach dem Tod einiger deutscher Soldaten, umgangssprachlich auch als Krieg betitelt werden kann. Damit überbrückt EA sowohl Zeit als auch Raum, denn die Szenario-Wurzeln der Serie gehen in den Zweiten Weltkrieg zurück.
Junge Klassiker
Blickt man auf Februar 2002 zurück, hatte Electronic Arts noch die Nase in Sachen Weltkriegs-Ballereien vorn. Anderhalb Jahre erschien dann der erste Teil der
Call of Duty-Reihe. Und dann holte Infinity Ward die Konkurrenz Titel für Titel nicht nur ein-, sondern zog regelrecht an ihr vorbei. Im Jahr 2007, geriet EA durch den Release von
»Call of Duty 4: Modern Warfare derart ins Hintertreffen, dass
Medal of Honor bis auf weiteres eingestellt wurde. Bis jetzt zumindest, denn am 15. Oktober diesen Jahres wird zurückge… - dieses Zitat lassen wir lieber.
Amerikanische Terroristen-Hatz
Das Geschehen betrachtet ihr wieder gewohnt patriotisch einseitig aus der Sicht der Amerikaner. Diesmal aus der Perspekte der US-Rangers, die für das grobe Zupacken eingesetzt werden und gleichzeitig auch durch die Augen der „Tier 1“-Spezialeinheit, die chirurgisch genau zu Werke infiltrieren und sabotieren muss. Dabei erhofft sich der Entwickler EA Los Angeles im Singleplayer-Part unterschiedliche Gameplay-Elemente unter einen Hut zu bringen. Mal ist Stealth-Action gefragt und in der nächsten Mission wieder schnelles Nachladen mitten im Feuergefecht. Für den Multiplayer-Baustein zeichnet übrigens
»Battlefield-Erfinder DICE verantwortlich, die sich noch mit Infos zu den spielbaren Modi in
Medal of Honor zurückhalten.
Skript-Ereignisse für eine bessere Welt
In den bekannten Demo-Missionen zeichnet sich schon der Trend ab, der das neue
Medal of Honor von
Modern Warfare 2 abheben soll. Denn man will nicht eine bloße Kopie, sondern den nächsten Genre-Primus auf den Weg bringen. Detailverliebtheit, ein realistisches Szenario und Skript-Ereignisse sollen den Unterschied ausmachen. Denn bereits in den ersten Sekunden stellt sich ein Mittendrin-statt-nur-dabei-Gefühl ein. Die Soldaten versuchen Kaugummi kauend die charakteristische Dürre der Umgebung zu überleben und bekommen einen Hustenreiz vom aufgewirbelten Sand. Und das ist auch nicht irgendein Sand, sondern war unter anderem 2002 Schauplatz einer multinationalen Offensive gegen die Taliban. Die erteilten Missionen sind aber komplett fiktiv. Trotzdem ist die Bewegungsfreiheit bei ihrer Durchführung eingeschränkt. Soll heißen, wer gerne mal in
Modern Warfare 2 aus der Deckung gesprungen ist und die Feinde niedergemäht hat, bekommt hier schnell Ärger mit seinem Team. Das hat zwar zur Folge, dass solche virtuellen Himmelfahrtskommandos nicht mehr funktionieren, dafür soll es euch während des Einsatzes auch nicht langweilig werden. Da werden nach Ausschalten der feindlichen Luftabwehr Kampfhubschrauber zur Hilfe gerufen oder ihr werdetn vor dem finalen Todesschuss noch einmal ganz wie im Kino überraschenderweise gerettet. Das Ganze klingt schon mal sehr verlockend und mutet wie eine Mischung aus
Modern Warfare und
Metro 2033 an.
Ausblick
Es ist klar, dass EA die Ehrenmedaillen-Reihe nur aus der Versenkung holt, weil das große Geld winkt. Aber wenigstens macht man sich die Mühe und versucht der zuletzt verblassten Zweiten-Weltkriegs-Serie mit zeitgenössischem Anstrich einen realistischeren Ansatz zu geben. Hoffentlich ist die Geschichte dann nicht so nebensächlich und verwirrend gehalten wie bei der Activision-Konkurrenz. Auch die vielen Script-Ereignisse lassen auf eine packende Inszenierung hoffen, die nicht durch große Action brilliert, sondern mehr durch das Mittendrin-Gefühl. Evtl. ist auch das der neue Trend im Egoshooter-Genre, denn irgendwann haben wir uns an den kinofilmreifen Explosionen auch satt gesehen. Natürlich kann ein großes Kaboom zum Finale dann aber auch nicht schaden. Gefahr bei
Medal of Honor kann aber auch sein, dass die Entwickler mit einer seichten Patriotismus-Geschichte wie in einer Episode der TV Serie 24 um die Ecke kommen und eine Art
»Battlefield: Bad Company mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit an den Start bringen.