Obwohl Tropico nun schon in die dritte Runde geht, kann man die Serie nicht unbedingt mit den zahlreichen Vertretern gleichsetzen, die ihr Franchise so lange melken, bis die Kuh endgültig vom Eis gefegt wurde. Satte acht Jahre sind inzwischen seit dem Release des ersten Teils vergangen. Nachdem die Fortsetzung – trotz guter Kritiken in der Fachpresse – bei den Konsumenten kaum Beachtung fand, war Tropico eigentlich schon wieder Geschichte. Doch nun erfährt die Serie ein überraschendes Comeback. Neues Entwicklungsteam, neuer Publisher… und trotzdem bleibt vieles beim Alten. Wir haben dankt einer aktuellen Vorschau-Version bereits ein wenig Insel-Flair spüren dürfen. Warum bei Tropico 3 ein Hauch von Nostalgie weht, erfahrt ihr in unserer Vorschau.
Begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise ins Jahr 2001. Als Take2 die „Wirtschaftssimulation mit einem Augenzwinkern“ auf den Markt brachte, liefen in den Haushalten noch Prozessoren mit Pentium-Technologie. Ein PentiumII mit 200 MHz, 32MB RAM und einer 4MB Grafikkarte genügten damals, um den Titel zum Laufen zu bringen. Echtzeitstrategiespiele wie
Age Of Mythology heimsen Bestwertungen ein und belegen die obersten Plätze in den Verkaufscharts.
Im Jahr 2009 haben Echtzeitstrategiespiele ihre Toppositionen eingebüßt. Egoshooter, MMORPGs, Musikspiele und Nintendo-Fuchtel-Games setzen neue Trends und verkaufen sich wie geschnitten Brot. Trotzdem wage ich einen Flirt mit der Vergangenheit und bringe meinen PC auf Vordermann, um in den Genuss der vollen Grafikpracht von
Tropico 3 zu gelangen. Mit neuer Grafikkarte – die beinahe die Größe meines Netbooks erreicht und vermutlich soviel Strom zieht wie Xbox 360 und 52“ LCD-Bildschirm gemeinsam – lege ich die Preview-Version ein und bereite mich darauf vor, in die Fußstapfen von Fidel Castro zu treten.
„Verurteilt mich; das hat nichts zu bedeuten; die Geschichte wird mich freisprechen.“
Der Einstieg in das Spiel ist hervorragend. Die karibischen Klänge reißen mich direkt mit und lassen Südseeatmopshäre aufkommen. Viel Zeit zur Entspannung bleibt jedoch nicht, schließlich gibt es allerhand zu erledigen. Auf unserem Schweizer Bankkonto herrscht gähnende Leere. Dieses gilt es nun auf Kosten der Insulaner zu füllen. Leicht gesagt, schwer getan! Denn so ohne weiteres lassen sich unsere Untertanen nicht das Geld aus der Tasche ziehen. Überraschenderweise erwarten diese dafür entsprechende Gegenleistungen von ihrem Diktator. Sind die Bedürfnisse der Inselbewohner einmal gestillt, wuseln sie fleißig durch die Gegend und füllen durch ihre Arbeitskraft den Staatssäckel. Doch wie erfahren wir von den Wünschen und Sehnsüchten unserer Untertanen? Als Herrscher und Inseltyrann braucht es dazu nicht einmal einen Geheimdienst. Scrollt einfach ganz nah an einen Einwohner heran, schon seht ihr seine Gedanken in Form eines Diagramms. Steht also der Bau einer Kirche auf der Wunschliste der Bevölkerung ganz oben, sammelt ihr durch den Bau einer selbigen erhebliche Pluspunkte. Die Errichtung eines solchen Projekts kann sich unter Umständen jedoch eine ganze Zeit hinziehen. Rom ist schließlich auch nicht an einem Tag erbaut worden.
Gerade wenn parallel mehrere Großbauten auf die Fertigstellung warten, ist eine durchdachte Planung das A und O. So könnt ihr wichtigen Projekten etwa eine höhere Priorität einräumen, um die Aufgabe schneller zu einem Ende zu bringen. Befinden sich die Übernachtungsmöglichkeiten der Arbeiter sehr weit weg von der Baustelle? Kein Problem, richtet einfach nahegelegene Unterkünfte ein und schon werden die Bauarbeiten schneller vorangetrieben.
„Ich habe versucht, die Welt zu verändern … Aber es ist eine Illusion.“
Umsonst ist der Tod! Wie in Aufbaustrategiespielen üblich, ist auch bei
Tropico 3 alles eine Frage des Geldes. Als Diktator habt ihr zwar weitgehend freie Entscheidungsgewalt, jedoch ist es meist recht knifflig, die richtige Balance zu finden zwischen Bedürfniserfüllung der Bevölkerung, Erhaltung der Wirtschaftsfähigkeit des Inselstaats, Ansehen bei den Weltmächten und der Maximierung eures eigenen Bankkontos.
So gilt es, so manche Klippe elegant zu umschippern. Bringt die Bewohner auf eure Seite, indem ihr einem gemeinnützigen Projekt großmütig eine Baugenehmigung erteilt. Durch die gleichzeitige Erhöhung der Steuern für Neubauten, spielt ihr zusätzliches Geld ein, das ihr an der Staatskasse vorbei zu eurem Privatvermögen hinzufügt.
Tropico 3 ist vollgepackt mit Entscheidungen dieser Art. Gebt ihr ein kleines Vermögen für die Schaffung von Ausbildungseinrichtungen aus? Oder heuert ihr lieber Experten aus dem Ausland an? Verkauft ihr eure Rohstoffe für einen guten Preis an Erste-Welt-Länder? Oder lohnt sich die Investition für eigene Weiterverarbeitungseinrichtungen, um später einen noch besseren Preis zu erzielen?
In
Tropico 3 führen viele Wege zum Ziel. Nicht nur durch den Verkauf von Produkten sind ansehnliche Einnahmen zu erzielen. Schließlich bietet eine Südseeinsel auch eine Idylle für zahlungskräftige Touristen. Eine weitere Einnahmequelle könnten Fördergelder aus dem Ausland sein. Steht es gut um euer Ansehen bei den Machthabern der Großmächte, dürft ihr auf die ein oder andere Finanzspritze hoffen.
„Ich frage mich selbst warum ich Jura studierte. Ich weiß es nicht. Ich verbinde es mit den Leuten die sagten: 'Er redet so viel, er sollte Jurist werden.'“
Bei einer derart hohen Entscheidungsvielfalt, verwundert es nicht, dass
Tropico 3 eine gewissen Einarbeitungszeit erfordert. Dank seiner enormen Komplexität, richtet sich der Fidel-Castro-Simulator doch eher an erfahrene Strategen als an Gelegenheitstyrannen. Wer dem Spiel eine Chance gibt, dürfte jedoch mit etlichen Stunden Spielspaß belohnt werden. Für einen dritten Teil ist das Szenario immer noch frisch und unverbraucht. Das Südseefeeling wird vor allem durch die detailreiche Grafik gut transportiert. Schon in der Preview–Version gab es an der Grafikpracht nicht viel auszusetzen. Zwar könnten die Einwohner des Inselstaates noch eine Frischzellenkur vertragen, dafür müssen die wunderschönen Landschaften nicht den Vergleich zu den Hochglanzprospekten der Tourismusbranche scheuen.
Interesse geweckt? Bis zum Release hat Kalypso noch ein paar Tage Zeit um an den letzten Kleinigkeiten zu feilen, doch allzu lange müssen wir auf
Tropico 3 nicht mehr warten. Schon am 24. September sollte das Spiel in der PC-Version in den Läden stehen. Der Xbox360 Release steht für den 16. Oktober an. Weitere Umsetzungen sind derzeit leider nicht geplant.