Sega haben mit "Empire: Total War" ein ganz heißes Eisen für alle Strategiespielfans im Feuer. Dass eine Einladung nach München zum Probespielen nicht abgelehnt wird, ist schon fast selbstverständlich. Unter den wachsamen Entwickleraugen konnten wir uns ein Bild von den alten Tugenden und den Innovationen des Titels machen.
Total War für Anfänger
Die Spiele der "Total War"-Reihe kombinieren seit dem ersten Teil rundenbasierte Taktik mit Echtzeitstrategie. Auf einer Karte, die ein Land oder einen Kontinent repräsentiert, kümmert ihr euch um Handel, Diplomatie, Städtwachstum, Forschung, geht auf die Bedürfnisse eurer Bürger ein, um mehr Steuern verlangen zu können, und rekrutiert Truppen. Zug für Zug baut ihr euer Imperium aus und kümmert euch um die Beziehungen zu den anderen Fraktionen. Sollte es zur Konfrontation zweier verfeindeter Truppen kommen, beginnt eine Echtzeitschlacht auf einer seperaten Karte. Eine Besonderheit der Serie ist, dass sich dabei mehrere Tausend Einheiten auf dem Schlachtfeld befinden. Die bisherigen Spiele sind übrigens bereits in einer
»Spielesammlung erhältlich, doch "Empire" verspricht einige Neuerungen, auf die sich die Fans schon freuen können.
Aye, Aye, Käpt'n
Die wohl am meisten erwartete Neuerung ist die Möglichkeit, nun auch Seeschlachten auszutragen. Ist man die riesigen Landgefechte der Vorgänger gewohnt, wird man von den Dimensionen erstmal enttäuscht sein. Statt tausenden von Soldaten sind lediglich bis zu 40 Schiffe auf dem Bildschirm vertreten. Jedoch ist diese kleine Zahl an Einheiten sehr zu begrüßen, denn schon mit fünf Schiffen habt ihr mindestens so viel zu tun wie mit einem kleinen Heer. Sie werden nämlich wesentlich direkter gesteuert: Zwar könnt ihr eure Boote auch mit aktiviertem Autofeuer auf bestimmte Kontrahenten hetzen, jedoch ist die manuelle Kontrolle nicht nur effektiver, sie macht auch viel mehr Spaß.
Dabei lassen sich die Kanonen der beiden Seiten manuell laden und auch feuern. Zu beachten ist, dass Schiffe im Gegnsatz zu Soldaten nur zur Seite feuern können und wesentlich behäbiger sind. Um den Feind gut treffen zu können, müsst ihr euren Weg schon sehr früh planen und vor allem auf die Konstellationen achten. Stehen eure Schiffe auf einem Haufen, kann euer Gegner mehrere Boote mit einem Schuss beschädigen. Drängt sich ein feindlicher Kahn zwischen zwei eurer Schiffe, werden euch die eigenen Kugeln, die den Gegner verfehlen, treffen. Apropos Kugeln: Diese verursachen keinen einheitlich Schaden, dieser richtet sich vielmehr nach dem Einschlagsort, der auch später noch anhand des Loches zu erkennen ist. Zusätzlich gibt es verschiedene Kugelnarten: Während die Standardkugeln den Rumpf beschädigen und somit zum Versenken gedacht sind, gibt es aneinander gekettete Kugeln, die gegen den Mast eingesetzt werden, um den Gegner bewegungsunfähig und somit zur leichten Beute zu machen.
Doch zerschießt nicht blind alles, was nicht euch gehört! Sind Schiffe beschädigt und beinahe verloren, gibt der Gegner sie auch gerne mal auf und sie stehen euch, wenn ihr in der Kampagne unterwegs seid, im weiteren Spielverlauf zur Verfügung. Zusätzlich lassen sich feindliche Schiffe auch entern. Hier kommt dann die Crew zum Einsatz, die ihr auch während des gesamten Gefechts auf dem Deck beobachten könnt.
Überhaupt sind die Seeschlachten sehr detailliert ausgefallen. Neben dem wunderschön aussehenden Meer könnt ihr an den Schiffen, für die sich die Entwickler sehr genau an die historischen Vorbilder gehalten haben, viele Einzelheiten bewundern. Von den Seilen, die das Segel halten, über Kanonenlöcher bis hin zu den einzelnen Planken oder der eifrig beschäftigten Crew gibt es immer etwas, das eine genauere Betrachtung würdigt. Die größte Befriedung für alle Sadisten (was wir Gamer in den Augen der meisten Unionspolitiker ja sind) ist aber immer noch, dem Schiff unter tosendem Lärm eine volle Ladung Kugeln in den Rumpf zu jagen und den verzweifelten Besatzungsmitgliedern beim panischen Abspringen und Untergehen zuzusehen. Ruckler gab es keine, dafür einen kompletten Systemabsturz, der aber wohl an der frühen Previewversion lag.
Der Landrattenmodus
Doch auch die Landschlachten sind weiterhin im Spiel enthalten und haben nichts von ihrem Charme verloren. Ihr duelliert euch weiterhin mit mehreren Tausend Soldaten, die in verschiedenen Einheiten zusammengefasst werden. Da "Empire" jedoch der erste Teil der Serie ist, der in der Neuzeit spielt, wird Fans nicht das gewohnte Szenario erwarten: Schwert und Bogen verlieren ihre Rolle als Hauptwaffe und wurden von Gewehren und Kanonen abgelöst. Ganz vom Schlachtfeld verbannt wurden die Klingen jedoch nicht, so dass ihr euren Soldaten auch befehlen könnt, in den Nahkampf überzugehen. Wesentlich häufiger werdet ihr eure mit Schießeisen ausgerüsteten Männer jedoch in rechteckigen Formationen in die Nähe des Feindes schicken, wobei ihr mit längerer Frontlinie eure Schussrate erhöhen könnt - jedoch auch häufiger getroffen werdet. Damit sie feindlichem Beschuss besser ausweichen können, könnt ihr eure Soldaten auch hinter Hindernissen in Deckung gehen oder sich in Häusern verschanzen lassen. Von dort lassen sich Gegner bequem ausschalten, jedoch halten die Häuser Kanonenbeschuss nicht lange stand und es kann zu Kämpfen im Inneren kommen.
Neben der Infanterie gibt es natürlich auch noch die Kavallerie, die mit Pferden wesentlich schneller unterwegs ist, jedoch schlecht hinter kleinen Objekten in Deckung gehen kann. Dazu gesellt sich die Artillerie, die gerne großen Schaden aus dem Hintergrund anrichtet. Auch an Land kann man die Gegner demoralisieren, so dass diese lieber die Beine als das Gewehr in die Hand nehmen.
Auch die Langefechte sehen sehr gut aus. Die Trotz des hohen Aufkommen an Soldaten, die sich dank des mehrstufigen Zooms auch aus der Nähe betrachten lassen, lief das Spiel flüssig und bot sehr viele Details. Ein kleiner Schnitzer ist mir jedoch aufgefallen: Truppen, die ein Haus betreten, laufen einfach durch die geschlossene Tür hindurch. Wenn das im fertigen Spiel nicht mehr auftritt, kann man allerdings von einem rundum gelungenen optischen Erlebnis sprechen.
Karten und Kampagnen
"Empire: Total War" spielt im 18. Jahrhundert, zur Zeit der amerikanischen Revolution. Im Herzstück des Spiels, der Kampagne, werdet ihr wichtige historische Schlachten für die verschiedenen Fraktionen wie Frankreich, England, Preußen oder natürlich in den amerikanischen Kolonien spielen. Die Kämpfe finden jedoch nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa und Indien statt. Auf der Kampagnenkarte seht ihr also die Region, in der die Handlung gerade spielt, was während des Probespielens Nordamerika war. Von hier aus kümmert ihr euch um den Ausbau eures Machtbereichs.
Ihr lasst Rohstoffe abbauen, die verkauft werden können oder eure Bürger zufriedener machen. Diese sind dafür dann auch mal bereit, mehr Steuern zu zahlen. Mit Steuern und Handel nehmt ihr den Großteil eures Geldes ein, das ihr nicht nur benutzen könnt, um neue Soldaten zu rekrutieren. Ihr dürft Städte ausbauen, Gebäude errichten, die euer Bevölkerungswachstum erhöhen, was wiederum neue Städte entstehen lässt. Oder ihr lasst an Universitäten neue Technologien erforschen, um eure Truppen zu verbessern. Ihr habt außerdem Gentlemen in euren Reihen, die zwar nicht am Krieg teilnehmen, aber die Produktivität der Gebäude erhöhen können. Sie können auch feindliche Gentlemen zum Duell fordern, dieses wird dann in einer lustigen Zwischensequenz entschieden.
Die Forschung erhöht leider auch die Bildung eurer Bürger. Leider, da sie anfangen, die Herrschaftsform zu hinterfragen, und eine Revolution starten könnten. Ein absolutistischer Herrscher kann sich sein Kabinett, das bestimmte Bereiche wie Forschung beeinflusst, selbst zusammenstellen, während in einer Demokratie das Volk wählt - nicht unbedingt zu euren Gunsten.
Ein wichtiger Aspekt ist auch die Diplomatie. Die einzelnen Fraktionen merken sich eure Taten genau und reagieren laut den Entwicklern viel menschlicher, als das noch in den Vorgängern der Fall war. So müsst ihr euch nicht wundern, dass, wenn ihr Handelspartner wiederholt angreift, jeder Angst hat, mit euch Geschäfte abzuschließen. Dabei ist der Handel auch eine wichtige Komponente. Ihr könnt überflüssige Materialien zu einem Angebot-Nachfrage-orientierten Preis an Gebiete verkaufen, in denen diese nicht vorkommen. Den Preis dürft ihr dabei sogar in die Höhe treiben, indem ihr feindliche Handelsrouten in Piratenmanier ausraubt, um das Angebot etwas zu verknappen, oder ganze Handelshäfen einnehmt, um ein Monopol aufzubauen. Jedoch ist bei beiden Varianten selbstverständlich Widerstand der Gegner zu erwarten.
Treffen zwei befeindete Truppen aufeinander, so kommt es zum Kampf. Ihr könnt euch dabei von vornherein einen Vorteil verschaffen, wenn ihr Zeitpunkt und Ort der Schlacht mit Bedacht auswählt. Der Ort, an dem die Einheiten einander begegnen, bestimmt auch die Eigenschaften der Karten. Seid ihr auf der Kampagnenkarte also in der Nähe einer Farm oder eines Gebirges, werdet ihr diese auch in der Schlachtkarte wiederfinden. Zusätzlich ändert sich auch das Wetter mit der Zeit. Behindert Nebel noch beide Seiten etwa gleich stark, so kann Regen unter Umständen den Ausgang der Schlacht entscheiden. Viele Waffen auf Schießpulverbasis sind nass unbrauchbar, während die Waffen der amerikanischen Ureinwohner tadellos funktionuieren.
Die neue Einfachheit
Das Ganze mag sich ein wenig komplex anhören und überforderte schon in den Vorgängern einige Spieler. Doch hier geloben die Entwickler von "The Creative Assembly" Besserung. Zum Einen könnt ihr all diese Vorgänge wie Handel, Diplomatie und Forschung automatisieren und von der KI erledigen lassen, so dass ihr euch nur noch um die Rekrutierung und den Einsatz von Truppen kümmern müsst. Jedoch ist es natürlich Ziel der Entwickler, dass sich jeder Spieler mit allen Aspekten des Spiels beschäftigen kann. Deswegen haben sie das Tutorial "Road to Independence" eingebaut, das in drei Abschnitten den Spieler mit allen Gameplayelementen vertraut macht. "Die Gründung von Jamestown" besteht aus dem Aufbau der Stadt und der Verteidigung gegen die Ureinwohner. "Der French Indian War" führt Features wie Diplomatie und Offensivtaktiken ein und "Die amerikanische Revolution" geht nur gut für den Spieler aus, der die Forschung und die Diplomatie gut beherrscht. Anschließend wartet dann die "Grand Campaign" auf euch, die euch die historischen Ereignisse der Zeit - mit schicken Zwischensequenzen garniert - erleben lässt.
Zusätzlich wurden einige Aktionen und die Menüführung etwas vereinfacht, so müssen Einheiten nicht im entsprechenden Gebäude erstellt und dann manuell zu einem General gezogen werden, sondern können direkt von diesem angefordert werden und kommen automatisch zu ihm.
Eine weitere große Neuerung ist der Mehrspielermodus auf der Kampagnenkarte. Diesen werdet ihr nach Release des Spiels kostenlos via Steam herunterladen können. Steam ist ein gutes Stichwort: Sega will den Titel im Laden und über Steam anbieten, in beiden Fällen ist eine Onlineaktivierung nötig.