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Nach der Fertigstellung von „The Elder Scrolls IV: Oblivion“ hat sich Entwickler Bethesda vorerst vom typischen Mittelalter-Rollespiel-Setting abgewandt und liefert Ende Oktober mit „Fallout 3“ eine zeitgemäße Fortsetzung der 1997 und 1998 veröffentlichten TopDown-RPGs. Wir durften den Titel auf der diesjährigen Games Convention rund eine Stunde lang anspielen. Was das im Vorfeld mit diversen Awards überschüttete „Fallout 3“ zu bieten hat, lest ihr in unserer ausführlichen Vorschau. Alternativ bieten wir euch einen
>>»Mitschnitt des Interview-Videos sowie eine >>»Text-Version des Interviews an.
Post-apokalyptische Charakter-Erstellung
Schauplatz des Action-Rollenspiels „Fallout 3“ ist ein zerstörtes Washington DC im Jahre 2277. Aufgrund eines vor 200 Jahren tobenden Atomkriegs, der die Welt in Schutt und Asche gelegt hat, haben sich die Überlebenden in unterirdische Bunkeranlagen, die so genannten „Vaults“ zurückgezogen. In einer solchen, dem „Vault 101“, lebt auch der Protagonist zusammen mit seinem verwitweten Vater. Im Vergleich zu anderen Genre-Vertretern hat sich Entwickler Bethesda bereits bei der Charakter-Erstellung, die am Anfang eines jeden Rollenspiels steht, etwas Besonderes einfallen lassen. So erlebt ihr eure Geburt hautnah mit und könnt kurz darauf anhand einer DNA-Analyse das Aussehen des Protagonisten bestimmen. An eurem ersten Geburtstag bekommt ihr dann ein Bilderbuch, mit dessen Hilfe ihr Punkte auf sieben Charakterwerte verteilen könnt. Weitere neun Jahre später erlernt ihr in unterschiedlichen Tutorials die Interaktion mit NPCs sowie den Umgang mit Waffen. Eure Fähigkeiten müsst ihr sodann anhand von kleineren Tests im Vault unter Beweis stellen.
Kommissar Rex meets Mad Max
Nach einer glücklichen Jugend fernab von der zerstörten Außenwelt müsst ihr eines Morgens feststellen, dass euer Vater den Bunker verlassen hat. Da er keine Nachricht hinterlassen wollte und auch sonst keine Anzeichen auf eine baldige Rückkehr hindeuten, beschließt ihr kurzerhand ihm zu folgen. An der Oberfläche angekommen, habt ihr die Wahl aus Ego- oder Verfolgerperspektive. Neben freundlich gesinnten NPCs und zahlreichen Monstern trefft ihr dort auch auf unterschiedliche, aus den Vorgängern bekannte, Gruppierungen wie die an Mad Max-angelehnte Brotherhood of Steel oder die machthungrige Enclave. Mit einem kleinen Seitenhieb auf Peter Molyneuxs „Fable 2“ begegnet euch nach einigen Spielstunden sogar ein Hund. Der treue Begleiter kann euch zwar keine Items aus eurem überfüllten Inventar abnehmen, aber bei der Suche nach Nahrung, Waffen oder Medizin erweist sich der vierbeinige Freund aber als äußerst nützlich. Des Weiteren habt ihr die Möglichkeit, neben dem Hund noch ein weiteres Party-Mitglied in Form eines NPC-Charakters in eure illustre Reisegruppe aufzunehmen.
Handhelds und pausierte Zielübungen
Trefft ihr in der Außenwelt auf einen Feind, kommt der neue VATS-Modus zum Einsatz. Was eigentlich eine Mischung aus Echtzeit- und rundenbasiertem Kampfsystem werden sollte, entpuppt sich als Echtzeit-Pause-Kampfsystem. Per Knopfdruck friert das Spiel ein und zeigt euch die unterschiedlichen Trefferzonen des Gegners mit jeweiliger Trefferwahrscheinlichkeit. So habt ihr beispielsweise bessere Chancen, euren Kontrahenten in den Rumpf zu treffen, als in den wesentlich kleineren Kopf. Wahlweise könnt ihr hier auch mehrere Schüsse vormarkieren. Der Nahkampf funktioniert ohne VATS und nur mit einem Baseballschläger bewaffnet aber ebenso gut. Wurdet ihr während des Gefechts verletzt, kommt euer PIP Boy 3000 zum Einsatz. Der Handheld bietet neben einem Tagebuch, Statusanzeigen, Questübersicht, Map und Radio auch eine Heil-Funktion. So könnt ihr mit Hilfe von Stim-Packs einzelne Körperteile wieder auf Vordermann bringen. Dieselbe Aufgabe erfüllen übrigens auch Lebensmittel, die euch neben neuer Lebensenergie auch eine zeitweise Steigerung bestimmter körperlicher Fähigkeiten verleihen. Um im Kampf schneller reagieren zu können, habt ihr außerdem die Möglichkeit, einzelne Waffen oder Stim-Packs auf Hotkeys zu legen.
Hackende Teddybären und teuflische Mechaniker
Das Charaktersystem in „Fallout 3“ ist denen der Vorgänger sehr ähnlich. Anstatt 18 wie in „Fallout 2“ habt ihr 14 Fähigkeiten zur Verfügung, aus denen ihr drei Spezialgebiete auswählt. Habt ihr ein neues Level erreicht, könnt ihr Punkte auf Spezialfähigkeiten wie Überredungskunst, Schlösser knacken oder Hacken verteilen. Ebenso wie ihr in „Oblivion“ mit unterschiedlichen Kräutern immer neue Tränke brauen konntet, beweist ihr in „Fallout 3“ euer handwerkliches Geschick. Da alle Waffen mit der Zeit unbrauchbar werden und dabei an Schusskraft oder Reichweite verlieren, könnt ihr sie modifizieren und mit anderen Gegenständen kombinieren. So bastelt ihr aus zwei ausgedienten Wummen einen Raketenwerfer der Teddybären oder Aschenbecher verschießen kann. Neben Kanonen könnt ihr euren Charakter natürlich auch rollenspieltypisch mit neuer Kleidung oder Rüstungen ausstatten. Einige der Outfits beeinflussen sogar eure Fähigkeiten – ein Mechaniker-Anzug steigert beispielsweise eure Reparatur-Skills. Und was wäre ein Rollenspiel ohne die Möglichkeit, auch mal richtig fies sein zu können? Auch daran hat Bethesda natürlich gedacht und ein verbessertes Karma-System integriert. So bietet jede Quest einen „guten“ und einen „bösen“ Weg. Je nachdem für welchen der beiden ihr euch entscheidet, steigt oder sinkt eure Reputation in der Spielwelt. Abhängig von eurem Handeln wird auch die Endsequenz sein, die nach rund 100 Stunden Spielzeit über den Bildschirm flimmert.
Stimmungsvoll untermalte Zerstörung
Im Vergleich zur eher drögen TopDown-Optik der beiden Prequels macht „Fallout 3“ in grafischer Hinsicht einen wahren Quantensprung. Bethesda hat sich sehr viel Mühe gegeben, die zerstörte Spielwelt nicht langweilig erscheinen zu lassen. Dies ist ihnen zum Einen durch abwechslungsreiche Schauplätze und zum Anderen durch einen sehr hohen Detailgrad gelungen. So wurden die weitläufigen Außenareale mit zerbröckelten Strassen, ausgebrannten Autowracks, verdorrtem Gras und eingefallenen Ruinen unter einem wolkenverhangenen Himmel dekoriert. Die Steintexturen wirken zwar bei näherer Betrachtung noch etwas verwaschen, bei einer derart großen Spielwelt sollte das jedoch zu verschmerzen sein. Fast alle Gebäude sind begehbar, wobei ihr euch auf euren Streifzügen schon mal in einer verlassenen Teddybären-Fabrik oder einer zugemüllten U-Bahnstation wieder findet. Auch in den Innenlevels wurde viel Wert auf Details wie düstere Beleuchtung, windschiefe Türen oder Staubpartikel in der Luft gelegt. Die Charaktere können sich durch die sehr realistisch gemodelte Kleidung ebenfalls sehen lassen. Dafür, dass „Fallout 3“ zur gelungenen Optik auch einen stimmungsvollen Soundtrack mitbringt, sorgt Komponist Inon Zur, der bereits „Crysis“, „Company of Heroes“ und „Prince of Persia: Rival Swords“ mit passenden Klängen unterlegte.