Auf der gamescom 2012 präsentierte Activision den jüngsten Teil der Call of Duty-Serie, Black Ops 2. Nicht etwa, wie sonst meist üblich, die Einzelspielerkampagne, sondern den Multiplayer. Und nicht nur als Video, sondern direkt vor Ort anspielbar. Was dahinter steckt, wie es sich gespielt hat und was ihr von Black Ops 2 erwarten dürft, verraten wir euch in der Vorschau.
eSports im Visier
Eine merkwürdige Offenheit praktiziert Publisher Activision mit
Call of Duty: Black Ops 2. Musste man sich beim Vorgänger
»Black Ops auf der gamescom 2010 noch mit einem Gameplay-Video aus der Einzelspielerkampagne zufrieden geben, wurde die Präsentation dieses Jahr auf eine andere Zielgruppe abgestimmt: Den eSportlern; sprich: Leuten, die das Spiel in Clans und bei Turnieren ausgiebig im Multiplayer zocken. Entsprechend fanden sich an den zwei Ständen eine ganze Batterie an Anspielstationen, die über einen lokalen Host verbunden direkt in den Mehrspieler-Modus führten.
Bevor es jedoch für uns in die Schlacht ging, gab es beim Warten eine kleine Einführung in den neuen Klassen-Editor. Der hat es in sich, denn Entwickler Treyarch verspricht nicht weniger als eine massive Individualisierung der Kampfausrüstung. Statt also wie im Vorgänger bei den Waffenaufsätzen auf einen beziehungsweise mit dem Perk "
Kriegsherr" zwei Aufsätze zurückgreifen zu können, können durch beliebige Konfiguration sogar drei Aufsätze angebracht werden. Dies geschieht über ein Punktesystem. Für jede eurer Klassen stehen euch 10 solcher Punkte zur Verfügung, mit jeder hinzugefügten Ausrüstung verliert ihr einen Punkt. Ihr könnt also selbst entscheiden: Verzichtet ihr etwa auf eine Sekundärwaffe, habt ihr einen Punkt gut, den ihr etwa in einen Schalldämpfer für eure Primärwaffe stecken könnt. Natürlich hat auch dieses System Grenzen, trotzdem hat es uns beim Anspielen direkt überzeugen können.
Eine weitere Neuerung, mit der wir vor Spielstart vertraut gemacht wurden, ist die sogenannte
Scorestreak, welche die
Killstreak (
Abschussserie) ersetzt. Statt für jeden Kill belohnt zu werden, gelten die Punkte als Indikator für das Erreichen von Drohnen, Vorräten oder Kampfhunde (welche es auch in
Black Ops 2 wieder geben wird). Das erweist sich als ziemlich logischer Schritt, denn so werden auch Assists mit der Hälfte an Punkte vergütet oder das Platzieren der Bombe im Modus
Suchen & Zerstören. Der Gedanke dahinter lautet: Alles, was das Team voranbringt, soll belohnt werden. Ein sehr motivierender Faktor, wie sich bei unserem Anspielen schnell herausgestellt hat.
Der Klassiker: Team Deathmatch
Die erste anspielbare Map trug den Titel
Turbine und wurde im
Team Deathmatch gespielt. Mit zwei Teams also, die gegeneinander antreten. Eine Besonderheit von
Black Ops 2 wird allerdings sein, dass auch drei oder vier Teams spielen können. Insgesamt dürfen bis zu 16 Spieler auf der Map sein, wie sich diese auf die Teams aufteilen, bleibt den Spielern überlassen. Denkbar ist jede Konstellation, von zwei Achterteams über vier Viererteams bis hin zu "unfairen" Konstellationen wie zwei gegen 14 Spieler. Das eröffnet interessante Möglichkeiten, etwa um als Clan in einem offenen Match grundsätzlich ohne "Grünlinge", also fremde Mitspieler, agieren zu können.
Die Map
Turbine erinnert ein wenig an den Klassiker
Scrapyard aus
»Modern Warfare 2. Euch erwartet ein Flugzeugfriedhof in bergiger Landschaft mit einigen kleinen Innenarealen, Laufwege zwischen den Hügeln und sogar einer Hängebrücke. Kein Vergleich also zur eher übersichtlichen
Scrapyard-Karte. Sniper-Fans finden hier genauso einen spannenden Spielplatz vor wie Rusher. Auch das taktische Teamplay wird gefördert: Bewacht ein Sniper aus einem Bunker heraus die Hängebrücke, kann ein Spieler mit Einsatzschild vorgeschickt werden. So fungiert dieser als Deckung für den eigenen Scharfschützen, der die entfernte Bedrohung ausschaltet und seinerseits den Weg für andere Kampfeinheiten ebnet. Nach kurzer Zeit finden wir uns schon auf der Map zurecht; auch, weil es scheinbar immer mehr als einen Weg gibt, schnell an einen bestimmten Punkt zu gelangen.
Das Gameplay ist gewohnt schnell. Wer einen der jüngeren Teile der
Call of Duty-Serie gespielt hat wird sich direkt heimisch fühlen. Bildschirmanzeigen, Tastenbelegung, Spielgefühl - alles ist serientypisch gehalten und "an seinem Platz". Warum auch nicht? Die langjährigen Serien-Fans sind genau daran gewöhnt und wollen dabei wohl auch keine großartigen Änderungen sehen.
Hardpoint - King of the Hill
Der
Hardpoint-Modus wiederum ist das CoD-Äquivalent zu dem beliebten Spiel-Modus
King of the Hill. Ziel ist es, mehrere Positionen auf der Map einzunehmen und möglichst lange zu halten, um daraus Punkte zu gewinnen. Gespielt wurde auf der Karte
Aftermath, welche ein zerstörtes Los Angeles zeigt. Hier erwies sich das, was wir schon bei
Turbine bemerkten, als Fakt: Treyarch hat die Maps wirklich sehr klug angelegt und bietet stets mehrere Laufwege an, die zum Ziel führen. Immer wieder kam es vor, dass ein Weg durch feindliche Einheiten zu schwer bewacht wurde und wir an einem Punkt dachten, "Wie genial wäre es jetzt, hier lang... oh, das geht ja tatsächlich!" - es ist, je nach Team-Größe, fast schon unmöglich, eine Position komplett nach allen möglichen Angriffsrichtungen abzusichern. Fast scheint es, als gäbe es immer noch einen Laufweg mehr. Natürlich liegt das auch noch an der fehlenden Erfahrung auf diesen Maps, aber es zeigt, dass Treyarch einige Möglichkeiten eingebaut hat, dem Feind jederzeit in den Rücken fallen zu können.
Neu & verbessert
Was kann man nun aus der Anspiel-Session mitnehmen?
Black Ops 2 bietet das gewohnt rasante Gameplay, ergänzt es jedoch um den neuen Klassen-Editor und einigen Verbesserungen im Detail. Eines etwa betrifft das
Ghost-Perk: Zwar seid ihr auch im neuesten Teil damit vor dem feindlichen Radar geschützt, werdet jedoch sichtbar, wenn ihr zu lange an einer Stelle verharrt. Damit sagt Treyarch allen Campern den Kampf an. Auch das Map-Design kann jetzt schon überzeugen, soweit man das anhand der gezeigten Karten sagen kann. Grafisch wird gewohnt ordentliche Kost geboten. Mir persönlich hat aber vor allem das Sounddesign gefallen. Über die Kopfhörer konnten die Waffen mit richtig knackigen Sounds überzeugen. Da spürte man förmlich, wieviel Rumms hinter den Waffen steckt.
Nicht gezeigt wurde auf der Messe der neue
Commentary-Mode. Dieser richtet sich ebenfalls an eSport-Fans und erlaubt es dem Kommentator, das Spiel live zu kommentieren. Dabei kann er jederzeit zwischen den Perspektiven der Spieler wechseln und bekommt umfangreiche Statistiken angezeigt. All das soll helfen, stets zum richtigen Moment dort mit dem Bild zu sein, wo die Action tobt. Es bleibt abzuwarten, was die Community aus diesem Feature macht - es zeigt aber, dass man die Reihe mehr in der eSport-Liga platzieren will. Kommentierten (Live-)Streams von Clan-Matches steht also kaum noch was im Wege.