Die Anforderungen an reine Sniper-Spiele sind hoch: Muss doch ein authentisches Gefühl entstehen ohne dass die Missionen zu einfach, zu schwer oder gar zu langweilig werden. Leider gelingt dieses in den seltensten Fällen und das Spiel wird ein totaler Reinfall. So erging es auch City Interactive im vergangenen Jahr mit »Sniper: Ghost Warrior. Wir haben uns nicht abschrecken lassen und Hand an den zweiten Teil gelegt... und sind positiv überrrascht.
Auf der Mauer auf der Lauer
Langsam bewegen wir uns mit unserem Spotter durch das spärliche Dickicht einer Hochregion. Vor uns eröffnet sich der Blick auf einen Tempel, von dem nicht viel mehr als eine Ruine geblieben ist. Unser Kollege bleibt stehen und signalisiert: Feind voraus! Gute 500 Meter entfernt auf einem Vorsprung überwacht ein Gegner mit seinem Maschinengewehr die Umgebung. Über den Boden kriechend suchen wir uns eine gute Position, warten auf den richtigen Augenblick und schicken den Feind still und leise ins Jenseits. Kurze Pause, wir checken die Lage - niemand hat etwas bemerkt. Weiter gehts.
Eine unzuverlässig ausschauende Hängebrücke führt uns über eine kleine Schlucht. Wir wagen den Vorstoß und kommen tatsächlich lebend auf der anderen Seite an. Dann plötzlich Geräusche. Zwei Feinde unterhalten sich in einer fremden Sprache. Russisch? Wir verstecken uns und schaffen es gerade noch den feindlichen Blicken zu entgehen, bevor diese die Brücke betreten. Wenige Sekunden später sind ihre Kehlen durchtrennt. Wir bewegen uns weiter unbemerkt fort und schalten einen weiteren Soldaten lautlos aus, bis wir zu einem Tal kommen, in dem weitere Ruinen als eine Art Lager für die Feinde dienen.
John-McClane-Style
Wir betrachten das Feld von einer sicheren Position aus und entdecken starke Feindbewegung. Auf die andere Seite zu gelangen wird sicherlich kein Zuckerschlecken. Endlich entdecken wir eine dunkle Passage, die wir nehmen könnten. Einziges Problem: Ein Soldat bewacht den Durchgang. Er muss ausgeschaltet werden. Wir warten, bis niemand in seiner Nähe ist und drücken ab. Als wir weiter wollen, bricht Unruhe unter den feindlichen Soldaten aus. Wir wurden entdeckt - es wird Alarm geschlagen!
Wenige Augenblicke später ertönt das Rotorengeräusch eines Helikopters. Aus der Luft wären wir leicht zu entdecken und ein noch leichteres Ziel. Es muss schnell gehen! Ein Turm auf der anderen Seite des Tals könnte Schutz und einen guten Winkel bieten. Schnell werden zwei weitere Feinde eliminiert. Ein Schuss geht vorbei. Im Laufen schnell nachladen - kurze Pause - der nächste Gegner geht zu Boden. Fast haben wir den Turm erreicht, als der Helikopter in Schussweite gekommen ist und direkt das Feuer auf uns eröffnet. Die in den Boden einschlagenden Kugeln kommen bedrohlich nahe. Knapp erreichen wir den sicheren Turm.
Von oben haben wir eine super Position um den Heli aus der Luft zu holen. Dafür müssen wir jedoch auf die Aussichtsplattform, was uns wieder zum leichten Ziel macht. Schnell raus, zielen, abdrücken. Treffer! Die Scheibe splittert, die Kugel wird jedoch abgefangen. Sofort verkriechen wir uns wieder ins Innere des Turm, als bereits wieder großkalibrige Kugeln auf uns abgefeuert werden. Als der Helikopter vorbeizieht wagen wir es erneut. Zielen, abdrücken, daneben! Wieder lassen die Kugeln das morsche Holz des Geländers bersten. Der nächste Versuch muss sitzen! Wir halten die Luft an, konzentrieren uns und jagen unsere Kugel durch das geborstene Glas direkt in den Kopf des Piloten. Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!
Sandmann, lieber Sandmann
In
Sniper: Ghost Warrior 2 übernehmt ihr die Rolle des Amerikaners Captain Cody Anderson, Rufzeichen "Sandman", Ex-Delta-Force-Mitglied und nun privat beschäftigt. Er lernte bereits in jungen Jahren das Jagen und Spurenlesen und ist somit wie für den Beruf des Scharfschützen gemacht. Sein Vater wurde in Vietnam getötet und so entschloss sich Anderson nach der High-School ebenfalls den Marines beizutreten. Als Scout-Sniper tartt er in die Fußstapfen seines Alten. Während des Spiels wird Anderson stehts von seinem Spotter begleitet, zu dem noch nichts weiter bekannt ist. Er soll euch jedoch im fertigen Spiel wertvolle Tipps zur Umgebung geben und euch so in der ein oder anderen brenzlichen Situation den Arsch retten. Wir sprachen mit Lukasz Mach, PR- und Marketingmanager bei City Interactive, über einen möglichen Coop-Modus, in dem ihr mit einem Freund die beiden Rollen übernehmen könntet. Leider ist ein solcher Modus noch nicht in Planung, Mach erschien die Idee zu interessieren und bis zum Gold-Status im kommenden Jahr ist ja noch einige Zeit. "
Wir wollen zunächst das Spiel fertig bringen, bevor wir uns einer neuen Idee wie dieser zuwenden. Es wäre jedoch ohne Frage etwas Neues, wenn man kooperativ mal den Schußbefehl abgibt und ein anderes Mal selbst den Abzugshahn drückt", erklärt Mach. Klar ist jedoch schon jetzt, dass der Multiplayer explizit auf Sniper-Duelle ausgelegt sein wird.
Neues Jahr, neues Glück
Wie bereits erwähnt hat City Interactive bereits 2010 versucht einen spannenden und authentischen Scharfschützen-Shooter auf den Markt zu bringen. Und auch, wenn die ersten Bilder und Videos einen möglichen Konkurrenten zum Genre-Godfather
»Sniper Elite von 2005 erhoffen ließen, kam die Ernüchterung:
Sniper: Ghost Warrior konnte sich gegen die Konkurrenz nicht durchsetzen und strotze nur so vor Macken, etwa bei der KI. So war es nicht selten, dass wir trotz super Position vom Gegner entdeckt und dann aus eintausend Metern vom Maschinengewehr durchlöchert wurden.
Sniper: Ghost Warrior 2 soll nun einiges besser machen. Neben verbesserter KI und Next-Gen-Grafik soll der zweite Teil vor allem einen abwechslungsreichen Cocktail aus Stealth, Action und einer guten Story bieten. City Interactive verspricht also erneut einen würdigen
Sniper-Elite-Nachfolger - einem Versprechen, dem wir eher misstrauisch gegenüberstehen.
Bäumchen wechsel dich
Umsomehr sind wir überrascht, als wir Hand an die oben beschriebene Mission legen. Zur Story wurde uns zwar nichts verraten, jedoch verrät der neue Look von
Sniper 2 bereits eine Menge: Grafisch ist das Spiel dank CryEngine 3 auf dem neusten Stand. City Entertainment legt bewusst wert auf eine farbenfrohe Umgebung, um sich von den sonst eher tristen Kriegsspielen zu distanzieren. Das Setting bleibt ernst, soll euch aber auch bei der ein oder anderen Verschnaufpause die Umgebung genießen lassen. Das gelingt auch schon ziemlich gut. Dazu kommen menschlich wirkende Charaktere und eine authentische Physik. Bereit bei unserem ersten Schuss müssen wir Entfernung, Wind und Bewegung des Feindes mit einberechnen. Dabei half uns zwar die aus dem ersten Teil bekannte Zielunterstützung, im fertigen Spiel kann diese jedoch ausgeschaltet werden.
Mit einer zweiten Mission, die wir leider nicht selbst spielen konnten, wollte man uns die KI präsentieren. So wurde absichtlich ein Feind aufgeschreckt, der zunächst seine Kameraden aufmerksam macht und daraufhin nach uns sucht. Dabei ging er sichtlich vorsichtig und aufmerksam vor. Hier leistete die KI gute Arbeit. Fraglich ist uns nur, wieso der Feind alleine auf uns zu kam, schließlich würdet ihr doch auch nicht alleine durch den Wald stapfen um den Scharfschützen zu suchen, der euch gerade nur knapp verfehlt hat, oder?
Die nächste Situation bewies uns unabsichtlich, dass
Sniper 2 noch lange nicht fertig ist. Während eines Schleichangriffes wurden mehrere Angreifer aufmerksam, verhielten sich jedoch wenig intelligent und liefen öfter am Scharfschützen vorbei, obwohl sie ihn zuvor bereits entdeckt hatten. Bis zum Release sollten solche Probleme ausgemerzt werden.
Altbewährtes gekreuzt mit Innovation
Wieder mit von der Partie in
Sniper 2 wird die Bullet-Cam sein, durch die ihr die genaue Flugbahn eures Geschosses bis ins Ziel verfolgt. Dies geschieht vor allem, wenn ihr die Luft anhaltet. Das stabilisert euren Schuss und verlangsamt das Geschehen um euch herum, wodurch Zielen noch einfacher wird. Neben der Bullet-Cam bietet sich der Silent-Kill als hervorstechende Möglichkeit den Feind auszuschalten. Dabei schleicht ihr euch an den Feind heran und durchtrennt mal die Kehle, mal wird das Messer in die Rippen gerammt. Das funktioniert jedoch nur unentdeckt, ansonsten seid ihr auf euer Gewehr und eine schnelle Flucht angewiesen.
Neben sechs verschiedenen Scharfschützengewehren hat City Interactive drei Sturmgewehre, stationäre Maschinengewehre und weitere Waffen angekündigt, deren Einsatz in unseren Augen dem Sniper-Feeling schaden könnten. Es gilt abzuwarten, wie oft diese Waffen eingesetzt werden können und ob es am Ende vielleicht sogar möglich ist, mit einem Karabiner nach dem Motto "
ab durch die Mitte" auf den Feind loszugehen.
Neben verschiedenen Waffen wird es auch sehr unterschiedliche Settings geben, so führt euch der Weg von Anderson nicht nur durchs Hochland, sondern auch in dichte Wälder und in Städte. Alle Locations sind laut City Interactive echten Orten nachempfunden. Vielleicht erkennt ja jemand seinen letzten Urlaubsort wieder.