Mit Tomb Raider 9 will Crystal Dynamics der Videospielikone Lara Croft wieder zu neuer Popularität verhelfen. Tomb Raider soll der neue Teil der Erfolgsreihe ganz simpel heißen und das nicht ohne Grund. Es handelt sich um einen Reboot, also einen Neustart der Marke. So will man sich von alten Lastern befreien, z.B. die Unnahbarkeit der recht maskulinen Heldin, deren "Weiblichkeit" dann doch eher an Spieleikonen wie Duke Nukem erinnerte. Wie Lara Croft zum Tomb Raider (Schatzjäger) wurde, soll das Spiel zeigen, weil das laut der Entwickler bisher nie genauer beleuchtet wurde. Die Alt-Amazone gibt sich dieses mal jedoch weit natürlicher, aufgespritzte Lippen und Doppel-D Vorzeige Möpse sind tabu. Miss Croft gibt sich emanzipierter, verletzlicher (und somit menschlicher) und setzt nicht mehr nur auf Sexappeal und bleihaltige Argumentationsverstärker, denn im Kern unterschied sich die "Lady" kaum von ihren männlichen Videospiel-Kollegen. Kaum das Archäologie Studium abgeschlossen, begibt sich Jungspund Lara auch direkt ins erste Abenteuer, wenn auch nicht ganz freiwillig. Kommt zusammen mit uns und Lara auf Entdeckungstour.
Land in Sicht!
Nach Abschluss ihres Archäologie Studiums zieht es die 21-jährige Lara Croft in ihr erstes Abenteuer. In der Uni hat Lara genug Bücher gewälzt, Zeit also Theorie in Praxis umzusetzen. Ihre erste Reise führt die hübsche Jungentdeckerin ins japanische Meer. Durch stürmischen Seegang wird die Überfahrt aber jäh unterbrochen und die Endurance zerschellt an den scharfen Felsen einer unentdeckten Insel. Der Anfang erinnert also etwas an die alte King Kong Story und auch ansonsten stellt man einige Parallelen fest, aber dazu später mehr.
Kopfüber an der Decke baumelnd kommt Lara wieder zu sich, langsam öffnet sie ihre Augen, blickt sich um und erstarrt vor Furcht. Neben ihr hängen zahllose Jutesäcke, darin Leichen! Wohin man sieht Skelette, zentral im Raum thront ein Opferaltar. Die uns bekannte Miss Croft hätte schon längst ein paar Machosprüche geklopft und jede aufkeimende Angst gekonnt überspielt. Nicht so die neue, deutlich verjüngte Lara, die noch nicht durch zahllohse Abenteuer verroht ist. Lara hat Angst - Panik keimt ihn ihr auf! Was wenn der irre Besitzer der Höhle zurückkommt, ist sie die nächste?
Horroranleihen
Lara schreit panisch vor Angst, sie muss sich schnellstens befreien - durch eine Wandfakel entkommt sie schließlich dem Jutesack. Ungebremmst fällt sie zu Boden, schreit erneut auf - Lara landet seitlich in einer Metallstange. Blutverschmiert, unter Tränen, suchen wir nun nach einem Ausgang aus der "Horror-Höhle".
Nicht nur die anschließende Flucht durch klaustrophobisch enge Gänge wirkt
Tomb Raider untypisch. Auch der Gewaltgrad hat deutlich zugenommen. Miss Croft kann auf unterschiedlichste Art und Weise zu Tode kommen, fest steht nur: zimperlich waren die Entwickler nicht: Sie wird von Schwertern durchbohrt, ihr Schädel wird zetrümmert und, und, und - harter Tobak also! Deswegen wird das Spiel wohl auch zu Recht keine Jugendfreigabe erhalten - die Neuauflage gehört definitiv in Erwachsenenhände!
Gameplay-Reboot
Tomb Raider Spiele boten seit jeher eine gelungene Mischung aus Kampf-, Kletter- und Rätseleinlagen. Das wird sich mit dem Neustart der Reihe nun ändern. Die serientypischen Schalterrätsel fallen dem Rotstift zum Opfer, viel mehr geht es darum, Lara aus gefährlichen Situationen zu befreien. Die grauen Zellen werden also nicht mehr in dem Umfang gefordert wie sonst gewohnt - ob das den Fans gefällt?
Das mysteriöse Eiland ist übrigens komplett frei begehbar - wobei man aufpassen sollte wohin man tritt. Riesige Dinos (erinnert wieder an King Kong) streifen umher und sehen in Lara wortwörtlich ein gefundenes Fressen. Neben den urzeitlichen Echsen treiben sich auf der Insel noch seltsam verstümmelte Kreaturen umher, die direkt aus einem Horrorfilm entsprungen sein könnten. Um auch mal größere Ungetüme zur Strecke zu bringen, steigern wie Laras Fähigkeiten oder verbessern ihre Waffen, die man in der Regel aus gefundenen Gegenständen herstellt. Als Rückzugsort fungiert das Camp der Gestrandeten, an dem u.a. der Kapitän der Endurance auf euch wartet. Ob die Rollenspielanteile überzeugen, wird man sehen, der Ansatz gefällt uns auf jeden Fall schon mal. Selbst das Kampfsystem erhält eine Frischzellenkur. Auto-Aiming ist passe, stattdessen wird sowohl im Nah- wie auch Fernkampf manuell gezielt.
Auf der Jagd
Verletzungen sollen deutlich sichtbar dargestellt werden und sich auch auf die athletischen Fähigkeiten Laras auswirken (mit einer Beinverletzung ist man beispielsweise wesentlich langsamer unterwegs). Wir mutmaßen, ob vielleicht sogar die komplette Lebensenergieanzeige für ein besseres Mitten-Drin-Gefühl geopfert wird. Um eine humpelnde Lara wieder auf Vordermann zu bringen, braucht es aber immer noch ganz klassisch ein Medipack oder aber man nutzt die Umgebung und setzt beispielsweise Blutegel zur Wundversorgung ein.
Zur "Überlebens-Simulation" gehört auch, dass Miss Croft von Zeit zur Zeit der Magen knurrt. Mit Pfeil und Bogen geht es dann auf die Jagd. Nach einem langen Ausflug, der uns weit in den dichten Dschungel getrieben hat, treten wir mürrisch den beschwerlichen Rückweg an. Gott sei Dank haben die Entwickler an eine Schnellreisefunktion gedacht, so wie es gang und gäbe bei Open World Games sein sollte. Bereits besuchte Orte können so ganz einfach über die Karte erreicht werden.
Dynamisches Gameplay - Dynamischer Soundtrack?
Nicht nur das Gameplay soll in
Tomb Raider mit all seinen Elementen dynamisch ineinander übergehen, auch der Sound soll sich dem Geschehen, ähnlich wie in
»Uncharted, anpassen. Die Abmischung dürfte auf Grund des Settings aber deutlich düsterer ausfallen, als bisher gewöhnt. Die Grafik sieht bisher durchaus beeindruckend aus. Licht bricht imposant in düstere Höhlen, Wasser perlt von Laras Haut und die Vegetation im Dschungel wirkt authentisch.
"Aus Alt mach Neu" - Dieses Prinzip zieht sich durch das komplette Spiel, mit ein paar Ausnahmen. Quicktime-Events sind zum Beispiel wieder mit von der Partie. Anscheinend darf dieser "Gameplay-Kniff" in keinem modernen Action-Adventure fehlen. So flüchtet Lara Croft im "Indi-Style" aus einer Höhle und wir dürfen im Takt Knöpfe drücken. Wenig innovativ, aber immer noch spassig. Solange die Quicktimeevents wohl dosiert eingesetzt werden, bilden sie eine gute Brücke zwischen Gameplay und Zwischensequenzen.
Man darf auf jeden Fall gespannt sein wie die neue Lara beim Publikum ankommt.
Tomb Raider tritt nicht auf der Stelle und wagt einen Neuanfang. Gut so! Wir haben genug davon, jedes Jahr ein und dasselbe Spiel unter einem anderem Namen vorgesetzt zu bekommen.