Wir staunen nicht schlecht, als wir inmitten des Trubels der gamescom 2010 in einem komplett holzvertäfelten Raum geführt werden. Poster, die für Schwarz-Weiß-Filme werben sollen, hängen an der Wand. Auf einer antiken Kommode steht ein altes Grammophon, altertümlich aussehende Kronleuchter hängen von der Decke und verbreiten ein diffuses Licht. Vier wuchtige dunkle Ledersofas laden zum gemütlichen Verweilen ein. Einzig das moderne High-End-Surroundsystem und die große Videoleinwand passen nicht so recht zum übrigen Ambiente. Ein „neues 2K Projekt“ soll in den nächsten 30 Minuten vorgestellt werden. Keiner der hier anwesenden Personen weiß so recht, was sie gleich zu sehen bekommen werden. Zweifelsohne muss es sich angesichts des Präsentationsaufwandes um ein großes und wichtiges Spiel handeln. Nach wenigen Minuten Wartens betreten drei Personen den Raum und schließen die massive Holztür hinter sich. Mit Nachdruck in der Stimme weisen die beiden Präsentatoren darauf hin, das Foto- und Videokameras, Diktiergeräte und Handys auszuschalten sind. Das Aufnehmen des hier gezeigten Materials ist nicht gestattet. Eine freundlich drein blickende Dame steht im Hintergrund und überwacht die Szenerie mit Argusaugen.
Wo bin ich?
Ein Ruck geht durch den Körper des noch namenlosen Helden. Mit seinen Augen sehen wir die Welt vor uns kreisen, ein heftiger Aufprall und wir liegen auf dem Boden. Hilflos müssen wir mit ansehen, wie wir von riesigen metallischen Händen am Hemdkragen gepackt und auf die Beine gezogen werden. Was wir nun sehen können, lässt uns den Atem aussetzen. Durch eine Plexiglasscheibe sehen wir ein menschliches Herz in der Brust eines halb metallischen Hünen schlagen. Kurz bevor wir einen Blick auf das Gesicht unseres Peinigers werfen können, geht abermals ein Ruck durch unseren Körper. In hohem Bogen zerschlagen wir unfreiwillig eine Fensterscheibe und stürzen abwärts. Mit Schrecken werden wir uns zweierlei Tatsachen bewusst. Erstens: Wir fallen aus einem der oberen Stockwerke eines Hochhauses. Zweitens: Unter uns ist eine dichte Wolkendecke. Augenscheinlich befinden wir uns nicht auf der Erde, sondern in luftiger Höhe. Das Problem ist nichtsdestotrotz präsent. Einem Impuls folgend, packen wir mit beiden Händen die Leinenbespannung eines unter uns fliegenden Zeppelins, Glück im Unglück? Leider nein. Nach wenigen Augenblicken reißt das Stück Stoff. Abermals sausen wir nach unten, durchstoßen die Wolkendecke und sehen Erstaunliches: Unter uns erstreckt sich eine gigantische Stadt in den Wolken. Viele große Plattformen, auf denen man Wohn- und Hochhäuser, Kapellen und andere imposante Bauwerke errichtet hat, werden von vielen prall gefüllten Ballons, die seitlich hervorstehen, in der Luft gehalten. Eine eben solche Plattform wird unseren Fall unvermeidlich stoppen. Just in dem Moment als wir unseren Frieden mit Gott machen wollen, streckt eine junge Frau auf einem blütenübersäten Balkon theatralisch die Hände nach uns aus. Unser Sturzflug endet, ca. fünf Meter oberhalb der Straßen der Stadt. Langsam schwebend zieht die Dame uns zu sich heran.
Elizabeth...Offensichtlich ist die schwarzhaarige Schönheit unserem namenlosen Protagonisten bekannt. Kurz bevor wir die Hände unserer Retterin ergreifen können, reißt unser hünenhafter Peiniger vom Anfang des Trailers die Tür hinter Elizabeth auf und zieht sie zu sich herein. Abermals geht es abwärts. Nach fünf Metern folgt ein harter Aufprall....
Was bin ich?
Gerade als wir uns fragen wollten, welches Spiel in diesem rund 2-minütigen Trailer so pompös angekündigt werden soll, klärt uns ein eingeblendeter Schriftzug auf: Wir haben eine Szene aus
BioShock Infinite gesehen.
Im dritten Teil der Serie dreht Entwickler Irrational Games das Szenario um 180 Grad. Die Meeresmetropole Rapture ruht in Frieden. Dafür geht es nun in luftigen Höhen sehr rabiat zu. Columbia, so der Name des neuen Utopias, scheint auf den gleichen Prinzipien aufgebaut zu sein wie das Äquivalent unter der Wasseroberfläche. Genmanipulationen und Plasmide scheinen auch hier verbreitet und zum allgemeinen Untergang der einst so wunderbaren Stadt geführt zu haben. Über die Gründe des Verfalls der Gesellschaft können wir jedoch nur spekulieren, denn in den kommenden 15 Minuten zeigt uns der Entwickler eine kurze Kostprobe des Gameplays von
BioShock 3.
Abermals schlüpfen wir in die Rolle des namenlosen Helden, welcher sich nachdem er sich von seinem Sturz einigermaßen erholt hat, direkt auf die Suche nach seiner Freundin Elizabeth macht. Die Stadt befindet sich auf einem absteigenden Ast, das wird uns sehr schnell klar. Halb verfallene Häuser, verbarrikadierte Läden, verrottende Leichen und Abfall zeugen vom Untergang der Gesellschaft. Bevor wir uns jedoch ein genaues Bild von der Lage machen können, schlägt ein gewaltiges Geschoss direkt vor uns in eine Kapelle ein. Das Bauwerk stürzt mit großem Getöse ein, die Kirchturmglocke bohrt sich nur wenige Meter vor uns in den Boden. Scheinbar haben wir Feinde in der Stadt. Was jedoch sollen wir unbewaffnet gegen einen Gegner ausrichten, der kurzerhand ein ganzes Gebäude einreißt, nur um unserer ledig zu werden?
Übermächtige Gegner
Glücklicherweise finden wir in einem Park nur wenige Meter weiter einen Pavillon, in dem Waffen gleich kistenweise zur Mitnahme bereit stehen. Eine geistig verwirrt aussehende Person versucht mit hochtrabenden Worten eine nicht anwesende Menschenmenge davon zu überzeugen, die Waffen zu erheben. Als wir seinem Ruf folge leisten wollen, bricht der Wahnsinn aus den Augen des Predigers hervor. Wie es scheint, hat er wegen uns zu den Waffen gerufen. Mit überschlagender Stimme ruft er nach seinem Leibwächter. Kurz darauf werden wir von einem Schwarm bösartig aussehender Krähen angegriffen. Ein gut gezielter Schuss in den Kopf und Wächter samt Krähenschwarm sinken Tod zu Boden. Eine eigenartig aussehende Flasche fällt aus der Jacke des Toten, welche kurzerhand geleert wird – wir haben die Kontrolle über einen Krähenschwarm gewonnen.
Bevor wir unseren Sieg jedoch feiern können, erklingt in der Ferne erneut ein lautes Krachen. Ein Blick zum Himmel verrät uns, dass man abermals ein gewaltiges Geschoss auf uns abgefeuert hat. In letzter Sekunde schaffen wir es, uns an das plattformübergreifende Transportsystem zu hängen. Ein kleiner Haken, der an unserem Handgelenk befestigt ist, transportiert uns in atemberaubender Geschwindigkeit zum überdimensionalen Geschütz, welches langsam aber sicher genau in unsere Richtung zielt. Aus der Entfernung sind wir nicht zu verfehlen. Abermals zerreißt ein lauter Knall die Stimme, der erwartete Aufprall jedoch bleibt aus. Nur wenige Meter vor uns schwebt das Geschoss in der Luft, dreht um und sprengt die Kanone samt Insassen ins Nirwana.
BioShock Reloaded
Wie ihr lesen könnt, geht es in
BioShock Infinite um einiges actionreicher zu als noch im Vorgänger. Sowohl unser Alter Ego als auch Elizabeth verfügen über große Kräfte, die sie sowohl einzeln als auch kombiniert gegen ihre Feinde einsetzen können. Die daraus resultierenden Effekte sind wahre Augenöffner. Vor allem die Kämpfe gegen das luftige Äquivalent zum Big Daddy sehen sehr spektakulär aus. Fraglich ist jedoch, wie das kooperative Spielen im fertigen Programm aussehen wird. Entwickler Irrational Games hüllt sich bislang noch in Schweigen. Informationen zum kommenden dritten Teil sind sehr spärlich. Auf Nachfrage versicherte man uns, dass bereits in den nächsten Woche detailliertere Informationen zum Spiel zu erwarten sind. Klar ist jedoch schon jetzt: Abermals hat man eine packende Atmosphäre geschaffen und wieder hat die Grafik etwas zugelegt. Das, was wir bislang sehen durften, hat uns tief beeindruckt!