Eines muss man Ubisoft lassen, sie wissen, wie man ein Spiel gekonnt in Szene setzt. In hochtrabenden Trailern wird das vermeintliche Strategiehighlights R.U.S.E. epochal angepriesen. Besonderes Augenmerk soll dabei der neuartigen Steuerung geschenkt werden. Per Touchscreen lässt sich das taktische Echtzeit- Strategiespiel am besten bedienen. Doch wer kann schon ein solches Gerät zu Hause sein Eigen nennen? Wir haben die Preview-Version ausführlich angespielt und berichten euch was das Spiel ausmacht und wie sich R.U.S.E. auf traditionelle Weise steuern lässt.Lesefaule schauen sich einfach unser »kommentiertes Vorschau-Video zu R.U.S.E. an.
Traditionell
Im Gegensatz zur Präsentation, ist das zugrundeliegende Szenario von
R.U.S.E. eher konventionell. Auch wenn der Zweite Weltkrieg eine durchaus dankbare Grundlage bietet, so lässt die Möglichkeit diese Art von geschichtsträchtigen Schlachten selbst nachspielen zu können, kaum mehr einen Spieler in Freudenschreie ausbrechen. Die Tatsache allerdings, dass nur wenige brauchbare Echtzeit–Taktik Strategiespiele in der letzten Zeit auf den Markt gekommen sind, sehr wohl. Was also macht den Reiz von
R.U.S.E. aus? Zunächst fällt uns da die Optik auf. Stufenlos können wir zwischen Planungsansicht und Einzelansicht wechseln. Das sieht zwar sehr beeindruckend aus, auch einzelne Einheiten sind so wunderbar zu sehen, wirklich nützlich hingegen ist nur die Planungsansicht. Zoomen wir zu weit heran, geht die Übersicht nur all zu schnell flöten - nichtsdestotrotz eine schöne Spielerei. Ebenfalls traditionell gehalten sind die Einheitentypen: Vom Soldaten bis zum Bomber sind alle typischen Kriegsspielzeuge dabei. Aufgebaut sind diese, wie in diesem Gerne gewohnt, nach dem Stein-, Schere-, Papier-Prinzip. Im Klartext heißt das: Infanterie wird von leichten Panzern zerrieben, leichte Panzer von schweren, schwere Panzer von Bombern, Bomber von Jagdfliegern und diese werden wiederum von Infanterie mit dem Flakgeschütz vom Himmel geholt. Dementsprechend müsst ihr eure Armee gut durchmischen. Wer nur auf schweres Gerät setzt, wird keine reelle Chance auf Sieg haben.
Auf dem Vormarsch
Wie bereits beschrieben, spielt
R.U.S.E. während des Zweiten Weltkriegs, genauer gesagt nach dem Einmarsch der US Truppen auf dem europäischen Kontinent. Die Deutschen sind bereits auf dem Rückzug, aber dennoch brandgefährlich und stark an der Zahl. Das weiß auch der Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte und hat vorausschauenderweise einige Spione auf den Weg geschickt, um neben der Beschaffenheit der deutschen Armee auch wichtige Persönlichkeiten auszumachen. Eine eben solche wurde jüngst in der Nähe von Leipzig gesehen, in Schloss Caditz. Die junge Spionin mit dem Codenamen Nachtigall berichtet mit großer Angst in der Stimme, dass sich die gesucht Person nicht mehr dort aufhalte, sie aber den neuen Aufenthaltsort kenne. Just in dem Moment als wir die wichtige Information erhalten sollten, wissen wir um die Angst der Agtentin: Die Verbindung reißt ab. Die US-Spionin wurde entlarvt. Was also bleibt uns anderes übrig als sie aus dem Schlossgefängnis zu befreien.
Prompt schließen wir uns dem vorrückenden Heer an, das erst kürzlich nahe Leipzig Stellung bezogen hat. Da es sich bei der Aufklärungsmission von Nachtigall um eine geheime Operation handelt, schauen unsere Verbündeten nicht schlecht, als wir das Kommando über drei schwere Panzerprototypen übernehmen und uns abseits der tobenden Schlacht an die Burg heranschleichen. Gänzlich ohne Gegenwehr klappt das freilich nicht. Doch dank des optimierten Kriegsgeräts schlagen wir uns relativ problemfrei zu unserem Ziel vor. Die Agentin ist wieder in Sicherheit.
Tücken des Krieges
In dieser und in den vier darauf folgenden Missionen werdet ihr mit dem Feind leichtes Spiel haben. Die Einsätze sollen als Tutorial von
R.U.S.E. dienen und lassen euch abseits von ermüdenden Kasernenübungen die Tücken des Kriegs spüren. Das sich uns bietende Szenario ist in der Tat kein sehr einladendes. Die Stadt Leipzig steht in Flammen, feindliche Panzer rücken von Osten her an und werden direkt von unserer Artillerie beharkt, ein Trupp Grenadiere versucht sich durch den Weg im Westen heran zu schleichen, wird jedoch von Jagdfliegern entdeckt und aufgerieben. Hilflos müssen wir mit ansehen wie südlich unsere Versorgungswege abgeschnitten werden, während vor uns ein Bataillon Panzer auf uns wartet. In der Tat weiß
R.U.S.E. mit einer tollen Atmosphäre zu überzeugen. Selbst in der Planungsansicht werden wir unserer Lage stets bewusst. Das liegt zum einen an der gelungenen Vertonung. Explosionen und Schüsse wummern klangvoll aus den Boxen, Kettenrasseln der Panzer und panische Funksprüche unserer Verbündeten vermitteln ein stimmungsvolles Bild. Zum anderen werden besondere Vorkommnisse, wie beispielsweise der Abwurf von Fallschirmtruppen oder das Vorrücken einer Panzerbrigade, in kurzen Sequenzen seitlich am Bildschirm eingeblendet – störend für die Übersicht, aber ein großer Pluspunkt in Sachen Atmosphäre.
Auf in die Schlacht
Kommt es zum Zusammenstoß zweier feindlicher Einheiten, spielt sich
R.U.S.E. fast wie ein normales Echtzeit-Strategiespiel. Per Mausklick wählt ihr eure Truppen aus und lasst sie mit erneutem Klicken das Feuer eröffnen. Eher unkonventionell gestaltet sich die taktische Planung. Ihr müsst bereits im Vorfeld möglichst gut einschätzen, wo mit welchem Widerstand zu rechnen ist. Eine kurzfristige Umstrukturierung der Armee gestaltet sich dank der meist langen Laufwege als schwierig. Die etwas schwergängige Steuerung macht das nicht grade einfacher. Genau dieses Problem ist einer der Hauptkritikpunkte an
R.U.S.E.. Selbst geübte Strategen werden anfangs die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Kaum eine Einheit tut das was ihr angewiesen wurde. Bomber beispielsweise greifen auch nach langem Kreisen in der Luft nur widerwillig den Panzer an, Artillerie sucht sich - dem ausgesetzten Sperrfeuer zum Trotz - eine andere Schussposition anstatt ihr Pulver an Ort und Stelle zu verbrauchen. Einzig Panzer und Infanterie lassen sich, wenn auch teils sehr träge, an die gewünschte Position bewegen.
Grund dafür ist die Sichtlinie, die in
R.U.S.E. eine sehr wichtige Rolle spielt. Zwar können wir feindliche Einheiten grundsätzlich überall auf der Karte sehen, allerdings werden diese nur als Symbole angezeigt. Erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit werdet ihr in der Lage sein, eure Armee effektiv zu führen.
Nachschublinien
Panzer und anderes Kriegsgerät können wir natürlich nicht einfach so aus dem Boden stampfen. Bevor wir uns an die Produktion der Tötungsmaschinen machen können, müssen wir unsere Basis ausbauen. In der Regel besteht diese anfangs lediglich aus dem Hauptquartier, aus dem wir möglichst fix Baukran und Co ausschicken, um entsprechende Produktionsstätten zu errichten. Zunächst empfiehlt es sich, mehrere Versorgungsdepots zu sichern, um unser Einkommen zu erhöhen. Auch die Kaserne leistet zu Beginn wertvolle Dienste. Mit Hilfe der Infanterie können wir feindliche Nachschubwege sabotieren und die unseren durch Panzeraufklärer beschützen. Gebäude werden in
R.U.S.E. innerhalb von Sekunden aufgebaut. Einzig der Weg des Bautrupps verschlingt kostbare Zeit. Darüber hinaus ist das „Gebäude“ in dieser Phase sehr angreifbar. Zerstört der Feind unseren Bautrupp, gilt das Bauwerk als verloren. Eine gute Absicherung ist schon sehr früh im Spiel ein wichtiger Bestandteil.
Die kleinen Unterschiede
Ein Weltkrieg wäre kein Weltkrieg, würden sich lediglich zwei Länder untereinander die Köpfe einschlagen. Daher stehen euch auch in
R.U.S.E. insgesamt sechs Fraktionen zur Verfügung. Die Armeen der Länder UDSSR, Italien, Frankreich, UK, Deutschland und USA erwarten eure Befehle – jede von ihnen mit individuellen Stärken, Schwächen und Einheiten. Vor allem die Prototypen ermöglichen es euch, verschiedene Taktiken aufzubauen. Die UDSSR beispielsweise setzt, wie könnte es anders sein, auf besonders schweres Kriegsgerät. Diese Fraktion verfügt neben einer effektiven Artillerie auch über den feuerstärksten Panzer des Spiels. Italien hingegen setzt auf Masse statt Klasse. Auch in der Prototypenfabrik finden sich vornehmlich kostengünstige, aber dennoch moderat durchschlagskräftige Truppentypen.
Die kleinen Gemeinsamkeiten
Wie bereits beschrieben, unterscheiden sich die Armeen der am Krieg teilnehmenden Länder in
R.U.S.E. teils sehr. Anders verhält es sich mit den Kriegstaktiken, den sogenannten Ruses. Diese Spezialfähigkeiten stehen euch ab der zweiten Kampagnenmission, sowie in Multiplayerschlachten zur Verfügung und stellen das Herzstück des Spiels dar. Die euch durch den Einsatz der Kriegstaktiken gewährten Vorteile sind grundverschieden. Fanatismus beispielsweise lässt eure Einheiten bis zum bitteren Ende kämpfen. Selbst stark beschädigte Truppen werden für eine kurz Zeitspanne unbeeindruckt weiterfeuern. Ebenfalls sehr nützlich ist die Fähigkeit, feindliche Funksprüche zu dekodieren. Setzt ihr diese Ruse ein, wisst ihr bereits im Vorfeld über die Aktionen des Feindes bescheid.
Mehrspielerfreuden
Obwohl
R.U.S.E. eine umfangreiche Solokampagne und einen durchaus gelungenen Skirmish Modus samt moderater KI enthält, liegt die wahre Stärke des Spiels dennoch im Multiplayer. Nur hier können die Kriegstaktiken ihr volles Potential entfalten und bieten so einen bisher selten erreichten taktischen Tiefgang. Zumindest in der Theorie. In der Praxis hingegen trifft das leider nicht immer zu. In der Regel geht es bei den Multiplayerpartien um Siegespunkte. Diese erhaltet ihr durch das Zerstören feindlicher Gebäude und Einheiten. Punkte bekommt demnach auch derjenige, der sich einigelt und die anstürmenden Horden mit einer gut durchdachten Verteidigungslinie dem Erdboden gleicht macht – taktischer Tiefgang kommt dabei selten auf.