Kennt ihr das? Sechs leicht verschrobene Typen – bevorzugt männlich – sitzen an einem runden Tisch. Jeder von ihnen hat einen ganzen Haufen an Würfeln vor sich aufgebaut. Bewaffnet mit Papier und Bleistift lauschen sie andächtig dem Kerl mit dem großen Buch, den sie ehrwürdig „Meister“ nennen. In der Mitte des Tischs haben sich tütenweise Chips und Cola angehäuft. Erst als der „Meister“ etwas von einem Kampf faselt, erwacht die Runde aus ihrer Lethargie und beginnt wie wild mit ihren Würfeln herumzufuchteln. Wenn euch Szenen wie diese nicht unbekannt vorkommen, habt ihr auch sicher schon einmal von Deutschlands beliebtestem Pen and Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge gehört. Dank einiger Computerspiele ist die Rollenspielreihe auch in den Fokus der PC-Spieler gerückt. Demnächst dürfen erstmals auch Konsoleros in die fantastische Welt von Aventurien reisen.
Nach der erfolgreichen Nordland Trilogie aus den 90er Jahren und den beiden
»Drakensang-Titeln, bahnt sich nun ein weiterer Titel unter dem
Das Schwarze Auge-Banner an. Entwickler Silver Style Entertainment hat sich diesmal eine besonders spannende Epoche der langjährigen DSA-Geschichte ausgesucht...
Dunkle Zeiten, Dunkle Lande
Die Zeit der Magierkriege ist längst vorbei. In einer epischen Schlacht zwischen dem weißen Magus Rohal und dem Dämonenmeister Borbarad konnte die gute Seite den Sieg davontragen. Doch Borbarad verschwand nie völlig von der Bildfläche. Eine treue Anhängerschaft, auch Borbaradianer genannt, schwor dem Dämonenmeister ewige Treue und versuchte immer wieder einen Weg zu finden, den dunklen Meister wiederzubeleben, um einen weiteren Angriff auf die Weltherrschaft zu wagen. Als die dämonische Dienerschaft Borbarads eines düsteren Tages einen Weg fand, ihren Meister in ihre Welt zurückzuholen, mussten sich die Bewohner Aventuriens erneut gegen eine Welle der dämonischen Mächte erwehren. Zunächst sah es ganz danach aus, als stünden alle Chancen gegen die aventurischen Streitkräfte: Die Uneinigkeit der Völker ließ kaum eine organisierte Gegenwehr gegen das machtvolle Heer Borbarads zu. Erst unter der Führung der Sieben Gezeichneten – einer legendären Abenteurergruppe – konnte dem Siegeszug Borbarads Einhalt geboten werden. Nach einem langen intensiven Kampf wurde der Dämonenmeister abermals von dieser Welt gebannt. Soweit die Geschehnisse bis ins Jahr 1021 nach Bosparans Fall.
Klingt ein wenig nach
Harry Potter? Tatsächlich feilen die DSA-Macher um Chefredakteur Thomas Römer bereits seit vielen Jahren – lange bevor Rowling mit ihren Romanen bekannt wurde – an der komplexen Geschichte um den dunklen Magier Borbarad.
Das Jahr 1032 nach Bosparans Fall
Das Schwarze Auge: Demonicon führt uns ins Jahr 1023 nach Bosparans Fall, also elf Jahre nach dem Untergang Borbarads. Obwohl der Dämonenmeister nicht mehr auf dieser Welt wandelt, ist sein Atem immer noch zu spüren. Die Heptarchen – die engsten Gefolgsleute Borbarads – sind weiterhin sehr aktiv und haben ganze Landstriche Aventuriens unter ihrer Kontrolle gebracht. Die Schwarzen Lande sind kein Ort, an dem der Durchschnittsaventurier seinen Sommerurlaub bucht. Die lange Hand des kaiserlichen Gesetzes reicht nicht hinein in das Reich der Heptarchen. Hier gelten gänzlich andere Regeln: Schwarze Magie und Dämonologie sind weit verbreitete Tugenden, die andernorts geächtet und verfolgt werden.
Unser neu erschaffener Held gehört – Praios sei Dank – nicht in die Welt der Schwarzen Lande. Im behüteten Städtchen Perricum können wir uns zunächst ein wenig umschauen und das aventurische Stadtleben genießen. Der Friede ist allerdings trügerisch. Unsere Geliebte Calendra wird derzeit geplagt von merkwürdigen Albträumen. In diesen sieht sie das brennende Gareth, die Hauptstadt des Mittelreiches. Auch die Krone des Dämonenmeisters spielt eine Rolle in ihren Träumen. Offenbar geschieht etwas Seltsames mit der holden Schönheit, denn plötzlich überschlagen sich die Ereignisse in Perricum. Euer Vater wird von der Stadtgarde in Gewahrsam genommen. Dieser sei offenbar an einem Attentat an just unserer geliebten Calendra und dessen Vater – dem Alchimisten Lowanger – beteiligt gewesen.
Die Meinung des jungen Helden steht schnell fest. Niemals sei der Vater zu so einer Tat fähig gewesen. Es muss also etwas anderes hinter dem Attentat stecken. Welche Rolle spielen Calendras Träume bei der ganzen Angelegenheit? Was hat der angesehene Alchimist mit der ganzen Sache zu schaffen? Mangels weiterer Anhaltspunkte erinnert sich unser Held auch an die Dämonenkrone Borbarads aus den Träumen der Geliebten. Liegt die Wahrheit um die merkwürdigen Vorfälle wirklich in den Schwarzen Landen begraben? Um Vaters Unschuld zu beweisen, macht sich der junge Held kurz entschlossen auf den Weg, hinein in das Reich der dunklen Heptarchen.
Aventurikea – Entdecke die Möglichkeiten
Es ist davon auszugehen, dass dies nur eine der vielen Möglichkeiten sein wird, das Spiel zu beginnen. Denn wie schon bei Biowares
»Dragon Age: Origins beeinflusst die Wahl des eigenen Charakters den weiteren Werdegang des Helden enorm. So wartet die Waldelfe mit einem gänzlich anderen Hintergrund auf als beispielsweise der studierte Magus oder der durchtrainierte Krieger.
Auf jeden Fall dürfen sich Rollenspieler auf einen ausgefeilten Charakterbaukasten freuen. Die Erschaffung der eigenen Spielfigur ist seit jeher eines der Steckenpferde von
Das Schwarze Auge. Die Komplexität der Generierung stellt die meisten Genrevertreter deutlich in den Schatten. Sicherlich wird die Charaktergenerierung nicht 1:1 in das Videospiel übertragen werden. Eine originalgetreue Umsetzung des Regelwerks würde den Spielfluss vor dem Bildschirm sicherlich ein wenig zu sehr hemmen. Dennoch dürfen wir uns wohl über Charaktere freuen, die sich in ihrer Spielweise und Handhabung stark unterscheiden.
Besonders der soziale Aspekt soll in
Das Schwarze Auge: Demonicon eine große Rolle spielen. Je nachdem wie sich euer Held in verschiedenen Situationen verhält, reagieren auch die Einwohner Aventuriens auf euch. Immer wieder gilt es Entscheidungen zu treffen, die eure weitere Karriere als Held beeinflussen. Zwar sind die Informationen diesbezüglich noch sehr rar, wir erwarten jedoch durch die Verästelung der Geschichte einen hohen Wiederspielwert.
Roll the dice
Zu einem guten Rollenspiel gehört in jedem Fall auch ein ausgefeiltes Kampfsystem. Entwickler Silver Style Entertainment hat sich im Falle von
Das Schwarze Auge: Demonicon für eine isometrische Darstellung der Geschehnisse entschieden. Wie in
»Diablo oder
»Sacred steuert ihr eure Spielfigur aus einer seitlich Draufsicht. Ein ebenso kampflastiges Spiel sei aber nicht zu erwarten. Obwohl
Demonicon durchaus viele Actionanteile haben wird, soll es – laut Angaben der Entwickler – nämlich nicht zu einem dauerhaften Gemetzel ausarten. Der Fokus läge eher auf den Rollenspielelementen.
Um die Identifikation mit dem Charakter hoch zu halten, bewegt sich euer Held auch zumeist alleine durch die Weiten von Aventurien. Zwischenzeitlich werden sich aber immer wieder einige Mitstreiter für den einen oder anderen Auftrag finden lassen. Dafür verspricht Silver Style Entertainment aber einen ausgebauten Multiplayermodus, der euch die Geschichte im kooperativen Modus erleben lässt. Bis zu acht Spieler sollen dabei gleichzeitig eine Party gründen können. Wie dies genau ablaufen soll, wollte der Entwickler jedoch noch nicht verraten.
Gleiches gilt für einen genauen Releasetermin. Irgendwann im nächsten Jahr soll
Das Schwarze Auge: Demonicon in den Regalen der Videospielhändler stehen. Fix scheinen aber hingegen wohl bereits die Plattformen zu sein, für die das Spiel veröffentlicht wird. Besitzer eines leistungsstarken PCs oder einer Xbox 360 können sich diesen interessanten Titel wohl bereits schon einmal vormerken.