Natürlich müssen Spieler nach dem Kassenschlager Call of Duty: Modern Warfare 2 nicht lange auf einen neuen Serienteil warten. Schließlich will der Nachfrage Rechnung getragen werden und Konkurrent EA steht mit Medal of Honor schon in den Startlöchern, um Marktanteile abzuluchsen. Diesmal ist Entwickler Treyarch federführend und lädt zu verdeckten Operationen ein.
Der Kalte Krieg ist der neue Zweite Weltkrieg
Ausgangspunkt der Handlung von
Call of Duty: Black Ops ist nicht mehr das übersättigte Zweiter-Weltkrieg-Szenario, sondern der Kalte Krieg. Nachdem nun einige Videospiele diesen Zeitpunkt der Geschichte erfolgreich für sich entdeckt haben, darunter auch
Metal Gear Solid mit
»Snake Eater und
»Peace Walker, scheint das wohl der neue Handlungszeitraum für viele Videospieldrehbuchautoren zu sein. Wer in Geschichte geschlafen hat, dem sei verraten, dass sich in diesen Jahren die amerikanische Großmacht der USA mit der kommunistischen Sowjetunion im Wettrüsten beharkt hat. Zwar drohte der Konflikt z.B. durch die Kuba-Krise und der Stationierung von Raketen gelegentlich auch atomar zu explodieren, aber schließlich wurde die Angelegenheit nie „heiß“ und blieb wie der Name schon verrät zum Glück immer cool. Wir sind schon mal gespannt, inwiefern uns Treyarch unseren Teil dazu beitragen lässt, um die Welt vor der nuklearen Vernichtung zu bewahren. Denn wer dieses Szenario bevorzugt, sollte lieber zu
»Fallout 3 oder
Metro 2033 greifen.
John Rambo meets Sam Fischer
Wer kennt nicht diesen Satz in einschlägigen Action-Filmen, wenn der General unserem Elite-Kommando klar macht, dass der Präsident der freien Welt bei Scheitern der Mission jegliche Kenntnis des Auftrags leugnen wird? So ergeht es uns auch in
Call of Duty: Black Ops, denn Versagen ist keine Option. Doch seid ihr hier auch nicht in bester Serientradition ein Einzelkämpfer wie John Rambo, sondern die Geschichte entfaltet sich gewohnt aus der Perspektive mehrerer Soldaten-Schicksale. Auch steckt viel mehr
Call of Duty drin als der Titel
Black Ops vermuten lässt. Das gezeigte Videomaterial auf der E3 in Los Angeles deutet schon mal auf gelungene Schleicheinlagen mit spannenden Skript-Sequenzen hin, aber es kann auch hemmungslos mit diversen Wummen geballert werden. So schleichen wir uns atmosphärisch mit einem Kameraden im klammen Taschenlampenschein durch einen Tunnel, bis unser Begleiter überraschend durch einen Messerangriff ums Leben kommt. Wir rächen ihn, indem wir gezielte Schüsse aus dem Revolver abgeben, denn schließlich wollte uns der Kamerad nur Anweisungen geben und war für kurze Zeit unaufmerksam.
In den nächsten Szenen hebt der Held mit Granatwerfer bewaffnet eine gegnerische Stellung aus. Lohn der ganzen Mühe ist die Übernahme eines Hubschraubers, den wir natürlich auch fliegen dürfen. Die Entwickler versprechen, dass wir das gewohnt unkompliziert und action-orientiert tun können. Und tatsächlich – der erste Raketeneinsatz gegen Kanonenboote lässt nicht lange auf sich warten. Dabei peitschen uns die Funksprüche unseres Co-Piloten um die Ohren, aber kein typischer Vietnam-Soundtrack im Stile von "Apokalypse Now". Ob sich das Ganze mehr als lineare Ballerrei ohne Steuermöglichkeiten spielen wird oder als frei schwenkbaren Heli-Ausflug, zeigt dann das fertige Produkt. Am 9. November dieses Jahres soll
Call of Duty: Black Ops zum Selbsttest im Laden stehen.
Grafisches Spektakel mit Schleich-Tiefgang?
Grafisch sehen die gezeigten Szenen schon mal Klasse aus. Die Schauplätze in Vietnam sind dicht bewaldet, es ziehen überall skript-gesteuerte Patrouillen durch die Gegend und beim Auswählen eures Granatwerfers bricht dann die Hölle los. Fontänen entstehen, wenn wir im Hind auf das Wasser ballern, pflügen mit Raketenbeschuss Palmen um oder genießen atmosphärische Beleuchtung und Raucheffekte in den Tunneln des Feindes sowie hoch oben im Helikopter. Bei diesem optischen Hochgenuss bin ich guter Dinge, dass es Treyarch auch schaffen wird, das
Call of Duty: Black Ops musikalisch und mit Sound-Effekten passend zu untermalen. Ggf. verzichtet man aber auf Ersteres und setzt auf markige Funksprüche, denn schließlich sind wir verborgen hinter feindlichen Linien im Einsatz und nicht als Fusssoldat der US-Regierung im Dschungel.
Mit Armbrust bewaffnet für den Weltfrieden
Doch nicht nur der Dschungel wartet auf uns, sondern auch die Sowjetunion und Kuba werden als Schauplätze gehandelt. Das nimmt man auch als Anlass, um neue Gameplay-Elemente einzufügen, denn auch das taktische Vorgehen darf nicht zu kurz kommen. So geben wir im tiefsten russischen Winter Befehle aus der Luft an unser Bodenteam, damit sie unbehelligt die feindliche Militärbasis erreichen. Schließlich ist es dann genug der Passivität und wir übernehmen einen der vier Black-Ops-Soldaten am Boden. Mit Armbrust (ja, ihr habt richtig gelesen) und Explopsions-Munition bewaffnet, schleichen wir uns dann in Richtung der möglichen Atomwaffe. Schließlich heißt der Auftrag ja auch „WMD“, also Weapon with Mass Destruction. Angeblich sollen wir solche Einsätze sogar im Ko-Op erleben können und unser sonst stummer Held wird diesmal sogar vertont.
Microsoft will sich Freunde machen
Zum Schluss noch ein Wermutstropfen für alle Nicht-MS-Jünger. Der Xbox-Erfinder hat sich für alle Erweiterungen und Mappacks von
Call of Duty: Black Ops die Exklusiv-Rechte bis Ende 2012 gesichert. Soll heißen, dass alle PC- und PS3-Zocker bis dahin beim Kumpel mit der 360 vorbeischauen müssen, wenn sie in den Genuss neuer Zusatzinhalte kommen wollen. Wer das auf Dauer nicht will, der soll dann wohl zur neuen Generation der Xbox 360-Konsole greifen. Ob sich Microsoft damit Sympathien oder gar neue Marktanteile sichert, bleibt abzuwarten.