Ubisoft hat gerufen - und wir kamen. Nach Düsseldorf, um genau zu sein. Denn dort hatten wir Gelegenheit, das kommende Assassin's Creed 2 anzuspielen. Welche neuen Möglichkeiten euch erwarten und wieviele Kritikpunkte des Erstlings vom Entwicklerteam angegangen worden sind, verraten wir euch in unserem Hands On-Bericht.
Jede Menge Freiheit
Auch in
Assassin's Creed 2 nehmt ihr wieder im "Animus" Platz, um aus eurer DNA die Erinnerungen eurer Vorfahren abzurufen. Diesmal die von Ezio Auditore de Firenze, der zur Zeit der Renaissance in Italien lebte. Anders als sein Vorfahre Altair ist dieser jedoch kein waschechter Assassine, weswegen er sich seine Fähigkeiten und Techniken im Verlauf des Spieles erst aneignen muss. Das ist auf jeden Fall logischer als das Wegnehmen der Waffen und der damit einhergehende Fähigkeitenverlust im ersten Teil.
Zunächst wurden uns einige der neuen Möglichkeiten in
Assassin's Creed 2 vorgeführt. Neben der Tatsache, dass euer Charakter nun schwimmen kann, verfügt er zudem über neue Möglichkeiten der Interaktion mit der Stadtbevölkerung. Konntet ihr mit Altair im ersten Teil nur in bestimmten Gruppen untertauchen, könnt ihr nun innerhalb jeder Menschenansammlung untertauchen. Das geschieht vollautomatisch - sobald ihr nahe genug an der Meute dran seid, erkennt ihr durch ein Glitzern, dass ihr nun untergetaucht seid. Allerdings müsst ihr euch dann auch mit den Leuten mitbewegen, um nicht wieder aus der Gruppe herauszufallen. Ihre Marschrichtung könnt ihr dabei nicht bestimmen. Anders sieht es aus, wenn ihr euch die Hilfe einer der drei Fraktionen im Spiel sichert. Wenn ihr zwischen diesen untergetaucht seid, könnt ihr selbst bestimmen, welchen Weg eure Gruppe nimmt.
Manchmal ist es aber auch sinnvoll, von euch abzulenken - auch hier haben die Jungs von Ubisoft Montreal einige neue Features in petto: Wollt ihr in
Assassin's Creed 2 an Wachen vorbei, könnt ihr schnell eine mit euch befreundete Fraktion herbeirufen und diese zur Ablenkung auf die Wachen ansetzen. So betören die Kurtisanen euer menschliches Hindernis, während ihr schnell und unbemerkt vorbeischlüpft. Auch könnt ihr jetzt Kleingeld durch die Gegend werfen, auf dass sich die Menschen dann gierig stürzen. Was uns besonders beeindruckt hat, war die Wechselwirkung zwischen einer vergifteten Person, die panisch um sich schlug und den Bürgern, die das Geld einsammeln wollten. So bemerkte zunächst niemand den vergifteten Passanten, und als sie es taten, bildete sich eine Menschentraube mit einigem Abstand zu dem wild um sich Schlagenden. Sehr überzeugend und glaubwürdig. Hätte es sich bei dieser Person um eine Wache mit einer Waffe gehandelt, wäre es für viele wohl weit weniger glimpflich ausgegangen.
Wanted - Dead or Alive
Auch neu ist das "Fahndungssystem" in
Assassin's Creed 2. Wenn ihr nicht vorsichtig genug seid und bei einem Mord entdeckt werdet, steigt eure Bekanntheit bei den Wachen. Am oberen linken Bildschirmrand habt ihr eine Anzeige, wieviele Wachen euch erkennen, wenn ihr sie passiert. Je mehr ihr auffallt, desto größer ist die Gefahr, bei einem Anschlag aufzufliegen. Um das zu verhindern, müsst ihr in der Stadt aufgehängte Fahndungsplakate abreißen. Auf eurer Karte sind diese eingezeichnet. Dort findet ihr übrigens auch die Händler der Stadt wieder. Bei diesen kann sich Ezio mit Ausrüstungsgegenständen, wie den Rauchbomben oder Wurfmessern, eindecken. Auch Kleidung kann erworben werden. Und diese bieten jede Menge Funktionalität: So könnt ihr Gürtel mit Platz für mehr Rauchbomben kaufen oder stärkere Rüstungen, die euch allerdings dann auch wieder langsamer machen. Ob sich die Helligkeit der Kleidung auf die Sichtbarkeit für die Wachen auswirkt, konnte oder wollte man uns allerdings nicht verraten.
Schweigen ist das richtige Stichwort: Gerne wird seitens Ubisoft das Wirtschaftssystem in
Assassin's Creed 2 erwähnt. Klar ist, dass ihr für erledigte Aufgaben Geld erhaltet. Andere Einnahmequellen sind derzeit nicht bekannt. Denkbar wäre Taschendiebstahl und dergleichen. Während der Präsentation gab es jedoch zweimal ein Aufploppen der Meldung, dass man Geld verdient habe - warum und wieso, wollte oder konnte man uns nicht sagen. Auch ein Nachhaken führte nur zu weiterem Schweigen und Schulterzucken. Wir vermuten, dass es sich hierbei um einen Teil des Wirtschaftssystems handelt, der es euch erlaubt, eventuell Geschäfte, Händler oder Banken zu besitzen, um so immer mal wieder Geld in die Kasse zu spülen. Das würde auch durchaus in das Szenario passen.
Mal selber Hand anlegen
Nachdem ich das Pad überreicht bekommen hatte, musste ich zunächst mal die Parcour-Möglichkeiten von
Assassin's Creed 2 antesten. Ezio ist recht agil unterwegs und die Möglichkeiten, durch die Stadt zu sprinten, sind wirklich enorm. Nicht nur über die Dächer, sondern auch über Balkone geht die Rennerei. Fluchtmöglichkeiten gibt es also schonmal einige. Teilweise geht es, an Ketten schwingend, sogar um Ecken herum. Danach wurde das Kampfsystem an einer patroulierenden Wache ausprobiert - und der flüssige Ablauf ist wirklich beeindruckend. Die erste Wache kriegt unsere Hidden Blade zu spüren, während zwei weitere auf uns zukommen. Ein Aufpasser holt mit dem Schwert zum Schlag aus, Ezio kontert, entreisst dem verdutzten Posten das Schwert und sticht zu. Auch die verbleibende Person bekommt es mit dem Schwert zu tun und ist schnell erledigt. Als weitere Leute auf das Geschehen aufmerksam werden, wird die Flucht ergriffen. Der Wechsel zwischen den eigenen Waffen, der Nutzung von gegnerischen Waffen und dem Freerunning-System läuft sehr intuitiv ab, eine Umstellung ist nicht nötig. Alles geht nahtlos ineinander über und funktioniert prächtig.
Die Missionsstruktur wurde ebenfalls gründlich überarbeitet: Statt des ewig-gleichen Ablaufs aus Informationsbeschaffung und Attentat bekommt ihr nun, ähnlich wie in der
Grand Theft Auto-Reihe eure Aufträge von unterschiedlichen Auftraggebern. So bekamen wir unsere Beispiel-Mission von der Diebesgilde. Hierbei haben wir auch gleich Bekanntschaft mit dem neuen Dialogsystem gemacht. Während ihr nämlich euren Auftrag erhaltet, müsst ihr das Gespräch am Laufen halten. Dazu erscheinen immer mal wieder Tasten, die ihr drücken müsst; manchmal auch eine von mehreren zur Wahl stehenden Antwormöglichkeiten, wenn ihr eine Entscheidung fällen müsst. Entsprechend eurer Entscheidung reagiert dann später euer Auftraggeber auf euch. Wir jedenfalls sind gnadenlos gescheitert - da nicht drauf vorbereitet gewesen - und das Gespräch wurde an der Stelle abgebrochen. Der Auftrag war dennoch angenommen, wenigstens etwas.
Die Mission bestand dann aus zwei Teilen: Im ersten mussten wir auf den Dächern Bogenschützen ausschalten, damit diese durch Leute der Diebesgilde ersetzt werden konnten. Der zweite Teil war dann das eigentliche Attentat. Das ging sogar recht schnell: Über die Dächer zum Ziel und dieses erledigt. Danach war die Mission auch schon abgeschlossen. Eine Flucht war nicht nötig, da an diesem Punkt die Schützen der Diebesgilde übernommen haben. Es scheint sich also zu lohnen, sich die Hilfe der einzelnen Fraktionen zu sichern. Spätere Missionen sollen jedoch um einiges schwieriger und komplexer zu bewerkstelligen sein als diese Beispielmission - hoffen wir es, denn im Grunde konnten wir unser Ziel ohne jede Gegenwehr erledigen und kamen sogar um eine elegante Flucht herum. Wäre schade, wenn das immer so leicht möglich wäre...