2002 musste Sam Fisher in Splinter Cell seinen ersten Einsatz bestehen. Seinerzeit phänomenale Grafik und ein super funktionierendes Gameplay brachten dem Schleichspiel Traum-Wertungen ein. Die Nachfolger konnten diesen Erfolg zwar nie so recht toppen, kamen ihm aber doch meist recht nahe. Im Gameplay gab es über die Jahre nur wenige Änderungen, die Grafik wurde mit der Zeit noch besser. Nun macht sich Sam Fisher erneut auf in die Dunkelheit.
Bruch mit Traditionen
Dass Sam Fisher sich verändert hat, wird bereits bei einer Demonstration des Spieles im Jahr 2007 offensichtlich. Dort sah man ihn noch als langhaariges, heruntergekommenes Wrack durch die Stadt taumeln. Aber schon dabei zeigte sich: Nicht nur Sam, sondern auch das Spiel selbst wird sich verändern. Es kam viel auf Interaktion mit den Menschen um Sam herum an, er kämpfte direkter; nutzte weniger seine technischen Gadgets als mehr seine reine Körperkraft. Und dann wurde es still um
Splinter Cell: Conviction...
Bis zur E3 2009, genauer: Der Microsoft-Pressekonferenz. Erstmals gab es eine Demonstration des Spieles - und alles war anders, als es 2007 noch den Anschein hatte. Ubisoft hat die Zeit genutzt und das Spiel von Grund auf neu entwickelt. Selten genug, dass ein bereits angekündigtes und dann vergrabenes Spiel mit einem solchen Paukenschlag zurück auf die Bühne kommt - statt komplett eingestellt zu werden.
Third Echelon?
Zu Beginn von
Splinter Cell: Double Agent wurde Sam Fisher von einem Auftrag zurückgezogen. Der Grund: Seine Tochter war bei einem Verkehrsunfall gestorben und er vorerst vom Dienst suspensiert, um das Unglück verarbeiten zu können. Doch mit dem Rumsitzen kam er nicht zurecht und bat um einen neuen Auftrag, um zu vergessen. Diese Mission war eine Gratwanderung: Immer zwischen Terroristen und Third Echelon; das Vertrauen beider Parteien mit gegensätzlichen Zielen zu erhalten ein Drahtseilakt. Nun ist Sam Fisher wieder auf der Jagd, allerdings nicht mehr für seinen ehemaligen Auftraggeber Third Echelon. Diesmal ist es persönlicher, denn Sam hat Hinweise erhalten, dass das Unglück, bei dem seine Tochter starb, kein Unfall gewesen ist. Und dieser Spur geht er nach... sie führt ihn zurück, direkt zu Third Echelon.
Diesmal ist es Sam Fisher also auf sich alleine gestellt und folgt seinen eigenen Zielen. Hier zeigt sich dann auch direkt der erste neue Ansatz: Die "Einsatzorte" von Sam sind, wie in der erfolgreichen
Hitman-Reihe, frei erkundbar. Ihr könnt also erstmal die Gegend inspizieren und euch einen Plan zurechtlegen, wie ihr weiterkommen wollt. Die Gedanken von Sam manifestieren sich dabei in Form von Schriftzügen auf Wänden oder Böden - statt dröger Textmeldungen (siehe
»dritter Screenshot).
Alte und neue Moves
Bei der Infiltration der Gebäude kommen Sams alte Fähigkeiten wieder zum Tragen. Er schleicht durch die Dunkelheit und erklettert Fassaden, um seine Gegner zu überraschen. Was auffällt: Er bewegt sich im neuesten Teil um einiges agiler und schneller als noch in den Vorgängern. Und er hat dazugelernt: Mit der Funktion "Mark & Execute" (
"markieren und ausführen") kann er mehrere Gegner zum Beispiel aus einem Versteck heraus "markieren" und mit dem "Ausführen"-Befehl dann schnell zur Strecke bringen. Diese Fähigkeit steht aber nicht unbegrenzt zur Verfügung, Sam muss sie durch das normale Ausschalten von Feinden quasi "aufladen". Eine andere interessante Neuerung ist "Last known position" (
"Letzte bekannte Position"). Damit werdet ihr darüber informiert, wo seine Feinde Sam das letzte mal gesehen. So kann er sich verstecken und warten, bis seine Gegenspieler dort nach ihm suchen, um dann schnell zuzuschlagen. Die Entwickler versprechen aber noch weitere neue Tricks.
Die Zwischensequenzen strotzen nur so vor Gewalt. Sam will die Mörder seiner Tochter um jeden Preis in die Finger kriegen und schreckt dabei vor nichts zurück. Und ihr als Spieler seid dabei immer mittendrin - viele der Sequenzen erforden euer Eingreifen an bestimmten Stellen, um so eure Feinde zu verhören. Das gab es schon beim
Punisher, aber auch in einfacherer Form (Sam hielt den Gegner fest und schlug auf Knopfdruck mal kurz zu) in früheren
Splinter Cell-Teilen. Hier geht der Elite-Agent aber mit ungewohnter Härte vor, was ihn um einiges glaubwürdiger macht. Die Szenen wirken filmischer, dynamischer... und das zeigt die Emotion, mit der Sam hier bei der Sache ist, sehr deutlich.
Mehr für Agenten, mehr fürs Auge
Auch der Multiplayer-Modus der früheren Teile soll wieder mit dabei sein. Fans dürfen sich zudem auf einige neue Mehrspieler-Varianten freuen.
Die Abenteuer von Sam Fisher waren schon immer eine Augenweide, hier wird nun mit der heutigen Power von Xbox 360 und PC nochmal eine ordentliche Schippe zugelegt. Sofern man das anhand des bislang gesehenen Materials beurteilen kann, erwartet uns also eine detailreiche Welt mit vielen Handlungsmöglichkeiten. Aber es gilt, skeptisch zu bleiben - schon bei früheren Teilen wurden aus diesen "unzähligen Möglichkeiten" zwei bis drei fest vorgegebene Lösungswege. Wir sind aber, nach allem was wir gesehen haben, zuversichtlich.
Splinter Cell: Conviction soll im Herbst 2009 für Xbox 360 und den PC erscheinen. Eine PlayStation 3-Version schloß man bei Ubisoft schon vor Jahren aus, man wolle sich voll und ganz auf eine Plattform konzentrieren. Dass eventuell doch noch eine Portierung für Sonys schwarze Kiste kommen wird, halten wir zwar nicht für ausgeschlossen, aber auch nicht unbedingt für wünschenswert. Portierungen sind häufig unangepasst an das jeweilige System und somit eher unbefriedigend. Wir hoffen daher, dass Ubisoft erstmal alle Kraft in die Xbox 360- und die PC-Version steckt.