Im September dieses Jahres geht das nächste „Need for Speed“ an die Startlinie. Mit einem neuen Entwicklerteam, einer anderen Ausrichtung und moderner Hochglanzoptik macht der Beiname „Shift“ nicht nur auf eine manuelle Ausführung beim Rennfahren aufmerksam. Nein, er steht auch für einen radikalen Kurswechsel, konkret: einen Bruch mit allen als klassisch für „Need for Speed“ erachteten Elementen. Konnte „»Pro Street“ mit einer Verschiebung in Richtung Simulation nach dem wieder erwartungskonformen „»Undercover“ rückblickend als Ausrutscher innerhalb der Reihe interpretiert werden, erscheint es nun zum Teil als Prototyp einer neuen Ära. Mit der Ankündigung von „Need for Speed: Shift“ für den PC und die NextGen-Konsolen und der Veröffentlichung der ersten beeindruckenden Screenshots offenbarte EA den neuen simulations- und rennsportorientierten Ansatz des Spiels. Ein qualitatives Schwächeln der Racing-Reihe aufgrund von Inspirationslosigkeit und grafischer Degeneration ist spätestens nach „»Most Wanted“ nicht mehr zu leugnen gewesen. Wird „Shift“ „Need for Speed“ nur äußerlich ein neues Gesicht geben oder auch alte innere Stärken wieder aufleben lassen können? Wir haben für euch die bisherigen Informationen zum potenziellen Toptitel recherchiert und in einer ausführlichen Vorschau zusammengetragen.
Neue Wege
Nachdem „
»Need for Speed: Undercover“ zuletzt bei Presse und Fans nicht sonderlich gut ankam, dachte EA zuerst daran, die Serie einzustellen. Doch dann verkündete man im vergangenen Januar eine dreigleisige Fortsetzung der einstigen Vorzeige-Marke: Neben einem klassischen Arcade-Titel („Need for Speed: Nitro“) für Nintendo Wii und DS und einem kostenlosen Online-Rennspiel mit Bezahl-Content („Need for Speed: World Online“) soll „Shift“ für die NextGen-Konsolen, den PC und die PSP ein realistischeres „Need for Speed“ bieten. Vom Grundkonzept bis zur Grafikengine ist alles neu - und das scheint auch nötig zu sein. Die Rennspielserie hatte die letzten Jahre Probleme, ihre Spur zu finden, und kurze Entwicklungszeiten (jedes Jahr ein neues Produkt) haben verhindert, dass sich der Spielspaß der früheren Jahre wieder entfesselte. Die verschiedenen Plattformvarianten von „Shift“ werden zurzeit parallel entwickelt und man verspricht uns für die Xbox 360, die PS3 und den PC identisch aussehende Versionen.
Neuer Entwickler
Statt „Shift“ intern zu produzieren (bisher von
Black Box), wandte sich EA erstmals in der NFS-Historie an einen Auftragsentwickler, namentlich die
Slightly Mad Studios in London, die sich aus dem früheren
Blimey! Games Ltd. formiert haben und alle ehemals dort angestellten Mitarbeiter übernahmen. Einige der Jungs steckten dabei bereits hinter den GTR-Spielen auf dem PC (eine viel gepriesene Reihe), die von den Schweden
SimBin entwickelt wurde. Vor einigen Wochen machte
Slightly Mad im Zusammenhang mit rechtlichen Querelen auf sich aufmerksam. Ausschlaggebend war wohl die Erwähnung von „
»GTR2“ und „GT Legends“ im Zusammenhang mit dem Londoner Studio im Rahmen der Promotion von „Shift“. De facto waren viele der Mitarbeiter von
Slightly Mad an der Entwicklung jener Titel beteiligt. Die entsprechenden Spiele werden zwar auch auf der offiziellen Website des Studios mit Screenshots aufgeführt, allerdings nicht ohne einen Hinweis auf das Copyright des Herausgebers und der Entwickler.
Neue Technik
Kommen wir nach diesem Vorgeplänkel zum eigentlichen Spiel. EA löst die in „Need for Speed: Undercover“ bereits unbestreitbar antiquiert wirkende „Most Wanted“-Engine mit der von
Slightley Mad eigens entwickelten Technik ab. An Physik-, Architektur- und Grafikengine arbeitet das Team seit ca. zwei Jahren. Letztere soll alle modernen Grafikeffekte beherrschen wie
HDR,
Soft Shadows, Rauchentwicklung und setzt durch sehr hoch aufgelöste Asphalt-Texturen, dreidimensionales Gras sowie aufwändige Beleuchtung Strecke und Autos mehr als ansehnlich in Szene. Schon bei „GTR2“ und „GTR Evolution“ konnten sich Simulationsfans an fast fotorealistischen Autos, atmosphärischen Wettereffekten und 3D-Cockpits erfreuen – nur die Strecken wurden für ihre verhältnismäßige Kargheit gerügt. Trotzdem dürfen wir uns also von einem durchaus bewährten und erfahrenen Entwicklerteam technisch für „Shift“ einiges erwarten.
Neue Strecken
Genau wie schon bei „Pro Street“ wird es auch bei „Shift“ keine offene Stadt oder Nachtfahrten mehr geben. Lizenzierte Pisten wie die englische
Brands Hatch oder abgesperrte Stadtkurse unter anderem in London treten an ihre Stelle. Insgesamt sollen etwa 16 real existierende und fiktive Strecken den Weg ins Spiel finden. Ob darunter z.B. auch die Nordschleife des Nürburgrings befahrbar sein wird, ist leider noch nicht bestätigt. Pitstops auf den Kursen sind nach letzten Informationen nicht geplant, dafür darf aber wieder gedriftet werden. Neben der Strecke soll mit Fahnenschwenkern und jubelnden Fans einiges los sein, wovon auf den ersten öffentlichen Videos jedoch nur wenig zu erkennen ist.
Neue Autos
Mit „Shift“ werden die aus den Vorgängern bekannten und – zumindest zu Beginn noch – straßenverkehrsamtstauglichen Karren auf den Schrottplatz geschickt und durch von vornherein PS-starke, gestählte Rennwagen (die übrigens keine Boliden sind, wie meine schreibenden Kollegen oft nachlässigerweise behaupten) ersetzt. Eine konkrete Fahrzeugzahl ist zwar noch nicht bekannt, man plane bislang aber etwa 70 Fahrzeuge zu integrieren. Von denen sind bisher der
Porsche 911 GT2,
Porsche Cayman,
Pagani Zonda F,
Lotus Elise 111R,
Tenzo R 350Z,
Shelby Terelingua,
Audi RS4 und die
Corvette Z06 als lizenzierte Traummaschinen, die das Spiel enthalten wird, durchgesickert. Die Fahrzeuge, die wir auf den Screenshots zum Spiel bestaunen können, sehen dank hoher Polygonzahl, Auflösung und aufwendiger Lichtreflexion fantastisch aus und kommen optisch ihren realen Pendants sehr nahe. Abseits der brillanten Grafik vermitteln
»Trailer und
»Gameplay-Clips daneben bereits einen Eindruck über den exzellenten Motorensound der Rennwagen und des packenden Geschwindigkeitsgefühls.
Ein neues Fahrerlebnis
Der Ende März erschienene Trailer zum Spiel (s. Links - Downloads) zeigt, wie in der neuen, sehr realistisch aussehenden Cockpit-Ansicht von „Shift“, in der stufenlos geschwenkt werden kann, die Kamera den g-Kräften folgt und bei Crashs mit anderen Fahrzeugen oder der Bande die Sicht verschwimmt. Dies soll für kurzfristige realitätsnahe und heftige Desorientierung beim Fahrer sorgen. Der Pilot selbst ist bei seiner Steuerung des Fahrzeugs animiert. Durch diese Simulation des Geschehens in der Fahrgastzelle intensivieren die Entwickler nicht nur das Gefühl, als Spieler lebensecht ins Geschehen eingebunden zu sein, sondern wollen ihn auch förmlich spüren lassen, wie viel Kraft unter der Haube seines Wagens steckt.
„Bei NfS: Shift steht der Spieler als Fahrer im Mittelpunkt, daher sind uns das Fahrgefühl und eine wirklichkeitsnahe Fahrphysik sowie Optik besonders wichtig“, erklärte diesbezüglich eine Produzentin bei einer Presseveranstaltung. Die erwähnte Fahrphysik soll jede Unebenheit der Fahrbahn und jede Berührung unter den Fahrzeugen spürbar an den Spieler übertragen. Ab Tempo 200 und mit steigendem Adrenalinspiegel des Fahrers verwischen Cockpit- und Streckengrafik zunehmend und eine Art Tunnelblick stellt sich ein. Selbstredend ist auch ein Schadensmodell in das Spiel integriert, das jedoch wohl nicht mit dem eines „
»Race Driver GRID“ oder „Colin McRae Rally“ zu vergleichen sein wird. Zwar soll sich Blech verziehen, Spoiler sowie Motorhauben abfallen und Scheiben zerbrechen, das Fahrverhalten davon aber weitgehend unangetastet bleiben.
„Wir setzen auf Spielspaß statt auf überzogenen Realismus“, begründen die Produzenten diese Entscheidung. Um Frust zu vermeiden, solle nach einem Unfall keiner ein Rennen neu starten müssen. Man wolle außerdem nicht in direkte Konkurrenz zu Sonys „Gran Turismo“ treten, ließ ein EA-Sprecher kürzlich verlauten, das mit dem fünften Teil ja nun auch endlich ein Schadensmodell spendiert bekommt. Leichte Auswirkungen auf das Fahrverhalten wie abnehmende Beschleunigungskraft und eingeschränkte Lenkwirkung nach Remplern und Crashs sollen bei „Shift“ dennoch wahrnehmbar sein. Doch ist das Schadensmodell auch komplett abschaltbar und Fahrhilfen wie
ASR,
ABS und ein Automatikgetriebe können aktiviert werden. Auch die aus „Forza Motorsport“ und „GTR 2“ bekannte
dynamic racing line, die durch unterschiedliche Farben zeigt, wann man bremsen oder Gas geben sollte und ebenfalls auf den Gameplay-Videos (s. Links - Downloads) zu sehen ist, kann helfend dazugeschaltet werden.
Kontrahenten und Anpassungen
Die bis zu 15 Konkurrenten, mit denen man über die Strecken heizt, folgen nicht stur der Ideallinie, sondern verstricken sich auch in Fahrfehler, agieren mitunter aggressiv und vor allem individuell. Es ist von verschiedenen Fahrertypen die Rede, die auch durchaus nachtragend sein sollen. Im Mehrspielermodus sollen bis zu 16 Spieler gegeneinander antreten dürfen. Näheres über das Onlinespiel und den Aufbau des Karrieremodus hat EA noch nicht bekannt gegeben. Über die Anpassung der Fahrzeuge (z.B. Tuning) ist bisher der aus den Vorgängern geläufige Nitroantrieb als spezifisches Performance-Upgrade bestätigt worden. Das Tuning im Allgemeinen soll aber eher an den professionellen Rennsport angelehnt sein und nicht als reines Actionelement verstanden werden. Individuelle Wagenanpassungen sollen vor jedem Renn- oder Driftevent vorgenommen werden können und seien umfangreicher als je zuvor.
Termin und Demo
Der Europa-Release des Games war bisher offiziell für den 17.09.2009 angekündigt. Amazon.de und die EA-Releaseliste für Deutschland listen den Titel mittlerweile mit einer Woche Verspätung, also für den 24.09. Noch scheinen wir jedenfalls von Ende September dieses Jahres ausgehen zu dürfen. Eine Demo soll etwa einen Monat vor Veröffentlichung des Spiels erscheinen, also im Spätsommer. Ob diese auf allen drei Plattformen – PC, PS3 und Xbox 360 – erscheinen wird, ist noch nicht bekannt. Da „Shift“ unter EAs E3-LineUp ist, erwarten wir uns spätestens im Juni neue Eindrücke und Informationen zum Spiel.
Ich bin jedenfalls gespannt und freue mich darauf, bald selbst ans Steuer von „Need for Speed: Shift“ zu dürfen.