Neulich auf dem Dachboden: Planlos streune ich über die knarrenden Balken. In der hintersten Ecke entdecke ich eine verheißungsvolle Schatztruhe, die seit mindestens einer Dekade nicht mehr geöffnet wurde. Nach einem todesmutigen Kampf gegen eine monströse Spinne und dem Entfernen ihrer vertrockneten Opfer, liegt das Kleinod aus den 80er Jahren vor mir. Mit zittrigen Händen klappe ich den Pappkarton auf. Skeptisch betrachte ich das schmucklose Design des Gerätes. Brotkasten - so nannten wir ihn damals liebevoll. Auch das klobige Diskettenlaufwerk liegt noch unversehrt in der Kiste, nebst einem ganzen Kasten voller Disketten. Sogleich kommen sie hoch, die Erinnerungen an die fantastische Zeit der 8 Bit-Computer. Neugierde geweckt? Dann kommt mit auf eine Zeitreise in die 80er Jahre - die großartige Zeit des C64!
Die frühen Jahre der Heimcomputerära sind unweigerlich mit der Firma Commodore verknüpft, die neben Apple als Wegbereiter der häuslichen Rechenknechte gilt. Die Wurzeln der Firma gehen bis ins Jahr 1954 zurück. Zu dieser Zeit verschwendete Gründer Jack Tramiel noch keinen Gedanken an den Vertrieb von Heimcomputern. Commodore verdiente sein Geld vielmehr mit der Produktion von Schreibmaschinen und Taschenrechnern. Erst 1977 erweiterte Tramiel das Portfolio seiner Firma und stellte den PET 2001, den ersten Commodore Heimcomputer, der Öffentlichkeit vor. Der Erfolg gab dem Computerpionier Recht und schon bald schob Commodore einen weiteren Rechner nach. Der VC20 erschien 1981 mit veralteter Technik, aber günstigem Preis. Schon für etwa 300 $ war das Gerät, das auf eine 6502 CPU setzte, zu haben. Commodore konnte insgesamt respektable 2,5 Millionen Geräte verkaufen. Die Spiele, von denen etwa 200 Stück erschienen, gelangten via Datasette in den Speicher des Rechners. Um ein Programm zu starten, musste der User entsprechend erst an die richtige Stelle spulen, bevor er endlich loslegen konnte.
Die Erfolgsgeschichte des C64 beginnt
1982 ist es dann soweit. Commodore präsentiert den C64 der breiten Öffentlichkeit. Aufgrund der starken Konkurrenz durch den Apple II und des Atari 800, zeigte sich die Branche dem Gerät zunächst skeptisch gegenüber, auch wegen dem stolzen Startpreis von 1400 DM. Insbesondere die gute Programmierbarkeit des C64 ließ jedoch viele Entwickler auf den Commodore Computer umsteigen. Das üppige Spieleangebot erwies sich dabei als Zugpferd für den Rechner und der C64 entwickelte eine besondere Dynamik. Es dauerte nicht lange und der C64 hatte seine Konkurrenten aus dem Hause Apple und Atari überholt.
Auf der technischen Seite verwendete Commodore eine 6510 CPU mit einer Taktung von 0,98 MHz. Dieser wurde jedoch durch den MOS656x – einem Coprozessor für die grafische Darstellung – entlastet. Ganze 16 Farben konnte das Gerät gleichzeitig darstellen und in einer Auflösung von 160 x 200 Pixeln auf den Bildschirm zaubern. Damit hob sich der C64 jedoch nur unwesentlich etwa vom Atari 800 ab, der ähnliche Leistungen abliefern konnte.
Seine Überlegenheit zeigte der C64 hingegen in Sachen Akustik. So hatte der Computer einen eigenen Tongenerator, den SID 6581, der dreistimmige Melodien erlaubte. Dieser ermöglichte auch die bahnbrechende Sprachausgabe in
Impossible Mission: „Oh, another visitor! Stay a while! Stay forever!“ Was heute den Spielern kaum noch ein müdes Lächeln abringt, hinterließ in den 80er Jahren offene Münder.
Peripherie
Wer sich für den Kauf eines C64 entschied, stand als nächstes unweigerlich vor der Frage nach dem gewünschten Medium. Kassette oder Diskette? War ein Datasettenlaufwerk für wenige DM zu haben, schlug das klobige externe Diskettenlaufwerk 1541 zu Beginn noch mit 1000 DM zu Buche. So durfte der zahlungskräftige Erstkunde für einen C64 mitsamt Diskettenlaufwerk schon einmal 2500 DM auf den Tisch legen. Früher oder später kam der C64-Besitzer jedoch ohnehin nicht um den Kauf eines Diskettenlaufwerks herum. Zu gering war das Angebot an hochklassiger Software auf Kassette. Ein Großteil der Entwickler verkauften ihre Programme und Spiele nur auf Disketten, die bis zu 170 KB an Daten fassen konnten. Diese Kapazität war in den frühen 80er Jahren meist noch ausreichend. Später erschienen jedoch immer mehr Spiele auf mehreren Disketten.
Als Eingabegeräte dienten dem C64 insbesondere die Joysticks. Zwar gab es für das Gerät auch eine Maus, die jedoch kaum Beachtung fand. Ebenfalls zu den Exoten zählten Lightgun, Paddle (ein analoger Drehregler für Spiele wie Pong) oder ein Lichtgriffel, mit dem man direkt auf dem Bildschirm schreiben konnte. Da diese allesamt zu vernachlässigen sind, konzentrieren wir uns an dieser Stelle lieber auf die Joysticks. Interessanterweise verwendete Commodore die gleichen neunpoligen Anschlüsse, die Atari seinerzeit schon im VCS2600 einbaute. So konnten alle Joysticks zwischen den beiden Konkurrenzprodukten beliebig ausgetauscht werden. Was damals selbstverständlich war, gilt heute als nahezu undenkbar. Man stelle sich nur vor, ein Wii-Spiel mit dem Xbox360-Controller zu steuern.
Zu den beliebtesten Steuerknüppeln zählte der „Competition Pro“, dessen Mikroschalter im Vergleich zu Konkurrenzprodukten recht robust waren. Wer erinnert sich nicht an die Joystick-Killer wie
Decathlon, die so manchen Stick über den Jordan schickten? Zudem gab der Joystick ein gutes akustisches und haptisches Feedback an den Spieler, was sich bei vielen Spielen als hilfreich erwies. Der erste Stick der Serie erschien 1986 und kostete 49 DM. Spätere Versionen des Gerätes brachten weitere Verbesserung, wie etwa das Hinzufügen einer Dauerfeuer-Option.
Hauptkonkurrenten des „Competition Pro“ waren die Joysticks aus der „Quickshot“-Reihe, die schon ab 1982 – also zum Launch des C64 – erhältlich waren. Zwar waren die Geräte aus der Serie längst nicht so robust wie der „Competition Pro“, bestachen aber durch einen sehr günstigen Preis. Schon für unter 20 DM konnte man einen Quickshot-Joystick erwerben. Zudem zeichneten sich die Geräte durch eine gute Anordnung der Feuerknöpfe und eine Dauerfeuerfunktion aus.
Die meisten Joysticks für den C64 besaßen mehrere Feuerknöpfe, die jedoch allesamt dieselbe Funktion übernahmen. Eine Belegung mit unterschiedlichen Funktionen – wie etwa A zum Hüpfen und B zu Schießen – war nicht möglich.
Hard Facts
Knapp 30 Jahre nach dem Launch ist der C64 auch heute noch der meistverkaufte Heimcomputer aller Zeiten und steht damit im Guinness Buch der Rekorde. 30 Millionen Geräte konnte Commodore von dem Gerät absetzen. Auch die Zahl der Spiele für den Brotkasten ist beeindruckend. Satte 2000 Spiele erschienen im Zeitraum von 1982 bis 1994 für den C64, was einem Lebenszyklus von 12 Jahren entspricht. Ein Wert, von dem die meisten Konsolenhersteller heute nur träumen dürfen.
Ausblick
Aufgrund der Komplexität des Themas „C64“ haben wir uns entschlossen, den Bericht in mehrere Teile aufzusplitten. Während sich der erste Teil mit der Geschichte und der Hardware des Geräts beschäftigt, kommen wir im zweiten Teil dann auch endlich zu den Spielen. Auch hier werden wir sicherlich kein vollständiges lexikalisches Nachschlagewerk veröffentlichen, sondern nur einen Auszug aus der riesigen Softwareauswahl des C64. Im
»Forum nehmen wir eure Anregungen und Ideen zur weiteren Gestaltung des Specials gerne entgegen. Welche Spiele sind euch in bleibender Erinnerung geblieben? Was waren die größten Highlights auf dem C64? Eure Mithilfe ist gefragt!