“Resident Evil“ gilt für viele als der Begründer des Survival-Horrors. Dies ist zwar faktisch falsch, doch man kann die japanische Spielereihe zweifellos als Initialzündung zur Verbreitung des Schreckens in Videospielen ansehen. In unserer History beleuchten wir den Werdegang der populären Zombiehatz.
Nicht neu, aber besser
Der spielbare Alptraum nahm am 22. März 1996 seinen Anfang. Der japanische Spieleentwickler Capcom veröffentlichte „Biohazard“ im Heimatland. Aus fixen Kamerawinkeln steuert ihr eure Figur durch die zombieverseuchte Spielwelt. Die Kombination aus 3D-Objekten und vorgerenderten Hintergründen bestimmt die Optik. Neu war dieses Rezept allerdings nicht. Bereits vier Jahre zuvor brachte der französische Entwickler Infogrames
»Alone in the Dark heraus, das einen Großteil der aus „Resident Evil“ bekannten Spielelemente bot. In puncto Inszenierung kann der Survival-Horror-Pionier den „Resident Evil“-Spielen aber nicht das Wasser reichen, denn hier trachten euch eindeutig erkennbare Zombies statt abstrakter Polygonhaufen nach dem Leben.
Haus des Schreckens
In „Resident Evil 1“, einem der erfolgreichsten Playstation-Spiele, übernehmt ihr die Rolle von Jill Valentine oder Chris Redfield - im Übrigen auch Protagonist von
»Resident Evil 5. Als Mitglied der Alpha-Squad des S.T.A.R.S.-Teams begebt ihr euch auf die Suche nach dem verschollenen Bravo-Squad. In einem riesigen Herrenhaus samt unterirdischem Labor stoßt ihr auf die Ursache für die herumschlurfenden Zombies: Der Pharmakonzern Umbrella entwickelt nicht nur Kopfschmerztabletten, sondern betreibt auch Biowaffenforschung. Zur Züchtung eines Superkriegers schreckt der Konzern auch nicht vor Genmanipulation durch Viren zurück. Der freigesetzte T-Virus hat die gesamte Belegschaft in hirntote, menschenfleischfressende Monster verwandelt.
Stadt der Toten
Knapp zwei Jahre später erschien „Resident Evil 2“, das von vielen Fans als bester Teil der Serie angesehen wird. „Resident Evil 2“ spielt zwei Monate nach den Ereignissen des Vorgängers. Der GAU ist eingetreten: Der Virus hat die Laborhallen der Umbrella Corporation verlassen und die Bevölkerung von Raccoon City infiziert. Wie schon im ersten Teil habt ihr die Wahl zwischen zwei Charakteren: Entweder entscheidet ihr euch für den Polizisten Leon Scott Kennedy oder Chris Redfields Schwester Claire. Spielerische Neuerung gegenüber dem Vorgänger sind die sichtbaren Verletzungen des Hauptcharakters. Seid ihr zum Beispiel schwer verletzt, könnt ihr nur noch humpeln. Außerdem übernehmt ihr in wenigen Abschnitten kurzzeitig die Kontrolle über andere Charaktere, namentlich Ada Wong bzw. Sherry Birkin.
Insel der Verdammnis
„Resident Evil 3“ gestattet euch erstmals keine Charakterwahl. Als Jill Valentine, bekannt aus Teil 1, versucht ihr aus Raccoon City zu fliehen. Als wäre es nicht schwer genug, sich seinen Weg durch die zombieverseuchte Stadt zu schlagen, hat Umbrella noch das neueste Produkt der Superkrieger-Forschungsreihe auf euch angesetzt: Nemesis. Die Geschichte von Claire Redfield wird in „Resident Evil: Code Veronica“ weitererzählt. Umbrella hält Chris Redfields Schwester auf Rockford Island gefangen. Den Ausbruch des T-Virus in der Forschungseinrichtung nutzt Claire zur Flucht und schlägt sich durch eine erstmals komplett in Echtzeit berechnete Spielwelt. Ehemals als Dreamcast-Exklusivtitel geplant, wurde das Spiel auch für die Playstation und den Gamecube umgesetzt - ein Verhalten seitens Capcom, das sich beim vierten Teil wiederholte.
Mario bekommt Gesellschaft
Das eher für kindgerechte Spiele bekannte Nintendo gewann Capcom für die exklusive Fortführung der Serie. Der damals aktuelle Gamecube war somit die ideale Plattform für „Resident Evil“-Fans. Den Auftakt bildete ein aufwändiges
»Remake des ersten Teils. Die Entwickler beschränkten sich nicht nur darauf, dass alte Spiel in eine zeitgemäße Optik zu kleiden, sondern überraschten mit zahlreichen inhaltlichen Änderungen. Unter anderem wurden Levelabschnitte komplett umgestaltet. Darauf erschien „Resident Evil Zero“, das kurz vor den Geschehnissen des ursprünglichen Spiels ansetzt. Hauptfigur ist Rebecca Chambers, jüngste Rekrutin des S.T.A.R.S.-Teams. In Gesellschaft des geflohenen Sträflings Billy Coen erwehrt sie sich den ebenfalls geflohenen Monströsitäten aus Umbrellas Laboren. Eine spielerische Neuerung stellt das Buddy-System dar: Ihr könnt frei zwischen Rebecca und Billy wechseln.
Die Serie erfindet sich neu
Mit Teil vier krempelte Capcom das Spiel dermaßen um, dass ein zweiter Blick notwendig war, um
»Resident Evil 4 als Fortsetzung der beliebten Spieleserie zu erkennen. Resultiert der Änderrungseifer von Entwicklern häufig in schlechten Produkten, kann bei „Resident Evil 4“ davon nicht die Rede sein. Im Gegenteil! Das Spiel gilt als Vorzeigetitel der letzten Konsolengeneration. Augenscheinlichste Änderung ist die Kameraführung. „Resident Evil 4“ bedient sich der für Actionspiele typischen 3rd-Person-Perspektive. Capcom opferte das cineastische Flair zugunsten eines dramatischeren Spielablaufes. Erstmals müsst ihr euch mit großen Gegnermassen herumschlagen. Bringt ihr als Leon Scott Kennedy, bekannt aus Teil zwei, auf der Suche nach der Tochter des amerikanischen Präsidenten ein ganzes Dorf gegen euch auf, müsst ihr in Bewegung bleiben, um vom wütenden Mob nicht erwischt zu werden.
Mit einem Stift auf Zombiejagd
„Resident Evil“ ist nicht nur Konsolen und dem PC vorbehalten. Sowohl für den Gameboy Color als auch den DS erschienen eigenständige Ableger. „Resident Evil Gaiden“ für den Gameboy wird allerdings nicht als Fortsetzung aufgefasst. Dies liegt natürlich nicht am ungewöhnlichen Schauplatz, ein Kreuzfahrtschiff, sondern am unvermeidlichen Tod des Spielhelden Leon Scott Kennedy, der ja ein paar Jahre später auf dem Gamecube ein Wiedersehen mit Zombiefizierten feiert. „Resident Evil: Dead Silence“ für den DS zählt hingegen offiziell zur Spielereihe. Es wäre auch verwunderlich, wenn Capcom den Serienauftakt verleugnen würde, denn „Dead Silence“ ist ein weiteres Remake des ersten Teils. Während sich der Handheld-Titel im Classic-Modus wie auf der Konsole spielt, nutzt der Rebirth-Modus die Fähigkeiten des DS: Zum Beispiel kann der Stylus zum Messerschwingen genutzt werden.
Das Grauen hat viele Gesichter
Die oben aufgeführten Spiele bilden das Spektrum des „Resident Evil“-Gaming-Franchises noch nicht gänzlich ab. Neben den immens erfolgreichen Action-Adventures etablierte Capcom die spielerisch mäßige „Gun Survivor“-Serie. In klassischer Egoshooter-Manier ballert ihr euch durch Zombiehorden. Ähnlich verhält es sich bei „Umbrella Chonicles“. Im Wii-Titel könnt ihr euch allerdings nicht frei durch den Level bewegen, sondern werdet auf festen Bahnen durch unterschiedliche Szenarios der „Resident Evil“-Geschichte geführt. Die „Outbreak“-Spiele erinnern entfernt an
»Left 4 Dead. Ohne großes Story-Geplänkel werdet ihr in einen Spielabschnitt gesetzt und müsst mit euren Team-Kollegen den Ansturm der Zombies überleben - optional sogar im Online-Modus. Die deutschen Server wurden allerdings schon vor zwei Jahren heruntergefahren.