Belief and Betrayal, Glaube und Verrat - Worte, die bei Entwickler Artematica in zweierlei Hinsicht zutreffen: Zum einen behandelt das neuste Adventure des italienischen Studios, ganz in "Sakrileg" - Manier, eine Verschwörung im Kreise der Kirche, zum anderen war die Hoffnung, der vor einiger Zeit erschienene quasi - Vorgänger "Das Eulemberg Experiment" sei ein guter Titel, fehlglauben. Ob sich "Das Medallion des Judas", so der Untertitel der neusten Artematica Knobelei, besser schlägt?
Kaum zu glauben!
Journalist Jonathan Danter führt in New York ein eher lässiges Leben, bis, naja, der Anruf eines Londoner Inspectors sprichwörtlich Schwung in Jon's Existenz bringt. Er sei in großer Gefahr, müsse so schnell wie möglich nach London kommen. Klar, denkt sich unser Meisterreporter und willigt, ohne groß zu hinterfragen, ein - ein derartig handzahmer Journalist dürfte der Traum eines jeden von Paparazzos belagerten VIP's sein. Auf der Insel der Verdammten angekommen, erfährt er dann endlich den wahren Grund seines Abstechers: Onkel Frank Danter, eigentlich schon vor zehn Jahren in die ewigen Jagdgründe eingegangen, ist tot. Moment, zwei mal sterben kann doch maximal James Bond! Wie zum Teufel konnte Onkel Frank also ein weiteres mal das Zeitliche segnen? Kein Problem, Erkärung folgt: der Gute hat vor zehn Jahren seinen Abgang nur inszeniert, um für den vatikanischen Geheimdienst Dan Brown zu liqui ... äh, zu arbeiten. So ganz glauben mag Jon dem Inspector aber noch nicht. Kein Ding, schließlich ziert die Meldung über Onkel Franks Tod die Titelseite einer Londoner Zeitung. Absolut glaubwürdig (Vorsicht: Ironie), schließlich hängen Geheimdienste derartige Geschichten immer gleich an die große Glocke. Dass der Inspector unserem Jon dann auch noch vorschlägt, sich im Haus seines dahingeschiedenen Onkels selbst etwas umzusehen, gibt selbst dem kulantesten Spieler den Rest: War da nicht irgendetwas mit "in Gefahr sein"? Bei den Untersuchungen jedenfalls kommt unser alter Ego nach und nach einer Verschwörung auf die Spur, die bis in die höchsten Kreise des Vatikans zu reichen scheint.
Ihr merkt: Kirchenverschwörungen und Co sind seit Dan Brown's "Sakrileg" wieder hoch im Kurs. Auch "Belief & Betrayal" bedient sich einer durchaus spannenden Ausgangsstory, scheitert aber, wie bereits "Das Eulemberg Experiment", am Erzählstil. Angefangen bei den zahlreichen Logikfehlern, teils mäßigen Dialogen bis hin zur viel zu blassen Darstellung der Hauptcharaktere und dem hakeligen Erzählfaden mag sich leider nicht wirklich Spannung aufbauen.
Innere Werte?
Überzeugt der Titel bei all den erzählerischen Schwächen wenigstens spielerisch? Teilweise. So bietet "Belief & Betrayal" solide Rätselkost, die sich aber hauptsächlich an Einsteiger richtet - Profis dürften sich durchweg unterfordert fühlen. Zur Handlung selbst passen die Knobeleinlagen allerdings nur selten und wirken so oft künstlich eingeschoben. Ärgerlich: Meist müsst ihr Hotspots zweimal anklicken, bis Jon sie aufnehmen will. So entpuppt sich ein erst nutzloser Gegenstand nach langer Suche plötzlich doch als des Rätsels Lösung.
Bei all der Mittelmäßigkeit ist es erfreulich, dass Artematica rein spielerisch gesehen nicht ausschließlich auf Standartkost baut. So erleichtert zum einen eine Hilfefunktion das finden von Hotspots, zum anderen birgt Jons PDA ein interessantes Feature. Hinweise und Ideen werden in kurzen Sätzen notiert und können mit bestimmten Objekten kombiniert werden - nette Idee! Ebenfalls interessant: Im Spiel schlüpft ihr nicht nur in die Haut von Jon, sondern steuert auch den Computerexperten Damien sowie eure Verbündete Katrin McKendal.
Solide
Die sechs Kapitel, die "Belief & Betrayal" umfasst, sind äußert abwechslungsreich: So verschägt es euch nach Venedig, Rom, London, Chartres in Frankreich sowie in die Höhle des Löwen, den Vatikan. Die Hintergründe sind hübsch gestaltet, kommen aber an Referenztitel wie "Runaway 2" oder "Geheimakte Tunguska" bei weitem nicht heran. Weniger gut gefallen haben uns die 3D Charaktere, die kantig und viel zu detailarm daher kommen. Ebenfalls mäßig: Die pixelige Zwischensequenzen. Wiederum gut: Der orchestrale Soundtrack, der nur an der ein oder anderen Stelle mit seiner Wucht etwas übertrieben wirkt, sowie die von DTP gewohnt gute Synchronisation.